11.09.2017

Gründliche Vorbereitung wichtig

Naturschutzgesetz: Staatssekretäre holen sich Unternehmerrat vor Ort / Gurr-Hirsch und Fuchtel bei PlusBaum Samen

Gründliche Vorbereitung wichtigInformationen aus der Praxis holten sich Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (links) und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Dritter von links) bei Karl-Heinz Moser in Rohrdorf. An der Gesprächsrunde nahm neben Branchenvertretern auch Bürgermeister Joachim Flik (rechts) teil. Foto: k-w

Rohrdorf. Wenn es um die Umsetzung des neuen Bundesnaturschutzgesetzes in Baden-Württemberg geht, hat Karl-Heinz Moser viel zu sagen. Deshalb sollte der Rohrdorfer Unternehmer nach Ansicht von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch unbedingt der Expertenkommission angehören, die sich mit dem Paragraphenwerk noch intensiv auseinandersetzen wird.

Die Stellvertreterin des Ministers für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz besuchte auf Anregung des CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel die Firma PlusBaum Samen in Rohrdorf, wo Moser in der alten Gerberei seine Produktionshalle eingerichtet hat. PlusBaum erzeugt Saatgut von besonders hoher Qualität für Forstpflanzen, Weihnachtsbäume und Gehölze jeder Art. Mosers Unternehmen ist eines von vier in Deutschland, die bundesweit Bedeutung haben. „Bei unserem weltweiten Handel sind wir häufig nicht nur auf die Natur, sondern auch auf die Politik angewiesen“, betonte Moser mit Blick auf den Einkauf in Entwicklungsländern.

Weit größere Sorgen aber bereitet dem Unternehmer und seinen geladenen Gästen aus der Branche das neue Naturschutzgesetz des Bundes, dass in den Bundesländern offenbar unterschiedlich ausgelegt wird. In der freien Landschaft dürfen künftig nur noch „gebietseigene Sträucher“ gepflanzt werden. Sollten die Baden-Württemberger diesen Passus genauso streng auslegen wie die Bayern, dürfte es bei der Bepflanzung entlang der Autobahnen im Land bald schon zu Engpässen kommen, ist sich Moser sicher, „denn dann hätten wir Probleme, genügend Saatgut zu bekommen.“

Moser fordert ein einheitliches System, das bundesweit für alle Baumschulen gilt. Auch dürfe den Betrieben bei der Auswahl ihrer Erntegebiete kein allzu enges Korsett auferlegt werden, mehr Flexibilität sei notwendig. In Baden-Württemberg setze der Forst ohnehin zu sehr auf die natürliche Verjüngung des Waldbestandes, was dazu führe, dass teilweise die Nachhaltigkeit gefährdet sei.  

„Ich bin froh, dass ich derartige Hinweise aus der Praxis bekomme“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch, die mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel einig in der Frage ist, dass dieses Thema unbedingt auf der Tagesordnung einer Expertenkommission stehen muss. „Es ist wichtig, dass wir uns gründlich auf die Umsetzung des Gesetzes in 2020 vorbereiten“, so die Staatssekretärin, die zu einem zeitnahen Treffen den Landesforstpräsidenten, die zuständigen Fachleute und auch das Verkehrsministerium einladen möchte. Dabei soll dann ebenso darüber diskutiert werden, dass der Waldbestand im Land nicht weiter abnehmen darf.

Der Wald habe ohnehin immer weniger Fürsprecher, argumentierte Moser, und das Wissen um eine gute Waldbewirtschaftung gehe langsam verloren, weil ganze Berufsstände aussterben. „Wir werden da nicht länger zuschauen“, betonte Hans-Joachim Fuchtel, „denn wir wissen, dass das Waldthema immer wichtiger für unser Klima wird.“ Der CDU-Politiker bot dem Rohrdorfer Unternehmer darüber hinaus weitere Gesprächsbereitschaft an, „um zu hören, was getan werden kann.“ 

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