03.09.2012

Nagolder Projekt soll Schule machen

Volksbank bietet erstes Praktikum der Griechenland-Hilfe an / Initiative des Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel

Nagolder Projekt soll Schule machen Das Nagolder Griechenland-Projekt soll Schule machen, sind sich (stehend von links) Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Jörg Stahl als Vorstandssprecher der Volksbank Nagoldtal und Dr. Paul Armbruster vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) einig, nachdem Selana Markou (Mitte) mit ihrem Praktikum positive Erfahrungen sammeln konnte.

Nagold. Als Selana Markou das Angebot erhielt, ihre Studien- und Sprachkenntnisse in Deutschland aufzustocken, da überlegte die Studentin der Wirtschaftswissenschaften nicht lange. Die Volksbank Nagoldtal ist das erste Geldinstitut, das ein solches Praktikum im Rahmen der deutschen Ausbildungsinitiative anbietet. Diese praktische „Griechenland-Hilfe von unten“ geht auf die Aktivitäten des Beauftragten der Bundeskanzlerin für die deutsch-griechischen Versammlung zurück, den hiesigen Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel.

Der Parlamentarische Staatssekretär hatte Vorstandssprecher Jörg Stahl im April von seiner Idee berichtet, jungen Griechen die Möglichkeit zu bieten, das duale Ausbildungssystem in Deutschland kennen zu lernen. Stahl sagte sofort zu, einen ersten Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen. „Der Hilfsgedanke passt zu einer genossenschaftlichen Bankengruppe hervorragend, zumal wir 2012 das Jahr der Genossenschaften in Europa haben“, sagt der Bankenchef. Das ist auch der Grund dafür, warum ein griechisches Filmteam die Arbeit der 22-jährigen in Nagold begleitete. Dreharbeiten in ganz Europa sollen den genossenschaftlichen Gedanken im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung dokumentieren.

Mittlerweile ist Jörg Stahl so begeistert von der Erfahrung, die seine Bank mit der Praktikantin sammelte, dass er noch einen Schritt weiter geht: Ab Herbst steht ein Ausbildungsplatz für eine Griechin oder einen Griechen zur Verfügung. „Ich glaube, dass viele meiner Studienkollegen gerne ihren Horizont in Deutschland erweitern würden“, warb Selana Markou für die Fortführung der Idee des Griechenland-Beauftragten.

Dessen Initiative geht auf die Vereinbarung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou in 2010 zurück. Als Beauftragter der Bundesregierung machte sich Fuchtel auf den Weg, den Freundschaftsvertrag zur intensiveren Zusammenarbeit mit Leben zu erfüllen. „Die Volksbank Nagoldtal leistet mit ihrem Angebot Pionierarbeit“, lobte Fuchtel, wie unbürokratisch die Führungsetage den zugespielten Ball aufgenommen habe. Überhaupt erfahre er gerade auch im ländlichen Raum sehr viel Zustimmung für seine Hilfe zur Selbsthilfe. Mittlerweile greife die Partnerschaft des Nordschwarzwalds mit der Insel Kreta.

„Das Bankenwesen in Griechenland kann dringend Unterstützung brauchen“, verwies Fuchtel auf die Bedeutung der Zusammenarbeit, also sollte das Nagolder Beispiel Schule machen. Das Praktikum beweise, dass eine Zusammenarbeit in der Wirtschaft auf kurzem Wege möglich sei. Wichtig seien die atmosphärischen Verbesserungen, „damit die Menschen wieder an eine Zukunft glauben.“

Dr. Paul Armbruster würdigte als Leiter der Abteilung internationale Beziehungen des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) in Bonn, dass die Volksbank Nagoldtal mit ihrem Ausbildungs- und Praktikumsangebot den Genossenschaftsgedanken modern gestalte. „Es geht darum, jungen Menschen in Ländern, denen es finanziell nicht so gut geht, eine Existenz aufzubauen“, sagte der gebürtige Freudenstädter. Fuchtel könne auf die Unterstützung durch den Verband zählen. Denn die Idee, internationale Lernangebote zu schaffen, müsse ausgebaut werden.

Die Zusammenarbeit fußt auf einem Baukastensystem, erläuterte Fuchtel. Wichtig sei das persönliche Vertrauensverhältnis, weil das „ein Geben und Nehmen ist“. Das Ausbildungssystem in Griechenland sei entwicklungsbedürftig und kenne bislang keine duale Komponente. Auch könnten manche Arbeitskräfte aus Griechenland problemlos in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden, weil sie hier gebraucht werden. Dazu zählten beispielsweise Köche, Service- oder Pflegekräfte.

[Druckversion]