29.05.2012

Bemühungen um Arbeitskräfte gehen weiter

Fundamente für Handwerkerbrücke stehen / Städtepartnerschaft zu Sandanski nutzen / Handwerker leisten Pionierarbeit / Betriebe und Schulen offen für bulgarische Auszubildende / Initiative Richtung Spanien

Bemühungen um Arbeitskräfte gehen weiterZur Weiterentwicklung der Handwerkerbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und der Region Sandanski trafen sich Politiker, Unternehmer, Schulvertreter aus den Landkreisen Calw und Freudenstadt mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Fünfter von links) in Freudenstadt. Unser Foto zeigt einen Teil der Konferenzteilnehmer, darunter Herbert Altmann (Regionalmanager des Landkreises Deggendorfs, links), Klaus-Ulrich Röber (Stellvertreter des Freudenstädter Landrats, Dritter von links), Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald (Vierter von links) und die Calwer Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler (Achte von links).

Freudenstadt / Calw. Die Handwerkerbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und der bulgarischen Region Sandanski nimmt konkrete Formen an. Sie soll auch für Ausbildungsprojekte bulgarischer Jugendlicher genutzt werden. Bei einer Konferenz in Freudenstadt wurden für das zwischen Politik, Kommunen, Arbeitsagentur, Unternehmertum und Schulen vom Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel angestoßene Projekt die Weichen gestellt. Eine ähnliche Initiative in Bayern funktioniert bereits.

 

Hans-Joachim Fuchtel machte vor den über 30 Teilnehmern der Gesprächsrunde – darunter Oberbürgermeister Julian Osswald, der die Konferenz eröffnete – deutlich, dass er „lieber heute als morgen“ weitere konkrete Schritte in Sachen Ausbildungspakt über Ländergrenzen hinweg einleiten wolle. Denn „angesichts der demografischen Entwicklung wird vor allem im ländlichen Raum die Lage nicht besser“. Man war sich schnell einig, dass hier Neuland betreten werde. Wie aus Lehrerkreisen unterstrichen, wurde von allen Beteiligten aber die Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert. Denn man müsse sich dem Fachkräftemangel frühzeitig mit kreativen Ansätzen stellen.

Ein ähnliches Projekt wird im bayrischen Deggendorf betrieben: Hans-Joachim Fuchtel hatte deswegen den Regionalmanager vom dortigen Landratsamt zum Vortrag geladen. Überzeugend schilderte Herbert Altmann die Machbarkeit, zumal man zwischenzeitlich in Berlin durch Veränderung der rechtlichen Situation die Umsetzung solcher Projekte erleichtert hat. Altmann machte auch auf die unterschiedlichen Mentalitäten aufmerksam und nannte wichtige Voraussetzungen für die reibungslose Abwicklung der Formalitäten. Begleitung und Integration der jungen Auszubildenden sowie Sprachschulungen seien wichtig, um derartige Handwerkerbrücken zum Erfolg zu führen.

Staatssekretär Fuchtel betonte, dass die Wertschöpfung aus dem Projekt beiden Seiten zu gute komme. Für Gastronomie, Handwerk und auch Bankenwesen zeichneten sich heute schon Vorteile ab, wenngleich „das kein Spaziergang sein wird“. Aber „die Zeit eilt, deshalb müssen wir jetzt aktiv werden“, sagte der Abgeordnete, „bevor die Märkte abgegrast sind“. Der Nordschwarzwald gehöre zu den Pionieren und dürfe sich nicht von anderen Regionen abhängen lassen.

Detailliert diskutierten die Teilnehmer über schulische Bildungsunterschiede und loteten die Möglichkeiten aus, Deutschkenntnisse im Vorfeld der Ausbildung zu vermitteln. Wobei nach Auskunft von Hotelmanagerin Radka Titova vom Hotel Palmenwald in ihrem Heimatland durchaus Deutsch und Englisch auf dem Stundenplan stünden.  „Wir sind auf dem richtigen Weg“, freute sich die Calwer Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler über die Bereitschaft aller, die Pionierarbeit weiter voranzutreiben.

Aus Gesprächen mit Unternehmen hatte OB Julian Osswald schon vorab die Bereitschaft erkannt, junge Bulgaren auszubilden. „Wir brauchen keine Handlanger, sondern hochqualifizierte Mitarbeiter“, machte Klaus-Dieter Ofzky darüber hinaus deutlich, dass mit falschen Vorstellungen keinem geholfen sei.

Vor allem Vertreter des Gaststättengewerbes erhoffen sich gute Chancen, betonte der Vorsitzende des Calwer Hotel- und Gaststättenverbandes, Rolf Berlin, um dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen. Dazu bedarf es nach Aussage von Hans-Joachim Fuchtel experimentierfreudiger Betriebe sowie der Unterstützung durch die Wirtschaftsförderer und die Arbeitsagentur. Denn „die Politik kann solche Projekte nur anstoßen, jetzt müssen Gesellschaft und Wirtschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Der nächste Schritt müsse die Vertiefung der Kontakte zwischen den Regionen sein. Dazu soll eine bulgarische Delegation bald den Nordschwarzwald besuchen, um Einzelheiten zu besprechen.

Der Abgeordnete betonte, dass neben diesem Projekt auch weitere Bemühungen Richtung Spanien liefen. Eberhard Holz aus Baiersbronn steuerte seine Erfahrungen mit Russland bei, aus denen sich zusätzliche Möglichkeiten ergeben könnten.

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