12.11.2012

Querdenken für Griechenland

Fuchtel läutet Gesprächsrunde bei Ölmühle Brändle ein / Tourismusexpertin sieht Themenreisen als Chance

Querdenken für Griechenland Respekt vor seinem Lebenswerk zollte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) dem Empfinger Unternehmer Pius Brändle.

Empfingen. Querdenker scharte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in Empfingen um sich, als er die Ölmühle Brändle im Gewerbegebiet besuchte. Er zapfe quer durch die Republik den Sachverstand an, „und hier hat man bei Brändle einiges vorzuweisen“. Der Gedankenaustausch mit der Geschäftsleitung des Familienunternehmens und weiteren Teilnehmern könne ganz konkret zu Verbesserungen führen.

„Fuchtelos“, wie er freundlich von der Runde in Anlehnung an griechische Zeitungsberichte genannt wurde, war in ernster Mission nach Empfingen gereist. Als Beauftragter der Bundeskanzlerin für die Deutsch-Griechische Versammlung ist er quer durch die Republik neben allen seinen Aufgaben derzeit auf der Suche nach Sachverstand, um Griechenland wieder auf die Beine zu bringen. Das gehe nur durch Tatkraft vor Ort. Bei der Firma Brändle ging es auch um die Selbstvermarktung der Olivenöl-Bauern über Genossenschaften.

So entwickelte sich sein Besuch zu einer regen Diskussionsrunde, angefangen bei Wirtschaftsfragen bis zur touristischen Vermarktung für Griechenland. Schließlich saß auch Marlene Bühler vom gleichnamigen Reisebüro aus Oberndorf mit am Tisch, auf dem – passend zum Diskussionsthema – griechischer Salat zu Pius Brändles eigenem Wein serviert wurde. Die Tourismusexpertin hat sich auf geführte Reisen auf die griechischen Inseln spezialisiert und gab einen Einblick in die Strukturen. Sie sah durchaus Chancen für Themenreisen nach Griechenland, beispielsweise verknüpft mit Seminaren rund um Anbau, Ernte und Verarbeitung von Olivenöl.

Besserwisserei, waren sich alle Gesprächsteilnehmer schnell einig, sei bei allen Aktivitäten jedoch völlig fehl am Platz. Die Hilfe soll von der untersten Ebene kommen und durch Kontakte zwischen den Kommunen intensiviert werden. Fuchtel hält deshalb auch Bürger- und Unternehmerreisen für denkbar. „Man muss querdenken“, sagte der Abgeordnete, „das führt zu höherer Aufmerksamkeit.“

Helmut Spohn wies darauf hin, dass das größte Problem der Griechen der Qualitätsschutz sei. „Hier muss dringend etwas getan werden“, sagte der Verkaufsleiter der Firma Brändle. Interessiert nahm Spohn die Nachricht auf, dass Abfallexperten aus dem Nordschwarzwald die griechischen Kollegen bereits beraten, um Verbesserungen zu erreichen. Außerdem seien das Handwerk, der Mittelstand, die Kammern sowie Städte und Kreise quer durch die Republik, aber auch im Nordschwarzwald bereit, so Fuchtel, sich für die Griechenland-Hilfe auf Augenhöhe zu engagieren. In der Ägäis seien diese Know-how-Partnerschaften sehr gefragt.

Auf reges Interesse stoße auch das duale Ausbildungssystem in Deutschland, das europaweit einmalig sei. Die Gastronomie im Nordschwarzwald habe bereits ihre Bereitschaft signalisiert, Ausbildungsplätze für jungen Griechen, die in ihrer Heimat kaum Chancen auf eine Lehrstelle haben, zur Verfügung zu stellen. Solche Patenschaften wären auch für andere Wirtschaftszweige denkbar. 

Dass die Europäer gut daran tun, die Helenen zu unterstützen machte Fuchtel unter anderem an folgendem Beispiel deutlich: Man dürfe nicht vergessen, dass Griechenland die europäische Außengrenze sichere. Beim Rundgang durch den hochmodernen Betrieb, der auf Anregung der CDU-Kreisvorsitzenden Gabriele Reich zustande gekommen war, äußerte Fuchtel Respekt vor dem Lebenswerk der Unternehmerfamilie, das von den Geschäftsführern Pius Brändle, Karin Lamparter und Heike Spohn, Vertriebsleiter Helmut Spohn und Betriebsleiter Udo Lamparter geführt wird.

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