15.06.2012

Monopol wird aufgelöst

Fuchtel berät in Altensteig mit Schornsteinfeger-Innung / Staatssekretär erntet Respekt / Zukunft der Altersversorgung

Monopol wird aufgelöst Über die Neuregelung zur Altersversorgung im Schornsteinfeger-Handwerk diskutierte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Mitte) mit Landespräsident Franz Klump (links) und Bezirksschornsteinfegermeister Karl-Otto Polster in Altensteig.

Altensteig / Calw / Freudenstadt. Dass mit Hans-Joachim Fuchtel eigentlich der falsche Ansprechpartner in der früheren Altensteiger Milchsammelstelle am Tisch saß, hatten die Schornsteinfeger schon vor der Gesprächsrunde mit dem Parlamentarischen Staatssekretär gewusst. Dennoch wurden sie nicht enttäuscht, als sie den Politiker auf eigenen Wunsch um Rat fragten. „Respekt!“ zollte Franz Klumpp, Präsident des Landesinnungsverbandes, nach gut eineinhalb Stunden seinem Gegenüber, „Sie haben das Thema echt gut drauf!“

Im Haus des Altensteiger Bezirksschornsteinfegermeisters Karl-Otto Polster hatte man sicher nicht zum ersten Mal über die Neuregelung der Altersversorgung des Berufsstandes diskutiert. Dass sich mit Hans-Joachim Fuchtel ein Mitglied der Bundesregierung, das zudem bestens vorbereitet war, persönlich der Debatte um den Gesetzesvorschlag stellte, werteten die Standesvertreter als ein positives Signal.

Dass mit der Lockerung des Schornsteinfeger-Monopols auf europäischer Ebene auch das System zur Altersversorgung überdacht werden muss, ist unstrittig. Ab 1. Januar nächsten Jahres müssen sich alle selbstständigen Bezirksmeister selber versichern, weil die Versorgungsanstalt der deutschen Schornsteinfegermeister aufgelöst wird. Die bisherigen Einzahlungen entfallen freilich nicht, sondern werden der neuen Pflichtversicherung gut geschrieben.

Eine Versorgungslücke entsteht allerdings bei den Jungmeistern, wenn sie die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren nicht erfüllen können. Sie sollen nach dem neuen Gesetzentwurf nur die Hälfte ihrer bisherigen Beiträge erstattet bekommen und müssten den Rest privat auffüllen. Knackpunkt ist aus Sicht der Schornsteinfeger die Stichtagsregelung, die einige hart treffe. Diese Kollegen hätten sich im Umkehrschluss jedoch auf die Neuregelung gar nicht einstellen können, argumentieren ihre Standesvertreter, weil es bislang nur das Pflichtsystem gab.

„Ich bin froh, dass wir überhaupt endlich eine Lösung auf dem Tisch haben“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär. Diese sei mit dem Berufsstand abgestimmt worden. Gleichwohl zeigte der Politiker Verständnis für die Argumentation seiner Gesprächspartner, helfen könne allenfalls noch der Finanzminister.

Der Wegfall des Monopols ist in Handwerkerkreisen indes kein Thema mehr. Wer bislang als Schornsteinfegermeister gute Arbeit in seinem Bezirk geleistet habe, berichteten Franz Klumpp und Karl-Otto Polster unisono, dem blieben seine Kunden in der Regel treu.

[Druckversion]