13.07.2012

Know-how-Partnerschaft mit Kreta

Nordschwarzwald steigt ein / Start mit musikalischem Freundschaftsgruß aus Vollmaringen / Neuer Weg von unten / Europa braucht Engagement

Calw / Freudenstadt / Pforzheim. Europa braucht Engagement. Darin sind sich die Landräte Helmut Riegger (Calw), Dr. Klaus Michael Rückert (Freudenstadt) und Karl Röckinger (Enzkreis) sowie Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager einig. Sie wollen sich deshalb dafür einsetzen. Partner des Nordschwarzwalds wird Kreta sein. Sie griffen damit den Vorschlag des Beauftragten der Bundeskanzlerin für die Deutsch-Griechische Versammlung, des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel, auf.

Der Bundestagsabgeordnete hatte zuvor allen Beteiligten die Konzeption der Zusammenarbeit aufgezeigt, welche auf der Vereinbarung des ehemaligen griechischen Ministerpräsidenten Papandreou mit der deutschen Bundeskanzlerin aus dem Jahre 2010 zurückgeht und nunmehr auf zunehmende Nachfrage seitens der griechischen Städte und Regionen stößt. Mit diesem weiteren Ansatz soll über den zusätzlichen Weg „von unten“ der Reformprozess in Griechenland unterstützt werden. Dieser Ansatz werde erstmals in Europa umgesetzt, erklärte Hans-Joachim Fuchtel dazu.

Konkret gehe es um die Weitergabe von Kenntnissen durch Austausch beider Seiten. Der griechische Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Versammlung, Bürgermeister Giannis Boutaris aus Thessaloniki, hatte sich dazu erst jüngst im „Hamburger Abendblatt“ geäußert: „Wenn du einem Hungernden helfen möchtest, gebe ihm keinen Fisch, sondern lerne ihm das Fischen.“

Das sei jetzt auch die Basis für diese Form der Zusammenarbeit, sagte Hans-Joachim Fuchtel. Um dafür die Voraussetzung zu schaffen, seien die parteinahen Stiftungen wieder nach Griechenland zurückgekehrt und arbeiteten, durch eine speziell auf die Bedürfnisse des griechischen Reformprozesses ausgerichteten Konferenzserie, auf die Konkretisierung der Kooperationen hin. Aus diesen Konferenzen heraus bildeten sich zwischen den Gebietskörperschaften auf deutscher und griechischer Seite in zunehmender Zahl Know-how-Partnerschaften, die in der Praxis zur Stimulierung von Investitionen und Verbesserung des Know-hows führten. Hans-Joachim Fuchtel: „Wenn man Griechenland wirklich helfen will, dann wird das jetzt gebraucht.“

Wie die Landräte und der Oberbürgermeister übereinstimmend erklärten, sprächen sehr viele Gesichtspunkte für die Wahl Kretas. Von dessen Gouverneur Stavros Arnaoutakis sei der Vorschlag begeistert aufgenommen worden. Dessen Büroleiter Dr.-Ing. Nikolaos Raptakis habe in Karlsruhe studiert und dort lange gelebt, sodass er den Nordschwarzwald bereits kenne.

Die Know-how-Partnerschaft werde aufgrund der dringenden Probleme in Griechenland alsbald konkret beginnen, erklärten die kommunalen Spitzenpolitiker übereinstimmend weiter. Man erwarte Gouverneur Stavros Arnaoutakis noch im Juli in Nordschwarzwald, um mit ihm die einzelnen Aktionsfelder detailliert zu besprechen. In der Folge werde dann in einem Besuch auf Kreta die weitere Detailarbeit geleistet. Da auf Kreta die Verbesserung der Abfallsituation derzeit konkret angegangen werde und dazu auch ein Budget von zehn Millionen Euro zu Verfügung stehe, werde die konkrete Know-how-Arbeit voraussichtlich auf dem Abfallsektor beginnen.

Gearbeitet werde im Übrigen nach einem zwischen Deutschen und Griechen vereinbarten „Baukastenprinzip“. Dieser Baukasten enthielte Bausteine, die verschiedene Themenfelder abdecken. In jedem dieser Bausteine gäbe es Schubladen und in diesen Schubladen lägen die Instrumente, erläuterte Hans-Joachim Fuchtel das von ihm entwickelte und erfolgreich praktizierte Vorgehen. Die Bausteine seien Gegenstand der gemeinsamen Ab-klärungsgespräche und würden dann ganz konkret als Grundlage für die Zusammenarbeit genutzt werden.

 

Vollmaringens Musiker unterstützen Tourismus

Eines ist ebenfalls bereits sicher: Nachdem kürzlich ein Aufenthalt des Musikvereins Bad Liebenzell auf Rhodos in positivster Weise aufgenommen worden sei und die Musikerinnen und Musiker vor Ort einen überwältigend positiven Empfang erhalten hätten, würde man als erstes einen „musikalischen Freundschaftsgruß“ nach Kreta senden. Die als herausragende Blasmusikkapelle bekannten Vollmaringer Musikanten werde Ende Juli für eine Woche nach Kreta reisen, um diesen Gruß zu überbringen und dort zur Verstärkung des örtlichen Tourismusprogramms beitragen. Kreta wird bekanntlich in großer Zahl von deutschen Touristen besucht.

 

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