07.06.2017

Keine Probleme im Sattelacker Hof

Flüchtlinge: Es funktioniert auch in Lützenhardt / Fuchtel dankt Landkreis / Rückert: deutlicher Rückgang bei Flüchtlingsankünften

Keine Probleme im Sattelacker HofDas ordentliche Miteinander von Flüchtlingen und Bürgern in Lützenhardt bestätigten Landrat Dr. Klaus Michael Rückert (links) und Stefanie Simet dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Freudenstadt / Waldachtal. In Lützenhardt gibt es zwischen den Flüchtlingsfamilien, die im Sattelacker Hof leben, und den Bürgern des Ortes keine Probleme. Darauf wies Landrat Dr. Klaus Michael Rückert beim regelmäßigen „Update“ über die Flüchtlingssituation mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel besonders hin.

Im Vorfeld der Belegung des ehemaligen Hotels im Sommer letzten Jahres hatte es Kritik an der Wahl des Landkreises gegeben, Flüchtlingsfamilien aus Talheim im Sattelacker Hof eine Bleibe zu geben. „Die Befürchtungen haben sich nicht bestätigt und unsere Prognosen sind voll eingetreten“, betonte der Landkreischef, „wir haben überhaupt keine Probleme.“ Im Gegenteil: Die dort untergebrachten Familien hätten ein ordentliches Verhältnis zu ihren Nachbarn und zu ihrem Wohnort. „Sollte mal eine Unstimmigkeit auftauchen, wird diese immer sofort artikuliert.“ Auch Dezernatsleiterin Stefanie Simet, die unter anderem für Soziales und Integration im Landratsamt zuständig ist, betonte: „Die Akzeptanz ist gewaltig.“

Schon allein wegen der Kritik im Vorfeld und der Vorsprache des Bundestagsabgeordneten Fuchtel in dieser Sache habe man speziell auf die Lützenhardter Flüchtlingsunterkunft ein besonderes Augenmerk, sagte Rückert. „Als Landrat kann ich aber ein Hotel oder eine Klinik für eine Belegung mit Flüchtlingen gar nicht ablehnen, da hätte ich ja sofort ein Folgeproblem.“

Aktuell werden allerdings dank der deutlich nachgelassenen Asylanträge jetzt wieder deutlich weniger Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Freudenstadt benötigt. Zum Vergleich nennt Simet die höheren Zuweisungszahlen zwischen Oktober 2015 und März 2016. In diesem Zeitraum kamen im Schnitt 229 Flüchtlinge pro Monat im Kreis an. Im April 2017 waren es noch 15. Die Landkreise bekämen ihre Kosten ersetzt, wobei vor allem die unbegleiteten Jugendlichen hohe Ausgaben verursachten.

Die Flüchtlingszahlen aus dem arabischen Raum hätten sich vor allem deshalb deutlich reduziert, weil die Regelung mit der Türkei getroffen worden sei und das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiierte 200-Millionen-Euro-Programm „Cash for work“ greife, betonte Fuchtel. Mit dessen Hilfe könnten die aus den Kriegsgebieten an die Grenzen Syriens Geflüchteten Arbeit bekommen und dadurch ihre Familien ernähren. Diese Menschen könnten dadurch in Heimatnähe bleiben.

Derweil habe sich für Europa ein zweites Problemfeld in Afrika aufgetan, wo dringend Lösungen vorangebracht werden müssten. Das Bundesministerium habe deswegen einen Marshallplan initiiert, um damit konkrete Vorschläge zum Handeln der internationalen Staatengemeinschaft auf den Weg zu bringen.

Auf anderem Weg wie zum Beispiel durch Energiepartnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Städten und Gemeinden, werde das Know-how deutscher Kommunen einbezogen. Fuchtel dankte besonders der Stadt Horb für deren Engagement mit einer Region in Kamerun. „Ich bin aufgeschlossen für solche Partnerschaften“, betonte Rückert, mit solchen Ideen renne man bei ihm offene Türen ein.

Staatssekretär Fuchtel möchte noch einen Schritt weitergehen und sucht Städtepartnerschaften im Dreierpack zwischen Deutschland, Frankreich und Afrika.


Elektromobilität und Breitband voranbringen

Freudenstadt. Zugetan ist der Landrat auch der neuen Förderung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge durch den Bund. Das sagte Dr. Klaus Michael Rückert dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Im Landkreis Freudenstadt seien aktuell sechs Ladestationen in Planung.

Fuchtel verwies außerdem darauf, dass Förderraten für die Ausbauplanung der Breitbandversorgung im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur seitens der Kommunen abgerufen werden könnten. Das helfe vor allem dem ländlichen Raum, sagte der direkt gewählte CDU-Bundestagsabgeordnete. Deshalb habe der Bund zwei Milliarden Euro dafür zur Verfügung gestellt, wovon der Landkreis verstärkt profitieren könne. Außerdem gebe es einen speziellen Fördertopf für Gewerbe- und Industriegebiete mit 350 Millionen Euro.

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