30.08.2017

Bahnhof soll Schmuckstück werden

Investition: Thomas und Lucas Sperr erläutern Pläne/ Fuchtel empfiehlt Inszenierung von Gegensätzen

denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude Inspizierten das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von Bad Wildbad und den königlichen Salon (von links): Gemeinderat Jochen Borg, die Investoren Lucas und Thomas Sperr, der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel sowie Bürgermeister Klaus Mack. Foto: k-w

Bad Wildbad. Einst war er der „eleganteste aller Bahnhöfe Württembergs“. Und das soll das denkmalgeschützte Ensemble in Bad Wildbad nach den ehrgeizigen Plänen von Thomas und Lucas Sperr auch wieder werden. Vater und Sohn erläuterten dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel, Bürgermeister Klaus Mack und seinem Stellvertreter Jochen Borg, wie sie aus dem im 19. Jahrhundert errichteten Gebäude wieder ein Schmuckstück machen wollen.

Dreh- und Angelpunkt im Innern wird der Gastronomiebetrieb werden, in den der alte Fahrkartenschalter originalgetreu integriert wird. Außerdem wird man im Südflügel stilvoll seinen Kaffee trinken können, wo sich einst gekrönte Häupter vor ihrer Abreise in einem eigens für sie errichteten Salon aufhielten. Darunter auch König Karl von Württemberg, der am 12. Juni 1868 zum ersten Mal die Bahn für seine Reise in den Badeort Wildbad nutzte.

Denn die Enztalbahn, die in den Jahren 1865 bis 1868 gebaut wurde, diente in ihrem Ursprung nicht der Erschließung abseits gelegener Gemeinden, sondern brachte die höfischen Kreise vor 150 Jahren schneller von Stuttgart in ihren Badeort. Die Reise mit der Kutsche war im Vergleich dazu unbequem und dauerte auch wesentlich länger. Dem König haben es also die Wildbader zu verdanken, dass es im Enztal die älteste Bahnstrecke im Nordschwarzwald gibt. Das aus Repräsentationsgründen übergroße, königliche Empfangsgebäude in Bad Wildbad trug wesentlich zu den mit 7, 6 Millionen Mark auffallend hohen Baukosten bei.

Ein Biergarten und ein Imbiss rund ums Waschhäusle sind weiteren Ideen, die Thomas und Lucas Sperr umsetzen möchten. Die bestehende Buchhandlung zieht in den Nordflügel um. „Wir wollen einen Hingucker am Stadteingang schaffen“, betonte Thomas Sperr, „dabei sind wir immer offen für neue Ideen.“ Das Ensemble des altehrwürdigen Bahnhofsgebäudes, in dem die bestehenden Wohnungen erhalten bleiben sollen, sei ein Juwel. Deshalb werde man gerne die Historie widerspiegeln, als die Wildbader unter königlicher Herrschaft eine Blütezeit erlebten. Vater und Sohn begrüßten es ausdrücklich, wie der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel engagiert weitere Ideen in ihr Konzept einbrachte.

„Die königliche Inszenierung wird ziehen“, waren sich Hans-Joachim Fuchtel und Bürgermeister Klaus Mack einig, die beide die Investitionsbereitschaft der neuen Eigentümer hervorhoben. Der Parlamentarische Staatssekretär ging sogar noch einen Schritt weiter, als er dazu riet, einen königlichen Souvenirverkauf einzurichten und typische Schwarzwälder Produkte anzubieten. Der szenisch dargestellte königliche Besuch, kombiniert mit dem Flair der früheren Dampfeisenbahn, werde die Gäste in Bad Wildbad begeistern. Gerade die Originalität und die Herausarbeitung von Gegensätzen zwischen Historie und Modernität seien Erfolgsgaranten, ist Fuchtel überzeugt. 

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