05.12.2012

Innovative Hilfe aus der Luft

Persönliches Erlebnis führt zu Erfindung / Staatssekretär Fuchtel nimmt neuen Flugroboter in Augenschein / Für Rettungsdienst entwickelt / Auszeichnung am 11. Dezember

Innovative Hilfe aus der Luft  Den neuen Luftroboter stellte Tobias Weissenmayer in Calw Alexander Knapp (Projektingenieur), Ulrich Knapp (Geschäftsführer der KISSLING Gruppe in Wildberg), Christiane Fiedrowitz (Projektmanagerin), dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Raphael Beck von der Jungen Union (alle von links) vor.

Calw / Neuweiler. Hilfe aus der Luft könnte ein neues Fluggerät bringen, dass vor allem im Rettungsdienst wertvolle Dienste leisten soll. Diakon Tobias Weissenmayer hat dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel den gemeinsam mit Rettungsassistent Matthias Enkelmann entwickelten Luftroboter vorgestellt. Als „Übermorgenmacher“ wird Enkelmann für diese Erfindung auf Einladung des Calwer Landrats Helmut Riegger am 11. Dezember vom baden-Württembergischen Innenminister ausgezeichnet.

Weissenmayer und Enkelmann haben das neue Luftfahrzeug in Neuweiler eigens für den Rettungsdienst konzipiert, um die Notfallversorgung im ländlichen Raum zu optimieren. Dafür haben sie die Vorteile eines Hubschraubers mit denen eines Doppeldeckers kombiniert. GPS-gesteuert soll der vollautomatische Luftroboter blitzschnell Feuerlöscher, eilige Medikamente, Nahrung oder wichtige Geräte an Einsatzorte transportieren. Erste Testflüge hat der Prototyp bereits erfolgreich bestanden

In der Abgeordnetensprechstunde berichteten die Erfinder, wie es zu der Idee kam. Ein persönlich erlebter Unfall  war der Auslöser. Ein Mann verbrannte nach dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen in seinem Auto, weil es an wirksamen Feuerlöschmitteln fehlte. Bis sie auf dem üblichen Weg eintrafen, kam jede Hilfe zu spät. Die Erfindung könne eine Lösung solcher Probleme sein, sind sich Weissenmayer und Enkelmann sicher.

„Jetzt suchen wir noch einen Investor“, machte Weissenmayer deutlich, „der unserer Projekt nachhaltig unterstützen kann.“ Für Fuchtel ist der Tüftler Matthias Enkelmann ein „Vorzeige-Beispiel für die klugen Köpfe in unserer Region“. Es freue ihn außerordentlich, „dass Ihre Erfindung und das außerordentliche Engagement Ihres Teams nun auch öffentlich gewürdigt werden.“

Die Erfindung sei „sehr innovativ“. Der Bundestagsabgeordnete hatte gleich weitere Einsatzmöglichkeiten im Auge: So denke er zum Beispiel an die Sammlung von Wetterdaten, den Einsatz von Staumeldern, die Überwachung von Pipelines oder Versorgung älterer Menschen in Notfällen. Viele andere Einsätze wären möglich. In Zukunft sind sogar bemannte Flüge denkbar. Fuchtel schlug vor, das Projekt zunächst dort bekannt zu machen, wo es um Rettung und Katastrophenschutz geht.

Der Luftroboter steigt batteriebetrieben senkrecht in die Luft und landet punktgenau an seinem Einsatzort. Auffallend schnell und dennoch sehr leise bringt das mit zweimal vier Motoren ausgestattete Fluggerät seine lebensrettende Ladung sicher und kostengünstig an sein Ziel, das von den normalen Einsatzfahrzeugen erst Minuten später erreicht werden kann. Dadurch können erste Hilfsmaßnahmen zügig begonnen werden.

Das Transportmittel der Zukunft ist mit handelsüblichen Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet und deshalb umweltfreundlich. Es erreicht eine aktuelle Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometer und ist wartungsarm. Seine Luftschrauben ermöglichen dem Luftroboter einen senkrechten Start. Die Tragflächen dienen dabei nicht nur dem Schutz von Luftschrauben, Rumpf und Transportbehälter, sondern bringen dem Flugobjekt nach Erreichen seiner Flughöhe effizienten Auftrieb. Dazu dreht sich der Roboter aus der vertikalen Achse um 90 Grad in seine horizontale Fluglage.

Der Wildberger Unternehmer Ulrich Knapp, der gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten das neue Flugobjekt in Augenschein genommen hatte, nannte die Entwicklung höchst interessant, vor allem was den sicheren Transport von Gütern über eine Strecke von mehr als 15 Kilometer anbelangt. Mittlerweile wurde der Luftroboter mit Hightech-Kohlefaser weiter optimiert, wodurch er noch bessere Flugeigenschaften erlangte.

Fuchtel: „In meine Sprechstunden kommen regelmäßig Erfinder, die Ratschläge suchen. Man wäre ein schlechter Politiker im Land der Tüftler und Denker, wenn man dafür kein Ohr hätte.“

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