31.10.2012

Austausch Gewinn für beide Seiten

Kretas Gouverneur auf dem Hof des Kreisvorsitzenden Friedrich Großhans / Know-how-Partnerschaft in der Landwirtschaft

Austausch Gewinn für beide SeitenHoher politischer Besuch aus Kreta auf dem Bauernhof in Beuren (von links): Kreisvorsitzender Friedrich Großhans, Generalsekretär Dr. Nikolaos Raptakis, Gouverneur Stavros Arnaoutakis und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Foto: k-w

Simmersfeld. Es ist früh am Morgen. Herbstnebel hüllt die weidenden Milchkühe ein, als die Staatsmänner aus Griechenland den Hof von Friedrich Großhans erreichen. „Das ist für mich Europa“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, „der Gouverneur aus Kreta kommt in unsere landwirtschaftlich geprägte Region, um sich in der Stube des Vorsitzenden des Calwer Kreisbauernverbandes zu informieren.“

Wenige Minuten später findet Großhans in Stavros Arnaoutakis und seinem Generalsekretär Dr. Nikolaos Raptakis aufmerksame Zuhörer, als er vom bescheidenen Leben seiner Vorfahren erzählt und davon, dass Landwirtschaft auf den kargen Böden des Nordschwarzwalds auch heute noch kein Zuckerschlecken ist, um die Familie davon zu ernähren. Und doch nehmen die beiden hochrangigen Politiker viel mit aus dieser ungewöhnlichen Fragestunde in der Stube des 300 Jahre alten Gehöfts, als selbstgebackenes Bauernbrot, hauseigene Marmelade und ein Gläschen Most gereicht werden.

Und noch eines erreicht der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel an diesem kalten Herbstmorgen in Beuren mit seiner Vermittlung: Der griechische Gouverneur auf der einen und der deutsche Landwirt auf der anderen Seite sprechen sich für einen partnerschaftlichen Austausch zwischen den Kulturen aus. „Vor allem die jungen Landwirte würden doch ungemein von gegenseitigen Besuchen bei ihren Kollegen  profitieren“, sagt Friedrich Großhans, „das wäre ein Gewinn für beide Seiten.“

Das ist genau das, wie sich Fuchtel die Know-how-Partnerschaft zwischen dem Nordschwarzwald und der Ferieninsel vorstellt. Und deshalb möchte er in den Landkreisen Calw und Freudenstadt jetzt rasch eine Umfrage starten, um in Erfahrung zu bringen, welche Erwartungen die Landwirte an ein Besuchsprogramm haben und wie sie sich in den Erfahrungsaustausch ihrerseits einbringen könnten. Schnell hat sich eine erste Antwort auf die Frage „Was können wir gemeinsam tun?“, die er zu Beginn der Gesprächsrunde in Beuren gestellt hatte, gefunden.

Denn auch auf die Bauern auf Kreta, ist Fuchtel überzeugt, werden Umstrukturierungsprozesse im Zuge von Reformen zurollen, die die Landwirtschaft in Deutschland längst durchlebt hat. Direktvermarktung, Bioenergie, moderne Düngemethoden oder Ferien auf dem Bauernhof sind an diesem Morgen die Stichworte, die in der Stube der Familie Großhans fallen. Von den Erfahrungen der deutschen Kollegen zu lernen, diese Idee fasziniert den Gouverneur, als der Bundestagsabgeordnete anregt, einen ersten Austausch mit 20 landwirtschaftlichen Betrieben im Nordschwarzwald zu wagen. „Das wäre auch für unseren Tourismus ein Zugpferd“, ist Stavros Arnaoutakis schnell überzeugt, dass die Hilfe zur Selbsthilfe Kreise auf seiner Insel ziehen würde.

Dabei könnte beispielsweise die Selbstvermarktung der Olivenanbauer an vorderster Stelle stehen. Dazu, berichtete Fuchtel, ist auf Lesbos bereits ein erstes, vom ihm veranlasstes Projekt mit deutscher Unterstützung gestartet. Auf Kreta könnte die Olivenöl-Produktion sicher mit einem touristischen Programm verknüpft werden, schlägt er vor. Damit ließe sich die Saison in den Herbst hinein ausdehnen, und die Nachfrage nach griechischen Produkten in Deutschland würde steigen. Dies seien kleine Schritte. Es gehe eben nur so und werde einige Zeit brauchen, so der Bundestagsabgeordnete, aber gut für die positive Entwicklung insgesamt sein, wenn es überall geschehe.

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