07.12.2012

Agentur soll vorne dabei sein

Vor allem Behinderte und ausländische Jugendliche tun sich schwer / Staatssekretär diskutiert mit Führungsspitze der Arbeitsagentur / Mitwirkung bei INQA-Check / Neue Projekte werden angegangen

Agentur soll vorne dabei sein Ideen für den Arbeitsmarkt entwickelten (von links): Jürgen Schwab, Chef der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Mathias Auch, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim.

Nagold / Freudenstadt / Pforzheim. Behinderte im Nordschwarzwald, die sich besonders schwer mit der Jobsuche tun, sollen noch intensiver durch die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim unterstützt werden. Dazu könnte zum Beispiel eine Woche der Inklusion beitragen, sind sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel sowie der neue Agenturchef Jürgen Schwab und sein operativer Geschäftsführer Mathias Auch einig. Das Spitzengespräch brachte eine Reihe von Ideen, die jetzt umgesetzt werden.

Hans-Joachim Fuchtel, im Ministerium auch für Behindertenfragen zuständig, hatte die Führungsriege der neu zugeschnittenen Agentur für Arbeit im Nordschwarzwald eingeladen, um nach möglichen Verbesserungspotenzialen für die Arbeitsplatzsuche von Behinderten zu forschen. Besonders schwer mit dem Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt haben es Jugendliche bis 25 Jahre und Schwerbehinderte ab 50 Jahre.

Staatssekretär Fuchtel fand bei der neuen Agenturspitze Zustimmung für die Zielsetzung, bei Innovationen vorne dabei zu sein. So soll die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim Prototyp für die Verbreitung des neuen INQA-Check „Guter Mittelstand“ werden. Die Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem "Wettbewerbsvorteil Arbeitsqualität". Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Arbeit für Unternehmen rentabel und für Beschäftigte gesund, motivierend und attraktiv gestaltet werden kann. INQA vernetzt all diejenigen, die Beschäftigung in Deutschland gestalten möchten.

Prototypisch ist die Agentur bereits in die Aktivität mit Griechenland eingebunden. Ziel sind „Win-Win-Situationen“, wie es Hans-Joachim Fuchtel nennt. Das Engagement der Arbeitsagentur wird allen Seiten zu gute kommen. Junge Helenen suchen nach Arbeit, während sich in den deutschen Hotels und Restaurants bereits der Fachkräftemangel durch die demografische Entwicklung bemerkbar macht. Die Arbeitsagentur ist schon bei Arbeitsplatzbörsen in Griechenland vertreten.

Ein Projekt ist Saisonarbeit, um junge Griechen für die Wintermonate nach Deutschland zu vermitteln. Aktuell werden in den Kreisen Calw und Freudenstadt vor allem 20 Köche und Servicekräfte gesucht. Die könnten im Süden Europas gefunden werden, da sie dort in der Regel nur von Frühjahr bis Herbst einen sicheren Arbeitsplatz haben. Außerdem haben Pflegeheime ihr Interesse an Hilfskräften angemeldet, berichtete Fuchtel. Die Bundesregierung werde ab 2013 Weiterbildung und Sprachförderung junger Menschen in südeuropäischen Krisenländern unterstützen, um die erforderliche Sprachkenntnis als wichtigste Voraussetzung zu erreichen, kündigte der Staatssekretär an, und: “Der Nordschwarzwald wird von Anfang an dabei sein“.

Als Musterbeispiel für das Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erwähnte Fuchtel die Horber Kulturbrücke, die sich für Berufschancen junger Ausländer einsetze. Beeindruckt hat ihn außerdem das Wuppertaler Modell der Raumfabrik AG. Um dem Fachkräftemangel früh zu begegnen und junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung zu begeistern, initiierte die  Handwerkerkooperation ein Gemeinschaftsprojekt mit einer Hauptschule. Jugendliche werden über ein Praktikum motiviert, ihre Talente zu entdecken. Daraus entwickeln sich feste Bindungen. Das Horber Handwerkernetz hat kürzlich Interesse signalisiert, sich das Wuppertaler Modell vor Ort anzuschauen. Auch dieses Projekt soll vorangebracht werden.

Fuchtel will die Idee aufgreifen, mehr konkrete Foren zu initiieren, um Absolventen der verschiedenen Fachhochschulen stärker für die berufliche Tätigkeit im Nordschwarzwald zu gewinnen. Das werde zwar teilweise schon sehr gut gemacht, sei aber ausbaufähig.

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