27.03.2013

Fast 800 Menschen suchten Rat

Staatssekretär Fuchtel informiert sich über Arbeit der Fachstelle Sucht / Jugend sensibilisieren / Spezielle Beratung für Senioren

Fast 800 Menschen suchten Rat Über die Arbeit der Fachstelle Sucht in Calw informierte sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Mitte) bei der Leiterin Heiderose Nestle-Röhm und bwlv-Geschäftsführer Christian Heise.

Calw. Die Fachstelle Sucht im Landkreis Calw ist nach wie eine stark frequentierte Einrichtung. Davon konnte sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel ein Bild machen, der regelmäßig in Kontakt mit der Leiterin Heiderose Nestle-Röhm steht. 2012 haben 796 Menschen mit Suchtproblemen in der Fachstelle um Hilfe gebeten. Davon wurden 614 Personen sogar längerfristig betreut. 

Im Fokus stehen vor allem junge Menschen und Senioren. Es werde noch zu wenig über Sucht im Alter diskutiert, sind sich Heiderose Nestle-Röhm und Christian Heise als Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (bwlv) einig. Deshalb wurde 2011 im Landkreis Calw ein entsprechendes Projekt ins Leben gerufen, bei dem seniorenspezifische Beratungsangebote geschaffen wurden. In Bad Wildbad gibt es sogar einen speziellen Arbeitskreis. Sorgen bereiten Nestle-Röhm und Heise auch die Tendenz zur Spielsucht.

Die Jugend soll verstärkt dafür sensibilisiert werden, dass Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch lebensbedrohliche Krankheiten mit gravierenden Folgen auslösen können. Der Missbrauch von sogenannten K.-o.-Tropfen, die stark abhängig machen, ist vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet. Die Konsumenten seien schwer zu erreichen, so Nestle-Röhm, und auf dem Arbeitsmarkt kaum zu vermitteln. Ihre Familien erreichten oft die Grenze der Belastbarkeit. „Das ist ein Dauerbrenner im Kreis Calw“, betonte die Leiterin der Fachstelle.

Bundestagsabgeordneter Fuchtel sprach sich für strengere Kontrollen beim Missbrauch von GBL (Gamma-Butyrolacton) und GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) aus. Vielerorts werde zu wenig bemerkt, dass Betroffene an die Hand genommen werden müssten, um aus dem Teufelskreis Sucht aussteigen zu können, sagte Fuchtel, der sich mit seinen Gesprächspartnern einig war, dass auch die Kommunikation und Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen weiter verbessert werden müssten.

Im Landkreis Calw gebe es zu wenig substituierende Ärzte, so die Nestle-Röhm, die Opiat-Abhängige mit Ersatzdrogen behandeln, was die Situation nicht nur erschwere, sondern auch zu einem „immensen Substitutionstourismus“ in die Nachbarkreise führe.

Seit März 2012 gibt es ein neues Beratungsangebot im Kreisklinikum Calw, analog zum Krankenhaus Nagold. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie stehen“, erläuterte Heiderose Nestle-Röhm den Erfolg dieser Arbeit. Erfolgreich war ein Seminar für Auszubildende in einem Betrieb der Region. Die Jugendlichen setzten sich vor allem mit dem eigenen Konsum von Alkohol und Cannabis auseinander.

Unter den fast 80 Hilfesuchenden waren im letzten Jahr 45 Angehörige, die wegen der Suchtproblematik eines Familienmitglieds in die Fachstelle kamen. Gut ein Viertel der Hilfesuchenden haben 2012 zum ersten Mal Rat gesucht. Für 100 Klienten hat die Fachstelle im letzten Jahr sogar eine stationäre Reha-Behandlung vermittelt, darunter 17 Kombitherapien. 44 Personen wurden ambulant behandelt.

Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden hatte Alkoholprobleme, jeweils zehn Prozent konsumierten Cannabis oder Opiate (Heroin) und fünf Prozent waren dem Glücksspiel verfallen. Ein Fünftel der Hilfesuchenden litt unter Nikotin-, Medikamenten- oder Kokainmissbrauch.  Bemerkenswert ist aus Sicht der Suchtberater, dass im letzten Jahr die Nachsorge von 39 auf 56 Behandlungen deutlich gesteigert werden konnte.

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