13.12.2011

Der Mensch im Mittelpunkt

Staatssekretär Fuchtel bei Calwer Senioren / Weiterentwicklung der Pflegeversicherung / Auch künftig würdevolle Betreuung

Der Mensch im Mittelpunkt Im Hirsauer Kursaal sprach der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel auf Einladung des Calwer Stadtseniorenrates. Rechts im Bild: Christine Kaschützke, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes.

Calw-Hirsau. Ältere und kranke Menschen sollen auch in Zukunft würdevoll betreut und gepflegt werden können. Dazu bedarf es einer ausreichenden Zahl an motivierten und qualifizierten Fachkräften. Der Weg dahin führt nach den Worten des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel über eine Weiterentwicklung der bewährten Pflegeversicherung. Auf Einladung des Stadtseniorenrates Calw sprach der Bundestagsabgeordnete im gut besuchten Hirsauer Kursaal.

Der Schlüssel für eine gemeinsame Lösung der demografischen Herausforderungen, die auch Auswirkungen auf den Pflegebedarf haben, müsse in erster Linie vor Ort gefunden werden, erklärte der Staatssekretär. Hierbei sei kommunale und bürgerschaftliche Kompetenz gefordert. Wenngleich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland jährlich um 50.000 zunehme, stehe „der Mensch in jedem Fall im Mittelpunkt aller Anstrengungen“.

Der Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung, die Zunahme der Ein-Personen-Haushalte, räumliche Entfernungen wie auch eine steigende Erwerbstätigkeit der Frauen erschwere den Einsatz der Angehörigen. Vor diesem Hintergrund „ist für uns die Fachkräftesicherung ein zentrales Anliegen“, wofür die Bundesregierung ein Konzept vorgelegt und sich verpflichtet habe, die gesteckten Ziele jährlich zu überprüfen. Auf Initiative des Bundes sei eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive, die die stufenweise Erhöhung der Ausbildungskapazitäten, die Weiterentwicklung der Ausbildung sowie bessere Rahmenbedingungen für die Pflege zum Ziel habe, in Zusammenarbeit mit Ländern und Verbänden gestartet worden. Dazu gehöre auch ein Pflegemindestlohn.

Zwar biete die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit die Möglichkeit, Pflegekräfte aus Osteuropa anzuwerben, doch werde die „Rettung nicht aus dem Osten“ kommen, dämpfte Fuchtel die Erwartung, dass es dadurch zu einem Ansturm auf den deutschen Arbeitsmarkt komme: „Die grenzüberschreitende Mobilität wird sich in Grenzen halten.“ Gleichwohl müssten Pflegekräfte mit ausländischem Abschluss künftig ein Anerkennungsverfahren durchlaufen, um die Qualität in der Pflege zu garantieren.

Nichtsdestotrotz gebe es genügend Potenziale in Deutschland, betonte Fuchtel, die stärker erschlossen werden können. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stehen 121.000 Arbeitslose aus gesundheits- und sozialpflegerischen Berufen für eine Beschäftigung zur Verfügung. Allein in der Altenpflege seien im Oktober bei 3.900 offenen Stellen rund 32.000 Altenpflegehelfer und Hilfskräfte arbeitslos gemeldet gewesen. Attraktive steuerliche Entlastungen sollen Anreiz bieten, dieses „große legale Beschäftigungsangebot“ zu nutzen. Dazu werden Förderinstrumente weiter verbessert. Das Gesetz zur Familienpflegezeit tritt zum 1. Januar 2012 in Kraft. Demnach können Beschäftigte ihre wöchentliche Arbeitszeit reduzieren, um Angehörige zu Hause zu pflegen. Auch die Rechte und Möglichkeiten von pflegenden Angehörigen sollen gestärkt werden.

Die von Norbert Blüm eingeführte Pflegeversicherung sei ein „Meilenstein in der deutschen Sozialgeschichte“ gewesen. Deren Leistungsangebote und Ausrichtung auf die individuelle Bedarfslage der Betroffenen werde künftig noch besser vernetzt, um Qualität und Transparenz der Leistungen zu stärken, sagte der Staatssekretär. Auch Aspekte des Pflegebedarfs wie Beaufsichtigung, Anleitung oder Kommunikation sollen vermehrt einbezogen werden. Die christlich-liberale Regierung messe den menschlichen Werten wieder deutlich mehr Bedeutung bei, so Fuchtel, wozu auch eine bessere Anerkennung des Pflegeberufs gehöre.

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