13.04.2012

Abgeordneter erfüllt ungewöhnlichen Wunsch

Vierfache Mutter schaut hinter Berliner Kulissen / Praktikum im Büro von Staatssekretär Fuchtel

Abgeordneter erfüllt  ungewöhnlichen Wunsch Im Berliner Reichstagsgebäude wurde Praktikantin Angelika Holzäpfel vom Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel begrüßt.

Althengstett-Ottenbronn. Ein offenes Ohr für einen recht ungewöhnlichen Wunsch hatte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Mitte März begann für die 37jährige Angelika Holzäpfel aus Ottenbronn ein spannender  Ausstieg aus dem Alltag. Jetzt hat sie vom Bundestagsabgeordneten persönlich ihr Praktikumszeugnis überreicht bekommen.

Langeweile kommt bei vier Kindern, einem landwirtschaftlichen Betrieb und als Mitarbeiterin der örtlichen Kirchengemeinde auch zu Hause nicht auf. Dennoch war es schon seit längerem der Wunsch der vielseitig interessierten Frau gewesen, einen tieferen Einblick in die politischen Abläufe zu bekommen Nachdem Hans-Joachim Fuchtel von dem Wunsch erfahren hatte, lud er sie spontan zur mehrwöchigen Mitarbeit in sein Berliner Abgeordnetenbüro ein.

Auf die nicht ganz alltägliche Idee, sich um ein Praktikum beim Abgeordneten des Wahlkreises Calw/Freudenstadt zu bewerben, hatte Angelika Holzäpfel der Bericht einer früheren Praktikantin im Schwarzwälder Boten gebracht. Und als die Familie grünes Licht dafür gab, setzte sie ihr Vorhaben auch tatsächlich in die Tat um. Natürlich war die Freude groß, als Hans-Joachim Fuchtel kurz vor Weihnachten anrief und sie nach Berlin einlud.

„Dass der Kalender eines Abgeordneten, der gleichzeitig Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales ist, nicht viele Lücken aufweist, hatte ich vermutet“, gibt die Praktikantin einen ihrer ersten Eindrücke wieder, „aber dass es trotz räumlicher Nähe an manchen Tagen fast unmöglich ist, an eine Unterschrift zu kommen, das hätte ich mir so nicht vorgestellt“. Für Aussagen wie „Politiker bekommen ihr Geld fürs Nichtstun“ habe sie nur noch ein Kopfschütteln übrig.

Ihr selbst fehlte oft der rote Faden in der Politik. „Vieles sieht  wie planloses Stückwerk aus“, sagt Angelika Holzäpfel, „doch wer einmal die Möglichkeit hat, den Weg eines Gesetzesentwurfs ein Stück mitzugehen, dem wird deutlich, woher das rührt.“ In der Arbeitsgruppe der Partei seien durchaus klare Leitlinien vorhanden, wohin man wolle und welche Bereiche es zu verbessern gelte. Aber nicht selten werde der Entwurf dann im Ausschuss von den anderen Fraktionen regelrecht zerpflückt, zum Beispiel, weil diese andere Personengruppen im Fokus haben. „Bis man sich dann auf einen mehrheitsfähigen Kompromiss einigen kann, ist vieles von den ursprünglichen Absichten des Entwurfs nicht mehr zu erkennen“, so die Praktikantin.

Als besonders positiv hebt Angelika Holzäpfel die Betreuung der Praktikanten durch die CDU/CSU-Fraktion hervor. Dazu gehöre auch ein informatives, abwechslungsreiches Rahmenprogramm, dessen Höhepunkt eine Diskussionsrunde mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière war.

Auf die Frage, ob sie denn ihre Familie nicht vermisst habe, antwortet Angelika Holzäpfel: „Schon, aber die freundliche Atmosphäre im Büro machte es leichter. Dazu war die Zeit so vollgepackt mit neuen Eindrücken und Erfahrungen, dass nicht viel Zeit zum Nachdenken blieb“. Die Kinder sehen den Ausflug der Mutter in die Welt der Politik mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn so hatten auch sie einmal Gelegenheit, die Hauptstadt aus nächster Nähe kennenzulernen.

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