30.10.2012

Friseursalon wird zur Ideenschmiede

Botschafter und Gouverneur bei Roswitha Keppler / Auch das Kreishandwerk bereit zum Engagement in Griechenland / Auszubildende sichern Angebot der Berufsschulen

Friseursalon wird zur IdeenschmiedeVon allen beneidet: Der griechische Botschafter Dimitris Rallis, bekommt von Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler in Oberreichenbach eine Kopfmassage verordnet. Dabei schauen ihr Generalsekretär Dr. Nikolaos Raptakis, Gouverneur Stavros Arnaoutakis, Ursula Pfrommer und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel über die Schulter. Foto: k-w

Der Friseursalon von Roswitha Keppler wurde gut eineinhalb Stunden zur Ideenschmiede für Know-how-Partnerschaften des deutschen Handwerks. Am Tisch der Kreishandwerksmeisterin saßen der Gouverneur von Kreta, Stavros Arnaoutakis, und der Generalsekretär der Regierung von Kreta, Dr. Nikolaos Raptakis. Dass eine gute Ausbildung der Schlüssel zum Erfolg des deutschen Handwerks ist, davon konnte sich der griechische Botschafter schließlich sogar persönlich überzeugen, als die Friseurmeisterin Seine Exzellenz Dimitris Rallis mit einer wohltuende Kopfmassage überraschte.

Bei dem Treffen ging es ansonsten um weit ernstere Themen, als die Szenerie auf den ersten Blick vermuten ließ. „Viele Betriebe in unserer Region und in Baden-Württemberg wollen dabei sein“, berichtete Hans-Joachim Fuchtel. Wenn der Calwer Landrat Helmut Riegger in diesen Tagen nach Kreta fliegt, wird auch Roswitha Keppler mit an Bord sein. „Wir wollen unterstützen“, sagt die Kreishandwerksmeisterin, „und die Mentalität der Kreter passt ganz hervorragend zu uns.“ Im Mittelpunkt ihres Programms steht ein Austausch mit Handwerkerkollegen und der Handwerkskammer von Kreta.

Keppler macht sich vor allem für die Ausbildung junger Griechen in Deutschland stark, damit sie sowohl auf dem Arbeitsmarkt hierzulande, der nach Fachkräften sucht, eingesetzt werden können als auch in ihrer Heimat bessere Chancen haben. „Ein guter Geselle kann in Griechenland gut vorankommen.“ Warum sollte das deutsche Erfolgsmodell duale Ausbildung nicht auch in Griechenland helfen? Die jungen Menschen sollten volljährig sein, und man müsse sie eben an die Hand nehmen.

Die Bundesregierung, berichtete der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, werde 21 Millionen Euro aufwenden, um für Auszubildende aus südeuropäischen Ländern Deutschkurse und weitere Maßnahmen zu ermöglichen. Die Überwindung der Sprachbarrieren sei der Garant des Erfolgs derartiger Know-how-Partnerschaften, betonte Fuchtel.

Dass die Menschen im Nordschwarzwald mit ihrem Engagement für Griechenland sehr nahe an die europäische Idee herangerückt seien, die nun mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werde, lobte Kretas Generalsekretär Dr. Nikolaos Raptakis. Gouverneur Stavros Arnaoutakis sah derweil wegen mangelnder Investitionsbereitschaft zwar noch Perspektivlosigkeit in seiner Heimat, doch ließ er sich von Hans-Joachim Fuchtel gerne eines Besseren belehren.

„Wenn die Verwaltungsreform greift und die schwierige Situation überwunden ist“, machte der Bundestagsabgeordnete seinen Gästen Mut, „hat Griechenland einen enormen Aufholbedarf wie bei uns in früheren Jahren.“ Dann brauche dieses Land auch viele, gut ausgebildete Menschen, so Fuchtels Fazit aus dem „sehr hilfreichen Gespräch“. Mit seinem in Deutschland erworbenen Fachwissen werde mancher Grieche dann in seine Heimat zurückkehren, um das eigene Volk beim Aufbau einer gesunden Wirtschaftsstruktur zu unterstützen.

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