14.06.2012

Erste Erfahrungen mit Fachkräfte-Aktion

Fuchtel: Nordschwarzwald frühzeitig dabei / Staatssekretär diskutiert mit spanischen Praktikanten / Betriebe schätzen ihre Arbeit

Erste Erfahrungen mit Fachkräfte-Aktion Stolz zeigt der 20jährige Elektriker Daniel Agtrelo Paz (Zweiter von links) dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) sein Notizbuch, in das er jedes unbekannte deutsche Wort notiert.

Enzklösterle / Calw / Freudenstadt. Sie sind Elektriker, Restaurantfachkräfte und Krankenschwestern, die sich mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel im Enztalhotel getroffen haben. Ihre Besonderheit: Die jungen Spanierinnen und Spanier absolvieren im Rahmen des Bundesprogramms „IdA“ ein Praktikum. „Dank der Calwer Erlacher Höhe und des Freudenstädter Oberlinhauses“, sagt der Bundestagsabgeordnete in Enzklösterle, „ist der Nordschwarzwald in Sachen ausländische Fachkräfte frühzeitig dabei.“

Während andernorts noch über die Anwerbung ausländischer Fachkräfte diskutiert wird, ist man in den Kreisen Calw und Freudenstadt schon dabei, die ersten praktischen Erfahrungen auszuwerten. „Gerade der ländliche Raum muss sich bemühen, denn wir wollen unsere Wirtschaft hier halten und das breite Angebot unserer Berufsschulen sichern“, gibt Fuchtel den Takt vor. Den Einstieg suchte man über das Bundesprogramm „IdA“. So gelang es, seit 2009 bereits elf Gruppen junger Arbeitsloser für sieben Wochen aus Schweden und Spanien nach Deutschland zu holen, um neben der berufspraktischen Qualifizierung in Betrieben zusätzliche Sprachkenntnisse zu erwerben und soziale Kompetenzen zu erweitern.

Der Gegenbesuch – hier junge Spanier - bringt einen weiteren positiven Effekt für die Region. Fachkräfte werden in Handwerk und Mittelstand dringend gesucht. Gedacht wird daran, dass der eine oder andere in Deutschland bleibt, weil er in seiner Heimat wenig Aussichten auf eine Arbeitsstelle hat. So arbeitet der 29jährige David Martinez Sánchez nach eigenem Bekunden gerne als Servicekraft in einem Baiersbronner Hotel.

Bislang ist es für alle Beteiligten gut angelaufen: Immerhin konnten 85 Prozent der deutschen Teilnehmer anschließend in eine Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden. Fuchtel bedankte sich bei den Projektträgern für ihre Innovationsbereitschaft.

Hotelier Steffen Frey vom Enztalhotel berichtete wie Praktikant Javier Merario von einer guten Zusammenarbeit. Aus anderen Branchen gibt es ebenfalls positive Rückmeldungen.

Fuchtel nannte die jungen Spanier „Botschafter der Jugend“, auf deren Erfahrungsberichte es entscheidend ankomme. Das Gespräch habe gezeigt, dass für eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens der Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse die größte Bedeutung zukommt. Nicht alle seien so fleißig wie der 20jährige Elektriker Daniel Agtrelo Paz, der jedes unbekannte Wort in sein Vokabelheft notiert.

Die Krankenschwestern Verónica Pardo Fernández, Pilar Diaz Atienza, Olga Fernandez Portas und Lucia López Alonso, die in Waldachtal und Bad Wildbad arbeiten, erklärten, dass sie ihre Aufgaben gut bewältigen und von ihrer Ausbildung her noch mehr könnten. Es hinge noch an den Deutschkenntnissen. „Wir brauchen eine intensivere Sprachförderung“, war sich Andreas Reichstein, Abteilungsleiter der Erlacher Höhe, mit Direktor Hans-Hennig Averbeck und Projektleiter Esteban Santori (beide Oberlinhaus) einig.

„Also müssen wir überlegen, wie wir den Weg erleichtern können“, benannte Fuchtel die Herausforderung. Gute Deutschkenntnisse seien wichtige Voraussetzung für einen Einsatz entsprechend der Qualifikation. Für den Abgeordneten hat das Projekt noch einen weiteren Nutzen: Sollte sich die jungen Leute zu einer zusätzlichen betrieblichen Ausbildung nach deutschem Muster entscheiden, könnten die beruflichen Kenntnisse vertieft werden. Als Alternative gebe es eine – in vielen Fällen verkürzbare – Ausbildung nach bewährtem dualen System. Dadurch würde der Erhalt der Fachklassen an den Berufsschulen erleichtert.

Aus den Erfahrungen müssten jetzt Alternativen entwickelt werden, benannte Fuchtel weitere Aufgaben. Wichtig sei, die jungen Menschen an die Hand zu nehmen, damit ihnen Wertschätzung entgegengebracht werde. „Das wird auch Europa zu gute kommen“, ist sich der Staatssekretär sicher.

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