06.12.2011

Fuchtel: Weichen jetzt stellen

Staatssekretär vor IHK-Vollversammlung / Wandel auf Arbeitsmarkt / Engpass bei Fachkräften als Folge

Fuchtel: Weichen jetzt stellen Informationen direkt aus der Bundesregierung für die Mitglieder der IHK-Vollversammlung (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler, Kammerpräsident Burkhard Thost, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Vizepräsident Eckart Bauer.


Nagold / Nordschwarzwald. Entscheidungen trifft man als Unternehmer besser, bevor es der Markt tut. Dieser Grundsatz gilt nach Ansicht des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auch für den Wandel von Nachfrage und Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete hatte Heimvorteil, als er vor der IHK-Vollversammlung als hochrangiger Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Nagold sprach.

 

Bislang, erläuterte Fuchtel den Unternehmern aus den Landkreisen Calw, Freudenstadt, Pforzheim und dem Enzkreis, würden Fachkräfteengpässe nur vereinzelt auftreten. Allerdings zeige sich ein Mangel in Baden-Württemberg und Bayern sowie in bestimmten Branchen wie dem Gesundheitswesen, sozialen Dienstleistungen oder regional im Metall- und Elektrogewerbe.

Dennoch dürfe man die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen; für die Zukunft prognostizierten alle Arbeitsmarkt-Forschungen dauerhafte Veränderungen mit hochgradigen Folgen. Der demografische Wandel sei lange Zeit verdrängt worden. Konzerne hätten Strategien entwickelt; doch die kleinen und mittelständischen Unternehmen hätten „bei weitem noch nicht zur Kenntnis genommen, was auf die Wirtschaft zurollt.“ Begleitet werde der Fachkräfteengpass vom Bedarf an Höherqualifizierung und von einem wirtschaftlichen Strukturwandel hin zu wissensintensiven Industrien und Dienstleistungen, betonte Fuchtel.

2030 fehlten sechs Millionen Arbeitnehmer, unterstrich der Staatssekretär an Hand aktueller Zahlen aus dem Bundesministerium. Die Arbeitskräfte der Zukunft seien im Schnitt älter, „weil wir eine alternde Gesellschaft haben“ Dieses Problem sei bei weitem durch Zuwanderung allein nicht zu lösen, „weil alle europäischen Länder die gleichen Strukturen haben und ihre guten Leute binden.“ Die Leitlinie der Bundesregierung sei: „Wir wollen die besten Köpfe, wir wollen qualifizierte Arbeiter, wir wollen keine Zuwanderungen in unsere sozialen Sicherungssysteme.“

In Arbeitsgruppen würden Aktivitäten der Bundesregierung wie auch der Sozialpartner gebündelt, um weiteren Handlungsbedarf zu erkennen und Maßnahmen abzustimmen. Die Bundesregierung arbeite zur Bewältigung dieser Herausforderung mit der Wirtschaft eng zusammen. Zur besseren regionalen Abstimmung nutze ein Demographie-Netzwerk.

Gegen den Fachkräftemangel wirke am schnellsten die Ausweitung des Arbeitspotenzials von bereits erwerbstätigen Frauen. Auch in der Integration von nicht erwerbstätigen Müttern stecke großes Potenzial. Das Bundesarbeitsministerium beschreite fünf Pfade zur Sicherung der Arbeitskräftebasis in Deutschland. Dazu gehöre die längere Lebensarbeitszeit, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildungschancen für alle, eine gezielte Qualifizierungsoffensive und die bessere Integration sowie Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Fuchtel machte auf die von ihm initiierte Handwerkerbrücke nach Bulgarien aufmerksam. Die Beschäftigung junger Handwerker aus Osteuropa helfe nicht nur Handwerk und Berufsschulwesen im Nordschwarzwald, sondern bringe auch den Herkunftsländern Vorteile. Es mache mehr Sinn, „unser duales System zu übertragen“, als „zurückbleibende Entwicklungen in Osteuropa  zu finanzieren“.

Kammerpräsident Burkhard Thost dankte für die „vielen pragmatischen Lösungsansätze“. Die demographische Entwicklung sei eine Herausforderung für die Wirtschaft. Die Aus- und Weiterbildung sei auch zentrales IHK-Anliegen.

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