08.12.2011

Ein Windrad fürs Einfamilienhaus

In Langenbrand wird an Kleinstromsystemen getüftelt / Staatssekretär Fuchtel und Landrat Riegger bei F & E

Ein Windrad fürs Einfamilienhaus Als innovatives Unternehmen präsentierte sich F & E Zentrum für Oberflächenveredelung und Hochleistungswerkzeugbau in Langenbrand beim Rundgang mit (von links): Dr. Lienhard Paterok, Bürgermeisterin Bettina Mettler, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Leonhard Paterok und Landrat Helmut Riegger.

Schömberg-Langenbrand. Eigentlich sollte es einer von mehreren ganz normalen Firmenbesuchen werden, um zu erfahren, wo die Unternehmer im Kreis Calw der Schuh drückt. Doch als der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel und Landrat Helmut Riegger beim F & E Zentrum für Oberflächenveredelung und Hochleistungswerkzeugbau  in Langenbrand anklopften, da überraschte sie Geschäftsführer Dr. Lienhard Paterok mit einer Neuentwicklung, die weitere Arbeitsplätze für die Region schaffen wird.

 

Im Mai nächsten Jahres sollen die drei Prototypen eines kleinen Windkraftrades gebaut werden, das sich jedermann in den Garten oder auf das Dach seines Hauses stellen kann, um alternativ Strom zu erzeugen. „Unser System“ verriet der Unternehmer, „soll sich jeder Hauseigentümer leisten können“. Außerdem sei es absolut umweltfreundlich und werde – selbst auf Dächern montiert – die zulässige Gesamthöhe von zehn Meter nicht überschreiten. Das Rotorblatt wird einen Durchmesser von maximal 2,5 Meter haben und bis zu 20 Kilowattstunden täglich produzieren.

In einem Einfamilienhaus werden vier Kilowattstunden verbraucht; rein rechnerisch würde das den Häuslebauer sogar unabhängig von der herkömmlichen Stromversorgung machen. Wird zu wenig Strom produziert, muss zugekauft werden; überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist. Kein Wunder, dass es bereits Vorbestellungen für die Kleinstromsysteme gibt, bevor sie am Markt sind.

Deshalb ist für 2013 und 2014 eine Betriebserweiterung geplant, die mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Zunächst wird das Unternehmen jedoch noch in die Neuentwicklung investieren. Derzeit werden die Strömungsverhältnisse intensiv analysiert, erläuterte der technische Leiter Diplom-Ingenieur (TH) Leonhard Paterok.

Die Entwicklung alternativer Stromerzeugungssysteme unterstütze die von der christlich-liberalen Bundesregierung eingeleitete Energiewende nachhaltig, betonte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. „Angesichts der demografischen Entwicklung sind neue Arbeitsplätze von immenser Bedeutung für unsere ländliche Region“, so der Bundestagsabgeordnete, der Paterok für seine Standorttreue dankte.

Schon zweimal hat das 1988 gegründete Unternehmen Innovationspreise kassiert. F & E ist Marktführer für die Veredelung von Maschinenbauteilen und Werkzeugen. Die Schichten aus Nano-Keramik sind teilweise gerade mal ein hunderttausendstel Millimeter stark. Oberflächenveredelung ist für die Industrie interessant, weil sie immense Ersparnisse in der Produktion bedeutet. So sind beschichtete Bohrer zig Mal häufiger im Einsatz.

Zum Mitarbeiterstamm gehören neun Ingenieure, die sogar in der Lage sind, Materialien mit bis zu zwei Meter Länge und 600 Millimeter Durchmesser zu veredeln. Das Unternehmen stellt nicht nur eigene Werkzeuge her, sondern verfeinert auch Werkzeuge anderer Lieferanten. Produziert wird für sämtliche Industriezweige, von der Automobil-, Pharma-, Kunststoff-, Umform- und Holzindustrie bis zur Elektrotechnik, dem Maschinenbau und der Kernindustrie. Dem Fachkräftemangel begegnet das Unternehmen mit regelmäßiger Weiterbildung. Ständig gesucht sind Ingenieure mit breitem Fachwissen.

Auf Initiative der Wirtschaftsförderung des Landkreises sowie der Gemeinde Schömberg wurden insgesamt fünf Unternehmen besichtigt. Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Landtagsabgeordneter Thomas Blenke, Landrat Helmut Riegger, Bürgermeisterin Bettina Mettler sowie Wirtschaftsförderer Nico Lauxmann verschafften sich vor Ort einen aktuellen Eindruck. Zielsetzung der von Wirtschaftsförderung und Gemeinde organisierten Besuche war, die Unternehmen kennenzulernen, mit diesen ins Gespräch zu kommen und die Zufriedenheit bezüglich der Zusammenarbeit mit Kommune und Landratsamt abzufragen.  

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