05.10.2012

Joachim Matz warnt: DDR-Vergangenheit nicht verwässern lassen

Nächstes Jahr 50 Künstler nach Berlin / Auch Patienten konnten am Tag der Deutschen Einheit teilnehmen

Joachim Matz warnt: DDR-Vergangenheit nicht verwässern lassen Künstlergespräch im Sonnenhof in Waldachtal mit (von links): Moreno Schweikle, Iris Follak, Jayantha Gomes, Joachim Matz, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Christine Schommartz-Matz, Petra Schraml-Dussle und Mathias Schweikle.

Waldachtal. Ein Stück deutscher Geschichte ist in Waldachtal lebendig geworden. Der prominente Künstler Joachim Matz traf sich mit Künstlern aus der Region in der Fachklinik Sonnenhof, wo er anschließend einen Vortrag über sein bewegtes Leben hielt. Matz ist nicht der erste Zeitzeuge, den der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel anlässlich des Tags der Deutschen Einheit in den Nordschwarzwald eingeladen hat.

Und es soll auch nicht der letzte sein. „Solange ich Abgeordneter des Deutschen Bundestages bin“, betonte Fuchtel, „werde ich dafür sorgen, dass der 3. Oktober entsprechend gewürdigt wird und die Greueltaten des Unrechtsstaats unvergessen bleiben.“ Bei der Veranstaltung wurde die Idee geboren, nächstes Jahr 50 Künstlerinnen und Künstler nach Berlin einzuladen. Der Brandenburger Künstler Joachim Matz sprach dazu spontan eine Einladung in seine Potsdamer Galerie aus, damit die Kollegen seine Technik des metallurgischen Pointismus aus nächster Nähe begutachten können.

Besonderen Dank von allen Seiten erhielten Michael Dussle und Petra Schraml-Dussle für die Unterstützung dieser Form der Begegnung. Auf diese Weise konnten auch Patienten am Tag der Deutschen Einheit teilnehmen.

Matz, als Stuntman auch unter dem Pseudonym „Fiery Joe“ bekannt, hat die Willkür in der damaligen DDR schon mit 16 Jahren am eigenen Leib zu spüren bekommen. Gebannt lauschten die Gäste im Sonnenhof, als der Brandenburger von seinen siebeneinhalb Jahren politische Haft im Arbeiter- und Bauernstaat berichtete.

Ihm wurde als Künstler Berufsverbot erteilt, weil er sich dem Regime nicht anpassen wollte und floh unter Einsatz seines Lebens mit einem Ultraleichtflugzeug über Prag in den Westen, wo er schließlich schwer verletzt ankam und sich als Künstler eine neue Existenz aufbaute. Mutige Menschen im Osten und kluge Politiker wie Helmut Kohl im Westen hätten das möglich gemacht, was niemand zu hoffen gewagt hatte: die Wiedervereinigung vor 22 Jahren.

Matz warnte davor, die DDR-Vergangenheit von einigen Unbelehrbaren verwässern zu lassen. „Auch ich wurde mit Strom gefoltert, auch ich wurde von den eigenen Geschwistern denunziert“, schilderte der Künstler das ganze Ausmaß der Bespitzelung, „deshalb muss man immer wieder denjenigen auf die Finger klopfen, die die DDR heute noch hochleben lassen!“

„In meinen Kunstwerken stelle ich Dinge dar, die mich bewegen“, hatte Matz zuvor im Kollegenkreis erläutert. Dabei spiele die Kugel als perfekte Form eine wichtige Rolle.

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