17.02.2012

Die Welt der Logistik und der Politik

Geschäftsführer Horst Schuon und Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel im Dialog mit der Frauen Union

Die Welt der Logistik und der Politik Im Dialog mit der Frauen Union: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) und Geschäftsführer Horst Schuon (Mitte) im Haiterbacher Logistikzentrum von schuon logistik.

Haiterbach / Waldachtal. Im Nordschwarzwald gibt es nur wenige Städte, wo die Zahl der Berufseinpendler auffallend hoch ist. Ein solches Beispiel ist Haiterbach. Dank vorausschauender Gewerbeplanung wurde ein gutes Arbeitsplatzangebot geschaffen, lobte Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel im Rahmen einer Veranstaltung bei der Firma schuon logistik die Kommunalpolitik. Der Politiker nahm sich über zwei Stunden Zeit, um mit der Frauen Union des Kreises Calw über regionale Themen und aktuelle Fragen der Bundespolitik zu diskutieren.

Im Jahr 2010 wurden beim Statistischen Landesamt erstmals seit 2003 für Haiterbach 1288 Einpendler registriert. Die Zahl der Auspendler lag 2010 bei 1582. Bei den männlichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist die Zahl der Einpendler mit 1013 sogar höher als die der Auspendler (919).

Es gebe sie noch, die Unternehmer, die ihrer Heimat treu bleiben, betonte der Bundestagsabgeordnete. Zwei davon seien die Brüder Horst und Willi Schuon, die trotz „starker Abwerbungsversuche“ in Haiterbach investierten, sagte Fuchtel. Zuvor waren die Gäste mit Geschäftsführer Horst Schuon durch das 225 Meter lange und stellenweise bis zu 20 Meter hohe Logistikzentrum marschiert. Durch einen Anbau in 2010 ist es inzwischen auf über 35.000 Quadratmeter Nutzfläche gewachsen. Auf 105.000 Paletten werden im interkommunalen Gewerbegebiet von Haiterbach und Waldachtal vor allem Bücher sowie Waren aller Art zwischengelagert. Im Keller wird die Logistik für den Online-Handel abgewickelt, der sich zu einem weiteren Standbein gemausert hat. Außerdem hat schuon logistik 40.000 Quadratmeter Lagerfläche zusätzlich angemietet.

Bei Kaffee und Kuchen entspann sich später in der Kantine „ein aufgeschlossener Dialog“, wie die Vorsitzende der Frauen Union, Heike Gäbler, resümierte. Dafür habe sich der Staatssekretär immerhin über zwei Stunden Zeit genommen. Hans-Joachim Fuchtel riet, sich nicht einreden zu lassen, dass in Deutschland die soziale Kälte ausgebrochen sei. „Unsere Zielgruppe sind die wirklich sozial Schwachen“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales.  Bewundernswert sei, wie die Bundeskanzlerin sich auch nicht scheue, im Ausland Dinge beim Namen zu nennen. Sei es zur Schuldenkrise oder zum Thema Menschenrechte. Deutlicher zur Sprache kommen müsse, dass auch die Märkte in Fernost bei den Qualitätsstandards im Arbeitsschutz gefordert seien. Darüber werde zu wenig gesprochen.

Die Folgen der demografischen Entwicklung würden bereits offensichtlich. So habe sich das Durchschnittsalter in den Betrieben um 4,5 Jahre erhöht. „Wir wollen die besten Köpfe und keinen Zuzug in unsere Sozialsysteme“, betonte Fuchtel, der sich dafür aussprach, den Arbeitskräftemangel vor allem durch Nutzung vorhandener Potenziale auszugleichen. Andere europäische Länder hätten die gleichen Probleme, weshalb man sich nicht nur auf Arbeitskräfte aus dem Ausland verlassen dürfe.

Der ländliche Raum werde sich mit dem Erhalt seiner Infrastruktur schwerer tun als die Großstadt, warnte Fuchtel. Deshalb „müssen Information und Bildung zu den Menschen kommen“, wofür schnelles Internet notwendig sei. Die Wertschöpfung bei der regenerativen Energieerzeugung müsse unter allen Umständen stärker in der Region bleiben.

[Druckversion]