05.03.2013

Lauterbader Runde schlägt Brücke zur Wirtschaft

Workshop soll sich mit Gesundheit und Prävention beschäftigen / Reha-Szene holt IHK und Unternehmen ins Boot / Landrat Rückert: richtige Ideenschmiede / Demografie-Komponente beim äREHA-Deckelô

Lauterbader Runde schlägt  Brücke zur Wirtschaft Die siebte Auflage der Lauterbader Runde mit Rentenchef Dr. Herbert Rische und dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (beide Bildmitte) fand in diesem Jahr unter großer Beteiligung im Wellnesshotel Grüner Wald in Freudenstadt statt.

Freudenstadt. Die Lauterbader Runde schlägt eine Brücke zur Wirtschaft. Im Mitteilpunkt eines zweitägigen Workshops, an dem sich die Industrie- und Handelskammer (IHK), Reha-Einrichtungen, Berufsförderungswerke sowie Unternehmen aus dem Nordschwarzwald beteiligen sollen, wird das Thema Prävention und Nachsorge stehen. Das ist das Ergebnis der siebten Auflage der allseits wiederum sehr begrüßen Veranstaltung mit dem Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Dr. Herbert Rische. Landrat Dr. Klaus Rückert bezeichnete die Veranstaltung als „Ideenschmiede“.

Der Freudenstädter Oberbürgermeister konnte aktuelle Zahlen beisteuern: Die Übernachtungen in Reha-Kliniken sind um 3,4 Prozent gestiegen. „Ich hoffe, dass Sie alle dabei sind“, freute sich Julian Osswald über die positive Nachricht für die Branche. Allein die Ärzteversorgung auf dem Land mache Sorgen: „Die Altersstruktur ist sehr bedenklich.“

Gemeinhin sagt man, dass das siebte Jahr ein verflixtes sei. Nicht so bei der Lauterbader Runde, die sich auf Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel jährlich trifft. Diesmal war das Hotel „Grüner Wald“ Tagungsort. Fuchtel beim abendlichen Empfang: „Hier sieht man beispielhaft, wie die Hoteliers der Region die durch die Reduzierung der Mehrwertsteuer entstanden Möglichkeiten zur Investition nutzen“.

 

AOK-Geschäftsführer Kratzke mutiger Pionier


Den Geschäftsführer der AOK-Gesundheitskasse Nordschwarzwald begrüßte Fuchtel als mutigen Pionier. Christian Kratzke habe „sich früher als alle anderen in Deutschland für neue Wege bei Behandlung und Rehabilitation von psychisch erkranken Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geöffnet. Entstanden sei unter Beteiligung aller Akteure ein Assessment-Verfahren, das zwischenzeitlich in einer ganzen Reihe von Regionen genutzt werde. Hans-Joachim Fuchtel: „Das ist gut für die Menschen, weil sie frühzeitiger wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren und das ist gut für die Kostenträger, weil erheblich Geld gespart wird“.

Eine Expertin für das Fachgebiet Reha und Behinderte hatte Fuchtel mit Brigitte Lampersbach mitgebracht. Die Abteilungsdirektorin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Zuständigkeit für Rehabilitation war wie Deutschlands oberster Rentenchef begehrte Gesprächspartnerin. Sie riet den zahlreich erschienenen Vertretern der Reha-Szene, aus dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Betroffenen müssten mit Prävention, Nachhaltigkeit und Nachsorge begleitet werden. „Auch psychische Erkrankungen werden uns immer mehr beschäftigen.“.

Themen wie Demografie und Inklusion nehmen an Bedeutung zu, unterstrich IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. Die Gesundheitswirtschaft sei bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region, doch es mangele an Fachkräften. Der ebenfalls anwesende CDU-Landtagsabgeordnete Norbert Beck würdigte besonders, dass die Initiative der Gesundheitsregion die notwendige Beachtung schenke.

„Ich habe den Eindruck, dass schon jeder auf diese Runde wartet“, sagte Rische, als er die Reha-Zahlen analysierte. 2012 sei durchgehend positiv verlaufen, die Renten also nach wie vor sicher. „Reha kann man nicht auf der grünen Wiese betreiben“, so der Rentenchef, deshalb sei es gut, Netzwerke wie die IHK in der Region zu bilden und dennoch über den Tellerrand zu schauen. Dr. Rische: „Viele Betriebe haben erkannt, dass sie sich in der Prävention engagieren müssen.“

 

Fuchtel gegen internationale Ausschreibung von Reha-Leistungen


In den letzten zehn Jahren sei das Durchschnittsalter in den Betrieben um fünf Jahre gestiegen, sagte Staatssekretär Fuchtel. Deshalb sei unabdingbar, sich intensiver mit Prävention zu beschäftigen. In Deutschland werde zwar ein Reha-Spitzenwert erreicht, aber die Zahl der über 60-jährigen im Arbeitsleben steige überproportional. Die CDU/CSU sei deswegen dafür, dass der sogenannte „Reha-Deckel“ eine Demografie-Komponente erhalte. Durch noch mehr Anstrengungen bei der Reha-Nachsorge könnten höchstwahrscheinlich mehr Menschen wieder ins Arbeitsleben integriert werden.,

Entschieden sprach sich Fuchtel gegen internationale Ausschreibungen von Reha-Leistungen aus. Vorhandene Ausnahmeregelungen müssten weiterhin genutzt werden. Reha dürfe nicht durch noch mehr Bürokratie belastet und nach der Frage entschieden werden: Wer ist der Billigste?[Druckversion]