11.09.2012

Wo Arbeitstage besonders lang sind

Kathrin Huber hat Staatssekretär Fuchtel als Pendler zwischen Berlin und dem Schwarzwald erlebt / Zehn Wochen Praktikum

Wo Arbeitstage besonders lang sind  Kathrin Huber aus Wildberg-Effringen absolvierte ein zehnwöchiges Praktikum im Abgeordnetenbüro des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel in Berlin.

Wildberg-Effringen. Jeder, der Vorurteile gegen die Arbeitszeit und das Arbeitspensum von Abgeordneten hat, sollte sich das Ganze einmal aus der Nähe anschauen. Zu diesem Schluss kommt Kathrin Huber aus Wildberg-Effringen nach zehn Wochen Praktikum im Berliner Abgeordnetenbüro des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel. Das hatte sie im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg dort absolviert, wo die Größen der Politik ein- und ausgehen: im Paul-Löbe-Haus des Regierungsviertels.

„Auch ich habe mir das etwas anders vorgestellt“, sagt die 23-jährige, die nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Verwaltungswirtin im mittleren Dienst beim Landratsamt Calw gemacht hatte. „Herrn Fuchtels Arbeitstag scheint an nicht wenigen Tagen kein Ende zu finden“, so Kathrin Huber, seien ihm doch eine bürgernahe Politik und sein persönlicher Kontakt zum Wahlkreis besonders wichtig. „Daher muss er häufig zwischen Berlin und dem Schwarzwald pendeln, um an beiden Orten präsent zu sein.“

Auf den Abgeordneten des Wahlkreises Calw/Freudenstadt war die Wildbergerin über die Bauwagenszene aufmerksam geworden. „Dass sich ein Politiker solch einem für den ländlichen Raum doch wichtigen Thema persönlich annimmt, finde ich absolut keine Selbstverständlichkeit“, betont Kathrin Huber.

Aus der Bundeshauptstadt nimmt sie auf jeden Fall eines mit: „Besonders interessant war, wie die an der Hochschule erlernten theoretischen Kenntnisse im Bereich Staatsrecht in die Tat umgesetzt werden. Dieses live zu erleben war besonders beeindruckend und hat mir geholfen, den einen oder anderen Zusammenhang besser zu verstehen.“ Die Entscheidung für dieses Praktikum sei nicht nur richtig gewesen: „Mein Interesse an der Politik hat sich dadurch erheblich gesteigert. Nie hätte ich gedacht, dass Politik so spannend und abwechslungsreich sein kann. Diese Erlebnisse und Erfahrungen für meine berufliche Zukunft, aber auch in persönlicher Hinsicht übertreffen alles, was ich in meiner bisherigen Praxisphase erlebt habe.“

Dabei sei es dem Staatssekretär besonders wichtig gewesen, dass sie so viel wie möglich von seiner Arbeit mitbekomme. „Deshalb nahm er mich zu möglichst vielen Terminen mit, die auf seinem prall gefüllten Kalender standen. „Unter anderem konnte ich Ausschusssitzungen, die Plenarsitzung zur Abstimmung über den Fiskalpakt, die Sondersitzung auf Grund der Hilfen für Spanien mit namentlicher Abstimmung und die Regierungserklärung der Kanzlerin live miterleben." Außerdem standen unter anderem eine Kunstausstellung im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie ein Gespräch mit politischen Stiftungen zum Thema Griechenland-Hilfe auf dem Programm.

Im Abgeordnetenbüro durfte Kathrin Huber Bürgeranfragen beantworten, Hans-Joachim Fuchtels Homepage pflegen, ein Grußwort schreiben, die regionale Presse auswerten und Besuchergruppen aus dem Wahlkreis in Berlin begleiten. Dabei stand sogar ein Besuch in der chinesischen Botschaft an. Da Hans-Joachim Fuchtel Volljurist ist, ist es auch möglich, dass man in seinem Abgeordnetenbüro ein anerkanntes Praktikum machen kann. Wie das Büro mitteilt, gibt es bei jungen Menschen dafür eine völlig überdurchschnittliche Nachfrage.

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