11.07.2012

Austragungsort für internationales Projekt

Handwerker aus aller Welt flechten 2013 in Nagold Korb, Haus und Boot / Staatssekretär Fuchtel fädelte die Sache ein

Austragungsort für internationales Projekt Verständigten sich auf ein internationales Forschungsprojekt zum Flechthandwerk 2013 in Nagold: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) und Professor George Teodorescu.

Nagold. Die Landesgartenschau macht‘s möglich: Nagold hat alle Chancen 2013 Austragungsort eines internationalen Projekts der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und des International Institute for Integral Innovation zu werden. Unter dem Titel „Der Korb ist das Boot ist das Haus“ werden sich dann Flechthandwerker aus aller Welt im Herbst nächsten Jahres in der Großen Kreisstadt treffen. Eingefädelt wurde die Wahl Nagolds durch den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Professor George Teodorescu hat die Idee aufgegriffen.

Beim Festival der Flechtkultur auf der Landesgartenschau war es zur Begegnung zwischen dem Bundestagsabgeordneten und dem Institutsleiter gekommen. Der Parlamentarier zeigte sich sehr interessiert an den künftigen wissenschaftlichen Projekten und hörte vom Projekt “Der Korb ist das Boot ist das Haus“. Im Sinne der Nachhaltigkeit, so Fuchtel, warb er mit vielen Argumenten für Nagold, was den Kunstprofessor überzeugte.

Das internationale Handwerkertreffen werde auch für den regionalen Tourismus ein Magnet sein, so Fuchtel. Schließlich habe das Bauen mit lebendigen Baustoffen in Nagold Tradition, die seit Generationen beispielsweise von der Flechtmanufaktur Katz gepflegt werde. Eine Zusammenarbeit mit der Textilschule böte sich an.

Das Programm „Innovation ist Hoffnung“ dient seit 2001 dem Aufbau von Lebensqualität in Entwicklungsländern. Dabei werden nachhaltige Konzepte in das Portfolio der lokalen Handwerker eingefügt. Unter Berücksichtigung regionaler Ressourcen und dem Einsatz lokaler Talente sind neuartige Wohnraumlösungen für die Einwohner im indischen Tapovan, im südafrikanischen Rumos, im peruanischen Totora und in Oasis (Namibia) entstanden. Außerdem lernten die Einwohner mit ihren neu erlangten Fertigkeiten, ihre Existenz selbstständig zu bestreiten.

Mit dem Arbeitstreffen der Flechter aus Kenia, dem Südirak und vom peruanischen Hochplateau soll vor allem demonstriert werden, dass die Flechtkultur ursprünglich einen entscheidenden Beitrag zur Frühentwicklung der Menschheit geleistet hat. Bei Recherchen für die Projekte in den unterschiedlichen Ländern stellte sich nämlich bald heraus, dass die ursprünglichen Kulturen an Seen und Flüssen entstanden sind, weil man sich dort der reichlich vorkommenden Binsen bedienen konnte. Daraus wurden Körbe, Boote und Häuser mit herausragendem Können geflochten. Interessant ist, dass selbst in 10.000 Kilometer Entfernung die gleiche Handwerkskunst anzutreffen ist.

Diese länderübergreifende Arbeit soll die Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche Entwicklungslinien aufzeigen und für ein besseres Verständnis der Kulturentwicklungswege sorgen. Aus dem nunmehr in Nagold geplanten Handwerkertreffen erwartet Teodorescu eine tiefere Erkenntnis über den Ursprung menschlichen Tuns, die Bedeutung des Binsenhandwerks für die kulturelle Entwicklung der Menschheit sowie die Erkennung der Binsen als inspirierenden, nachhaltigen und aktuellen Baustoff.

Am Ende sollen in internationaler Zusammenarbeit getreu dem Titel des Projekts ein Korb, ein Haus und ein Boot entstehen. 2014 werden die Exponate aus Nagold europaweit auf Wanderschaft gehen.

Die jeweiligen Ursprungsländer sollen nach dem Wunsch des Institutsleiters außerdem ein Denkmal erhalten. Denn über das wissenschaftliche Interesse hinaus wird diese Begegnung der Kulturen ein Anlass zur Reflektion über die Gemeinsamkeiten und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten, sind sich Professor Teodorescu und Staatssekretär Fuchtel einig. Sollte das Projekt gelingen, würde Nagold nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen Aufmerksamkeit finden. „Darauf könne man Weiteres aufbauen“, ist sich Fuchtel sicher. 

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