28.08.2017

Bad platzt aus den Nähten

Treffpunkt Landgasthof: Auftakt der Veranstaltungsreihe ein Volltreffer/ Fuchtel: Gibt Kraft, etwas zu bewegen

Bad platzt aus den Nähten Urig und sehr beengt ging es im Bad im Christophstal zum Auftakt der Veranstaltungsserie „Treffpunkt Landgasthof“ zu, zu dem der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel eingeladen hatte. Foto: k-w

Freudenstadt-Christophstal. Die Gaststube im „Bad“ konnte die vielen Gäste kaum fassen. Sogar der Nebenraum war gut gefüllt, als Herbert Hilbert in die Tasten des Klaviers griff. „Ich freue mich, dass unsere Initiative solchen Zuspruch findet“, sagte ein sichtlich entspannter Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel, obwohl er da schon einen gut 12-stündigen Arbeitstag inklusive Ministerbesuch hinter sich hatte.

Der abendliche Auftakt zur Veranstaltungsserie „Treffpunkt Landgasthof“ war nicht nur für ihn persönlich ein Volltreffer, sondern auch für die Sache an sich. „Das Experiment ist gelungen“, stellte der Parlamentarische Staatssekretär fest, „das gibt uns Kraft, etwas zu bewegen.“ Bewegung soll in die Stärkung der kleineren Gastwirtschaften im Nordschwarzwald kommen. Deshalb gehen die CDU und mit ihr deren Kandidat in diesem Wahlkampf-Sommer auf die Bürger genau dort zu, wo schon immer das Zentrum des Landlebens war: im typischen Dorfgasthaus, das jedoch vom Aussterben bedroht ist.

Das erklärte Ziel des Politikers: „Wir müssen kreativer werden“, sagte Hans-Joachim Fuchtel im Christophstal, wo er sich allerdings ein Gasthaus für seine Initiative ausgesucht hatte, deren Betreiber einmal mehr zeigten, „wie es geht!“ Dieses Haus hat weit über die Stadtgrenzen von Freudenstadt hinaus einen hervorragenden Ruf.

Wirtin Anneliese Kleynsteuber ist schon im Bad geboren und eine direkte Nachfahrin von Christian Frauz, der im 19. Jahrhundert das Haus gekauft hat, um hier nicht nur Bier zu brauen, sondern auch seine Gäste zu verköstigen. Zuvor war es Herzogliche Eisenwerk-, dann Forstverwaltung. Später war es eine Badeanstalt mit Vesperstube für die Freudenstädter, die immer dann ins Tal marschierten, wenn ihnen mangels eigenem Wasseranschluss nach Sauberkeit verlangte, wie Dr. Gerolf Hau, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Freudenstadt augenzwinkernd anmerkte.

Wo keine Infrastruktur mehr vorhanden ist, stirbt die dörfliche Kultur, sagt Hans-Joachim Fuchtel, weshalb er Mut machen will, solch positiven Beispielen zu folgen. „Wir Freudenstäder freuen uns, dass das hier im Bad so gut klappt“, machte auch der frühere Bürgermeister Gerhard Link deutlich, welch wichtigen Funktionen die kleinen Landgasthöfe hatten und haben. Er brachte aus dem Stadtarchiv für diesen unterhaltsamen Abend so manche Anekdote mit, unter anderem darüber, wie es unter Herzog Friedrich I. von Württemberg 1599 zur Gründung der „heimlichen Hauptstadt des Schwarzwalds“ gekommen war, und wie der Bergbau einst im Christophstal erblühte. Sein Resümee: Ohne das Christophstal würde es Freudenstadt heute nicht geben und damit auch nicht diese urige Einkehrmöglichkeit, die als eine der ältesten in die Annalen der 400 Jahre alten Stadt eingegangen ist.

Ein Grund mehr, die Traditionen zu pflegen, sagte Hans-Joachim Fuchtel, der Ideen sammelt, um solche Kommunikationsmöglichkeiten zu erhalten, denn „es darf nicht alles anonymer werden.“ Dazu soll auch ein Gedankenaustausch mit dem Hotel- und Gaststättenverband im Nordschwarzwald beitragen. Bei der Bestandsaufnahme werde es nicht bleiben, versprach der CDU-Politiker: „Wir müssen das Thema nach der Wahl unbedingt aufarbeiten.“[Druckversion]