04.07.2012

Historische Stunde der Völkerverständigung

Staatssekretär Fuchtel: Ausbildungsbrücke nach Sandanski Prototyp für weitere Länder / Landrat: Duales System feste Säule der Partnerschaft

Historische Stunde der Völkerverständigung Großer Empfang zum Start der Ausbildungsbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und Sandanski, deren Ideengeber der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Achter von rechts) ist, am Mittwoch im Freudenstädter Rathaus.

Freudenstadt. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel sprach von einer „historischen Stunde in Europa“, Landrat Dr. Klaus Michael Rückert nannte die Ausbildungsbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und dem bulgarischen Sandanski beim Empfang im Freudenstädter Rathaus am Mittwoch ein bedeutendes Pilotprojekt der Völkerverständigung. Neben Siegfried Dreger, Geschäftsführer der Handwerkerschaft im Kreis Freudenstadt, unterstrich die Calwer Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler durch ihre Teilnahme den Nutzen für die gesamte Region.

Den ersten, nach eigenen Worten höchst spannenden Tag hatten die fünf jungen Bulgaren bereits hinter sich, als sie gestern Vormittag ihre Eindrücke vom Nordschwarzwald mit eigenen Worten schilderten. „Wir haben in der Heinrich-Schickhardt-Schule viele Dinge gesehen, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt“, sagte der 18-jährige Vesselin Krastev. „Ich nehme sehr gute Eindrücke vom deutschen Ausbildungssystem mit nachhause“, ergänzte auf Deutsch Ivana Stankova, die die Idee der Ausbildungsbrücke so gut findet, dass sie „unbedingt weiterentwickelt werden muss“.

Diese Worte quittierten die Vertreter des Gemeinderats, der Schulen, der Industrie und des Handwerks mit Beifall. „Wir wollen helfen“, unterstrich Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler aus Calw, „auch wenn die Sprache momentan noch ein Hindernis ist, das jedoch gelöst werden kann.“ So sieht das auch der Ideengeber der Ausbildungsbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und Sandanski, Hans-Joachim Fuchtel. „Ich bin überzeugt, wenn sich alle etwas anstrengen, werden wir es schaffen“, gab sich der Bundestagsabgeordnete optimistisch, der Sprachkurse über den Sommer anregte. Dann werde sich nicht nur die Freundschaft zwischen den Kommunen, sondern auch die Ausbildungsbrücke zum Nutzen aller entwickeln.

„Was hier geschieht, ist der Prototyp für weitere Länder“, fügte Fuchtel hinzu, um im gleichen Atemzug Spanien, Portugal und Griechenland zu nennen, wo es vor allem an der dualen Ausbildung nach deutschem Muster mangele. Weil alle nach Abitur und Studium strebten, gebe es in diesen Ländern viele arbeitslose Akademiker und nicht genug gut ausgebildete Handwerker. Das soll sich mit der Ausbildungsbrücke, „die für Sandanski eine Riesenchance bedeutet“, bald schon ändern. Vor 25 Jahren seien derartige Begegnungen undenkbar gewesen, erinnerte der Politiker, deshalb danke er vor allem denen, die seine Idee aufgegriffen hätten und nun Pionierarbeit leisteten.

Landrat Dr. Klaus Michael Rückert betonte, dass sich auch in Zeiten des Internets „solche persönlichen Begegnungen durch nichts ersetzen lassen“. Der Landkreis Freudenstadt mit seinen vier beruflichen Schulen könne einiges zum Erfolg beitragen. Die Bildungspartnerschaften und das duale Ausbildungssystem seien die festen Säulen, auf denen die Ausbildungsbrücke ruhe.

Mit 1600 Gewerbebetrieben, 300 Handelsgesellschaften, 300 Handwerksbetrieben und 9.900 Arbeitsplätzen habe die „Hauptstadt des Schwarzwalds“ ein gutes Potenzial, betonte Freudenstadts Bürgermeister Gerhard Link, der vor allem darauf hinwies, dass von den 993 gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell fast ein Drittel nicht besetzt seien. Die Stadt werde alles daran setzen, dass die Ausbildungsbrücke das verbindende Element der Völkerverständigung werde.

In Sandanski habe man großes Interesse daran, dass die Ausbildungsbrücke Erfolg hat, sagte Bürgermeister Anton Totev, der sich für die „warmherzige Aufnahme“ bedankte und sich von der Fachkräfteausbildung im Nordschwarzwald auch Vorteile für seine Heimat verspricht. Die drei Vertreter des Handwerks aus Sandanski, die mit in den Nordschwarzwald gereist sind, hoffen nach den Worten des Unternehmers Boris Dimitrov auf einen regen Erfahrungsaustausch mit ihren deutschen Kollegen.

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