24.10.2012

Bahn öffnet erstmals Kabeltrog für Breitbandversorgung

Pilotprojekt von bundesweiter Bedeutung / Hohe Einsparungen im ländlichen Raum / Staatssekretär Fuchtel erreicht Umdenken / Datenautobahn neben den Gleisen

Bahn öffnet erstmals Kabeltrog für BreitbandversorgungGenügend Platz für die Breitbandversorgung der Kommunen bietet sich entlang der Bahnstrecke zwischen Alpirsbach und Loßburg, stellten der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Bürgermeister Reiner Ullrich, der Konzernbeauftragte der Bahn für Baden-Württemberg, Eckart Fricke, und Bürgermeister Thilo Schreiber fest, als sie gemeinsam den Kabeltrog öffneten.

Alpirsbach. Erstmals hat die Deutsche Bahn (DB) einen „Kabeltrog“ zur Mitnutzung für die Breitbandversorgung geöffnet. Pilotstrecke wird die Bahnverbindung zwischen Alpirsbach und Loßburg. Das Projekt geht auf eine Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel zurück, erklärte der DB-Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg, Eckart Fricke, in Alpirsbach.

Möglich wurde dies durch die Novelle zum Telekommunikationsgesetz. Auf der 16 Kilometer langen Strecke werden Einsparungen von mehr als eine halbe Million Euro für die beiden Kommunen erwartet. Fuchtel: „Damit dürften sich bundesweit für die Breitbandversorgung im ländlichen Raum ganz enorme Perspektiven ergeben. Das gilt für  kostengünstigeres Bauen, ökologischere  Nutzung vorhandener Infrastrukturen und vor allem eine ganz erhebliche Beschleunigung mit Entlastung von vielen Geschäftsgängen der Bürokratie.“

Der Bundestagsabgeordnete war trotz negativer Bescheide aus  dem DB-Konzern „hartnäckig“ geblieben und hat mit .überzeugenden Argumenten ein Umdenken erreicht. Wiederholt war seitens der Bahn ins Feld geführt worden, dass der Kabeltrog entlang der Gleise aus Sicherheitsgründen nicht für andere Nutzer geöffnet werden könne, von einer Belegung ungenutzter Glasfaserstränge ganz zu schweigen.

Genau wegen derartiger Antworten der Bahn hatten schon die beiden Bürgermeister Thilo Schreiber (Loßburg) und Reiner Ullrich (Alpirsbach) den Politiker um Hilfe gebeten. Der ließ sich jedoch nicht beirren und schaltete kurzerhand den wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages ein. Bei Gesprächen mit der Bahn berief sich Fuchtel auf das neue Telekommunikationsgesetz, wonach Betreiber von öffentlichen Netzen Informationen darüber zur Verfügung stellen sollen.

Der Politiker vertritt den Wahlkreis Calw/Freudenstadt im Deutschen Bundestag. Seit Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Breitbandversorgung, „weil sie eine existenzielle Frage für den ländlichen Raum ist“. Selbst für Privatleute sei mittlerweile die Auffahrt auf die Datenautobahn ein entscheidendes Argument bei der Wohnortwahl, argumentierte der Staatssekretär bei der Präsentation in Alpirsbach. Die Entscheidung der Bahn sei der Durchbruch für den ländlichen Raum in ganz Deutschland.

Loßburgs Bürgermeister Thilo Schreiber zeigte sich „fast sprachlos“ ob der neuen Entwicklung, und auch sein Alpirsbacher Amtskollege Reiner Ullrich war erleichtert, dass ein „gravierender Standortnachteil auf dem Land“ bald schon der Vergangenheit angehört. Beide waren überzeugt, dass sich Nachahmer finden werden, denn in der Nähe der Bahngleise findet sich immer irgendwo ein Breitbandanschluss.

Doch zunächst müssen die Verträge ausgearbeitet und der Kostenrahmen abgesteckt werden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Kommunen legen eine zusätzliche Versorgungsleitung in den Kabeltrog oder sie können gar eine ungenutzte Glasfaserader belegen. Einzelheiten der Nutzung und des Entgelts  sind im nächsten Schritt zu klären.

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