04.09.2017

Hauch von Grandhotel erlebt

Denkmalschutz: Rüdiger Kruse und Hans-Joachim Fuchtel machen einen Abstecher in die „Waldlust“

fuwaldlust 

Fuchtel (links) und Rüdiger Kruse in Freudenstadt, als sie von Nicole Spiekermann durch die „Waldlust“ geführt wurden.

Freudenstadt: Noch ist die „Waldlust“ nicht verloren: „Der Glanz des alten Grandhotels lässt sich noch erahnen“, stellt der CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse fest, als er gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Hans-Joachim Fuchtel zwischen zwei Terminen in Buhlbach und Alpirsbach einen Zwischenstopp in Freudenstadt einlegt.

Darum hatte der Denkmalverein Fuchtel gebeten, nachdem deren Vorsitzender Siegfried Schmidt von Rüdiger Kruses Wahlkreisbesuch erfahren hatte. Der Besuch des Haushaltspolitikers war den Ehrenamtlichen deshalb so wichtig, weil Kruse unter anderem für das Berliner Denkmalschutz-Sonderprogramm zuständig ist. Daraus können auch kleinere Projekte im ländlichen Raum gefördert werden, wenn die Abgeordneten davon überzeugt sind.

Unkonventionell sagten die beiden Politiker trotz ihres eng getakteten Terminplans zu, um sich von Nicole Spiekermann durch die einst noble Herberge führen zu lassen. Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, steht das Haus seit 2005 leer. Und doch ist noch vieles von dem erhalten, was die „Waldlust“ einst ausgemacht hat. „Das hat schon was, so baut heute keiner mehr“, kommentiert der Experte aus Hamburg nach seinem Rundgang.

Der Freudenstädter Denkmalverein würde das historische Hotel gerne in jenem Zustand, den es vor dem ersten Weltkrieg hatte, restauriert wissen, doch das gestaltet sich nicht ganz so einfach. Momentan ist er nur Verwalter des Anwesens, vermietet Räume im Innern für Film- oder Fotoaufnahmen und kann von den Einnahmen das Kulturdenkmal mehr schlecht als recht vor dem Verfall retten. Eine erhebliche Summe, die der Denkmalverein nie von sich aus aufbringen könnte, würde die Sanierung kosten. Darum habe man bereits Kontakt mit möglichen Investoren aufgenommen.

Unabhängig von den Kaufverhandlungen sei es jedoch wichtig, eine ausreichende Grundsicherung vorzunehmen, um die Substanz zu erhalten, erläutert Vorsitzender Siegfried Schmidt. Auch könnte sich der Verein durchaus vorstellen, eine „Kaufoption auf Zeit“ mit dem jetzigen Eigentümer, einem Unternehmer aus Wiesbaden, einzugehen, um sich ein Mitspracherecht bei möglichen Verhandlungen einzuräumen. Würde sich der Denkmalverein nicht so engagieren, da waren sich alle einig, wäre das Haus längst zur Ruine verkommen. 

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