05.07.2012

Fuchtel: Europa wird in neuer Form konkret

Botschaftsrätin sieht mit Ausbildungsbrücke EU-Strategie Europa 2020 erfüllt / Staatssekretär lobt Kreativität der kommunalen Ebene

Fuchtel: Europa wird in neuer Form konkretFünf junge Bulgaren haben mit ihrer Deutschlehrerin Todorka Mitreva (rechts) als erste auf Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel (Dritter von rechts) die Ausbildungsbrücke zwischen Sandanski und Freudenstadt überschritten.

Freudenstadt. Europa ist kreativ. Vor allem die kommunale Ebene ist so ideenreich, dass daraus die erste baden-württembergische Ausbildungsbrücke zwischen dem Nordschwarzwald und Bulgarien entstanden ist. „Europa wird in neuer Form konkret“, sagte gestern der Parlamentarische Staatssekretär bei einer Pressekonferenz im Technischen Rathaus in Freudenstadt, „vor allem die jungen Menschen sind die Gewinner.“

Die fünf ersten Jugendlichen aus Sandanski, Freudenstadts Partnerstadt auf dem Balkan, die von der Initiative des Bundestagsabgeordneten profitieren, sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. „Mit jedem Tag, den ich hier bin, werde ich mehr motiviert, mein berufliches Fortkommen in Deutschland zu suchen“, sagt Ivana Stankova. Auch Vesselin Krastev, der mit seinen Eltern schon ein Jahr in Deutschland gelebt hat, denkt ernsthaft darüber nach, sich in Freudenstadt ausbilden zu lassen.

Damit wäre nach den Worten des Staatssekretärs die erste Etappe der Ausbildungsbrücke geschafft, auch wenn man den Weg der kleinen Schritte wählt, damit das Projekt dauerhaft Erfolg hat. Eine Städtepartnerschaft als „Know-how-Brücke für Fragen, die in ganz Europa eine Rolle spielen, ist außergewöhnlich und entwicklungsfähig“, sagte Hans-Joachim Fuchtel, „wenn es gelingt, die Ideen in den kommenden Jahren auszuformen, wird dies zum beiderseitigen Nutzen sein.“

Junge Bulgaren werden künftig in Freudenstadt die Möglichkeit zu einer beruflichen, dualen Ausbildung auf hohem Niveau und damit eine gute Grundlage für das Leben erhalten. Beide Seiten sollen auf diese Weise die jeweilige Kultur besser verstehen lernen. Für die Schulen in den Landkreisen Calw und Freudenstadt könne dies zum Erhalt von Fachklassen führen, die durch die demografische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten  gefährdet sein könnten.

Die neue und schwierige Aufgabe, so Fuchtel lasse sich nicht einfach am grünen Tisch erledigen. „Sehr viel Engagement und Einsatz werden gefordert sein“, sagte der Staatssekretär, „in den Tagen unserer Gespräche hier in Freudenstadt konnte ich erfahren, wie groß diese Bereitschaft dazu ist.“ Vor allem die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald sowie die Kreishandwerkerschaft stehe dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber, tue sie sich doch angesichts der demografischen Entwicklung immer schwerer mit der Besetzung von Ausbildungsstellen.

Die bulgarische Botschaftsrätin Dr. Tinka Troeva, die eigens aus Berlin zur Pressekonferenz in Freudenstadt angereist war, betonte, dass die Ausbildungsbrücke im Sinne der EU-Strategie Europa 2020 sei. Deshalb werde die bulgarische Botschaft das Projekt, mit dem ein direkter Beitrag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in ihrem Heimatland erbracht werde, unterstützen.

Sandanskis Bürgermeister Andon Totev zeigte sich beeindruckt, von den Möglichkeiten der beruflichen Bildung in Deutschland, während Bürgermeister Gerhard Link die gute Freundschaft zwischen Freudenstadt und Sandanski an einem Punkt angelangt sieht, wo sich auf menschlicher Ebene einiges bewege.

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