05.09.2012

Kein Thema für knappe Mehrheiten

Bei CDU-Sternwanderung wird rege über Nationalpark diskutiert / Staatssekretär Fuchtel: Alle Argumente ungefiltert auf den Tisch / Veränderer müssen überzeugen und begründen

Kein Thema für knappe MehrheitenSchwarzwald-Guides führten die drei Gruppen der CDU-Sternwanderung von den Ausgangspunkten Lotharpfad, Obertal und Seibelseckle zum Treffpunkt Ruhestein, damit sich die 90 Teilnehmer unterwegs zum Thema Nationalpark austauschen konnten.

Baiersbronn/Nordschwarzwald. Die Christdemokraten haben am Sonntag unter Beweis gestellt, wie ernst es ihnen mit einer breiten Meinungsbildung zum Nationalpark im Nordschwarzwald ist. Zu den 90 Teilnehmern der CDU-Sternwanderung, die drei Gruppen auf unterschiedlichen Routen zum Ruhestein bei Baiersbronn führte, hatten sich auch bekennende Befürworter gesellt. Damit ist der Wunsch der Organisatoren in Erfüllung gegangen, aus einem breiten Meinungsspektrum schöpfen zu können. Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel gab den Kurs vor: “Wer verändern will, muss überzeugend begründen.“

„Die Union ist die einzige Partei in der Region, die das in dieser Form so zustande gebracht hat“, gratulierte denn auch der hiesige Bundestagsabgeordnete den Organisatoren der Veranstaltung, allen voran dem stellvertretende Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Freudenstadt, Andreas Bombel. „Wir haben den Eindruck, dass dieser Tag wirklich etwas gebracht hat“, unterstrich die CDU-Kreisvorsitzende Gabi Reich aus Empfingen. Sie habe sehr besonnene Gespräche auf dem Weg zum Ruhestein erlebt. Dabei seien durchaus unterschiedliche Meinungen aufeinandergetroffen. „Das Thema wird uns in Zukunft noch mehr beschäftigen“, sagte Reich. Dabei müsse von vorneherein klar sein, dass ein Nationalpark-Gegner kein Naturfeind sei, auch wenn er sich für die traditionelle Holzbewirtschaftung ausspreche.

Man habe es geschafft, Befürworter, Gegner und auch die Unentschlossenen zusammenzubringen, freute sich Bombel über die unerwartet große Resonanz. „Wir sind für einen Naturpark, aber sind uns nicht sicher, ob der Nationalpark der richtige Weg ist.“ Drum „lasst uns weiter miteinander im Gespräch bleiben!“ lautete sein Tenor am Schluss der fünfstündigen Veranstaltung. Nur so könne man eine gute Entscheidung im Interesse der Region treffen.

Die sollte in der Tat wohl überlegt sein, betonte Staatssekretär Fuchtel, der sich ebenfalls die Zeit genommen hatte, um „auf den Spuren des Nationalparks“ zu wandeln. Das Für und Wider wolle genauestens abgewogen sein, schließlich sei die Ausweisung eines Nationalparks später unumkehrbar.

Die CDU halte sich an die demokratischen Spielregeln, um sich mit ihrer Meinungsbildung am Bürgerwillen orientieren zu können. Dazu müssten jetzt alle Argumente auf den Tisch – auch die, die für die Befürworter unbequem seien. Fuchtel erinnerte sich an den Besuch bei einem Kollegen an der Ostsee, wo die Schnakenplage um sich greife und das saugende Tierchen sogar unter Naturschutz stehe.

„Ein Nationalpark trifft das Herzstück unseres Schwarzwalds“, machte Fuchtel deutlich, „es gibt kein Zurück!“ Wer ihn wolle, müsse erklären, warum er sinnvoll sei und welche Veränderungen er nach sich ziehe. Die grün-rote Landesregierung müsse sich die Frage gefallen lassen, wie über das Gutachten diskutiert werde. Der Nationalpark sei nun mal „kein Thema für knappe Mehrheiten“, sondern dürfe nur mit breiter Zustimmung aus der Bürgerschaft realisiert werden.

„Wenn wir schon ein Gutachten haben, dann muss es gründlich ausgewertet werden“, sagte Fuchtel, der „eine hohe Qualität von politischer Diskussion“ verlangte. Schnellschüsse seien fehl am Platz, Überraschungen erst recht. Alle Argumente gehörten „ungefiltert auf den Tisch“ und ohne romantische Schönrederei. „Für mich ist außerdem wichtig, dass die Belange des Tourismus und der Menschen, die all das Bisherige geschaffen haben, berücksichtigt werden.“

Die Teilnehmer hatten die CDU-Sternwanderung mit den Wanderführern Rolf Wein, Karl-Heinz Burkhardt und Iris Schillinger an der Spitze, bereits rege genutzt, um sich auszutauschen. Bei einer Anschlussveranstaltung soll der intensive Bürgerdialog zum Nationalpark fortgeführt werden.  

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