29.08.2017

Kontrollregime ist der falsche Weg

Landwirtschaft: Minister Peter Hauk fordert mehr Flexibilität bei Düngeverordnung/ „Fuchtel ein Schaffer vor dem Herrn“

im Dialog mit den Landwirtenim Dialog mit den Landwirten aus den Kreisen Calw und Freudenstadt: Landwirtschaftsminister Peter Hauk (Zweiter von rechts) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel (rechts) auf dem Hof von Frieder Großhans in Beuren. Links im Bild: Simmersfelds Bürgermeister Jochen Stoll. Foto: k-w

Simmersfeld-Beuren. Diese Forderung möchte Peter Hauk im Koalitionsvertrag zur Bildung der nächsten Bundesregierung verankert wissen: Die Düngeverordnung der Europäischen Union muss bundesweit flexibler interpretiert werden können. Damit sprach Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister den Bauern aus den Kreisen Calw und Freudenstadt, die sich auf dem Hof von Frieder Großhans versammelt hatten, aus dem Herzen.

Als Peter Hauk den Maschinenschuppen in Simmersfeld-Beuren betritt, da freut er sich auf ein Wiedersehen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel: „Dieser Mann ist ein Schaffer vor dem Herrn“, sagt der Landesminister über den Parlamentarischen Staatssekretär, „er ist trotz seiner Zusatzaufgaben in Berlin nie müde geworden, sich für seinen Wahlkreis einzusetzen.“ So auch diesmal, als Fuchtel den Landwirten ein Forum mit ihrem wichtigsten Ansprechpartner auf Landesebene bietet. Doch für den Kreisvorsitzenden Frieder Großhans gab es dafür ohnehin keine Alternative, denn „die CDU ist die einzige Partei, bei der die Landwirtschaft im Wahlprogramm vorkommt.“ 

Es wird eine sachliche und fachkundige Gesprächsrunde, auch wenn die Frauen und Männer angesichts des ständigen Auf und Ab in ihrem Berufsstand dem Stuttgarter Regierungsvertreter von ihren Sorgen, Zukunftsängsten und zunehmenden Anfeindungen berichten. Hauk und Fuchtel hören geduldig zu, nicken zustimmend, fragen kritisch nach und beziehen Stellung. Ungeschönt und mitunter auch ein bisschen unbequem, aber auf Augenhöhe.

„Auch ich bin über die ganze Entwicklung bei der Düngeverordnung nicht glücklich“, gibt Hauk offen zu, „denn die baden-württembergischen Betriebe sind garantiert nicht die Verursacher der hohen Nitratwerte im Grundwasser.“ Es sei falsch, ein Kontrollregime zu etablieren. Das wolle er den Kollegen im Bundestag vermitteln. Die Düngeverordnung müsse da greifen, wo Grenzwerte überschritten werden.

Der Landwirtschaftsminister ermuntert die Bauern dazu, beim Milchpreis mit Hilfe ihrer Genossenschaften selber einzugreifen, sollte Überproduktion den Preis nach unten drücken. „Was bei den Zuckerrübenbauern geht, muss doch auch bei den Milchbauern möglich sein“, sagte Hauk, der zugleich einräumte, dass bei einem Literpreis von 20 Cent keine ordentliche Milchproduktion mehr zu stemmen sei. Was auf europäischer Ebene fehle sei ein Kriseninterventions-Mechanismus. „Aber da müssen sich alle einig sein“, betonte der Minister, „und begreifen, dass sie im selben Boot sitzen.“ Hauk sprach sich dafür aus, die Vermarktung regionaler Produkte zu stärken, denn „diesen wachsenden Markt können wir immerhin persönlich regulieren.“

Entwarnung konnte Hauk bei der Bewirtschaftung der Privatwälder geben: Die Forstbediensteten dürften laut Bundesgerichtshof zwar nicht mehr zum Nulltarif beraten, „aber bei uns fallen die Privatwaldbesitzer in kein Loch, es wird immer Ansprechpartner geben.“ Das Gleiche gelte für das Wildschadensmanagement. Hier riet Hans-Joachim Fuchtel, rechtzeitig nach geeigneten Wildschadensschätzern Ausschau zu halten. Es schade sicher nicht, wenn sich die Landwirte selber einbringen.[Druckversion]