17.09.2017

Bei der Geldwäsche ansetzen

Finanzpolitik: Margaret Horb lässt keine Unternehmerfrage unbeantwortet / „Politikerdiamant“ Hans-Joachim Fuchtel

Nagold / Freudenstadt: Im Steuerrecht ist es wie beim Anzug: „Er muss nicht nur schick, sondern auch tragbar sein“, sagt Margaret Horb. Die CDU-Finanzexpertin bringt selbst ein ganzer Tross an Unternehmern nicht aus dem Konzept, wenn sie erklärt, dass es ihrer Meinung nach ab September nur mit der CDU weitergehen kann, um die deutsche Wirtschaft auf Erfolgskurs zu halten.

Dabei sind Steuerfragen eine besonders trockene Materie. Schnell spüren die 50 Mitglieder der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) auf dem Nagolder Wolfsberg jedoch, dass eine Praktikerin im Dienst der Politik vor ihnen steht. Und der Vergleich mit dem tragbaren Anzug liegt an der Gastgeberin, der DIGEL AG, die Margaret Horb nach dem Firmenrundgang mit Hans und Jochen Digel beeindruckt so beschreibt: „Der Champion, der unsere Männer einkleidet, damit sie weltweit gut dastehen.“

Ein Champion, der weltweit gut dasteht, ist auch Deutschland, weiß Carl Christian Hirsch, wie Horb Listenkandidat der CDU für die Bundestagswahl. Und darum „braucht dich die Unionsfraktion als Steuer- und Finanzexpertin, weil du eine der wenigen bist, die wirklich Ahnung von der Materie haben.“ Das beweist Margaret Horb, die auf Einladung ihres Fraktionskollegen Hans-Joachim Fuchtel von Osterburken in den Nordschwarzwald gereist ist, gleich mehrfach an diesem Abend.

Deshalb sieht sich Vorsitzender Markus Schindele aus Baiersbronn bestätigt, dass die MIT mit der Veranstaltung einen Volltreffer gelandet hat. Zumal sich auch Mittelständler aus dem Kreis Freudenstadt auf den Weg gemacht haben, um mit der Bundestagsabgeordneten über Bürokratieabbau, Steuerrecht und Terrorfinanzierung zu debattieren. Margaret Horb wäre nicht Margaret Horb, wenn sie auch nur eine der vielen Fragen unbeantwortet gelassen hätte. Wie ihr Co-Referent Ulrich Kallfass, der ein Ende der Regulierungswut fordert, ist sie auch nach fünf Stunden immer noch hellwach für Einzelgespräche.

Bundestagsabgeordnete, schiebt Margaret Horb erklärend nach, sind jedoch „keine Mondmenschen“, sondern stünden mitten im Leben. Der Nordschwarzwald ensende mit Hans-Joachim Fuchtel freilich einen „Diamanten“ nach Berlin, der sich trotz enormem Arbeitstempo gerne der „Neuen“ im Parlament annehme: „Ich werde den Nachmittag vor vier Jahren nie vergessen, an dem er mir erstmal erklärt hat, wie Bundestag geht!“

Die CDU-Politikerin, die sich ihre beruflichen Sporen beim Finanzamt Calw verdient hat, spricht sich für die „Rettung der Dörfer und Kleinstädte“ aus. Hier bräuchten private Investoren seitens des Steuerrechts dringend Entlastung.

Während man im ländlichen Raum als Unternehmer wegen der langen Wege mühsam Fahrtenbuch führen müsse, seien Großstädter wie so oft im Vorteil: Mit einem Ticket, das sofort von der Steuer abgesetzt werde, ließe sich alles erledigen. Kleinkariert mag sie gar nicht: Denn während Mittelständler mit allzu viel Bürokratie konfrontiert seien, „gehen uns allein durch Geldwäsche jedes Jahr 55 Milliarden Euro flöten.“ Hier müsse der Hebel angesetzt werden, ist Margaret Horb überzeugt, die mehr Planungssicherheit für Unternehmer fordert und mehr Freiraum bei der Bekämpfung der Geldwäsche.

Von einem Unternehmenssteuergesetz, wie es Ulrich Kallfass vorschlägt, ist auch sie überzeugt. Genauso wie sie aus diesem Abend eine Hausaufgabe von ihm mitgenommen hat: „Wer mehr arbeitet, soll auch mehr im Geldbeutel haben. Daran müssen wir in der Tat noch arbeiten.“

 

fugeld

 

Politik und Mittelstand im Dialog: Carl Christian Hirsch, Markus Schindele, Margaret Horb, Hans Digel, Jochen Digel und Ulrich Kallfass bei DIGEL in Nagold 

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