03.05.2013

Mehr Chancen für Frauen in REHA-Branche

Mitarbeiterinnen der Waldachtaler Fachkliniken in Europaprojekt / Fuchtel: Mit konkreten Maßnahmen weibliche Talente fördern

Mehr Chancen für Frauen in REHA-BrancheDen Startschuss für das auf Bundes- und europäischer Ebene geförderte Projekt „Gleichstellen von Frauen in Rehabilitationskliniken der ländlichen Regionen“ gab in der Fachklinik Zauberwald der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Zweiter von rechts) gemeinsam mit Klinikleiterin Petra Schraml-Dussle (links), Bürgermeister Heinz Hornberger (Zweiter von links) und Elke Schönborn (rechts) von der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald.

Waldachtal-Lützenhardt. Mitarbeiterinnen der Fachkliniken Sonnenhof und Zauberwald in Lützenhardt erhalten bis Ende 2014 zusätzliche externe Schulungen zur Stärkung ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel gab den Startschuss für das vom Europäischen Sozialfonds (ESF), der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützte Projekt „Gleichstellen von Frauen in Rehabilitationskliniken der ländlichen Regionen“.

Ziel dieser Initiative ist, eine bessere Qualifikation und Kompetenz im Beruf zu erlangen. Dabei geht es nicht darum, die weiblichen Beschäftigten fachlich weiterzubilden, sondern ihnen durch Methoden der Persönlichkeitsentwicklung größere Chancen zur beruflichen Entwicklung zu eröffnen. Außerdem soll mit Blick auf den demografischen Wandel der Anteil älterer weiblicher Beschäftigter erhöht werden.

„Die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben steht im Bundesarbeitsministerium ganz oben auf der politischen Agenda“, betonte Staatssekretär Fuchtel (CDU). Mit der Dussle-Unternehmensgruppe werde ein privater Reha-Träger mit hohem Frauenanteil in das Gesamtprogramm einbezogen. Ziel sei eine Ausstrahlung in die ganze Branche. Bundesministerin Ursula von der Leyen sei schon 2009 mit ersten Projekten in die Offensive gegangen, weil viele Frauen nicht ihrer Ausbildung entsprechend eingesetzt würden.

„Die Aufwertung von Beschäftigungspotenzial und Talenten“, sagte Fuchtel, „brauchen wir vor dem Hintergrund des demografischen Wandels dringend.“ Ganz besonders gelte das im Gesundheitssektor, wo der Fachkräftemangel schon zu spüren sei. Frauen hätten im Schnitt die besseren Schulabschlüsse und seien für das Berufsleben mindestens so gut qualifiziert wie Männer, doch „am Arbeitsmarkt kommt die Gleichstellung zu langsam an“. Frauen würden häufiger in Teilzeit arbeiten, seien seltener in Führungspositionen und verdienten weniger als ihre Kollegen. Mit Ganztagsschulen, Elterngeld und Vatermonaten seien bereits wichtige Schritte zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf politischer Ebene eingeleitet worden, „aber natürlich sind auch die betrieblichen Akteure gefragten“. In der Vergangenheit hätten sich lange Zeit viel zu wenige Unternehmen um Fördermittel beworben. Wie die Dussle-Gruppe zeige, verstärke sich erfreulicherweise das Interesse in jüngerer Zeit.

Mit dem Projekt steuere die Politik sehr direkt in die Unternehmen hinein. Bis Ende 2014 werden knapp 12.000 Frauen aus über 3000 Betrieben unterstützt, um ihre Aufstiegschancen zu verbessern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete brach eine Lanze für den Mittelstand, in dem der Frauenanteil in Führungspositionen bereits bei 30 Prozent angelangt sei, während er in den Vorständen der großen Unternehmen nur bei drei Prozent liege: „Das ist eindeutig zu wenig!“

Es sei nicht selbstverständlich, den Zuschlag für ein solches Projekt zu erhalten, beglückwünschte Bürgermeister Heinz Hornberger die Eigentümerfamilie Schraml-Dussle, das spreche für die beiden Fachkliniken. Der Sonnenhof trage entscheidend zur Entwicklung der Gemeinde bei und nehme unter den 240.000 Übernachtungen jährlich einen Anteil von 74 Prozent ein. Im Wettbewerb mit den Ballungsräumen sei der ländliche Raum dringend auf Arbeitsplätze angewiesen.

Die meisten der über 350 Mitarbeiter des Unternehmens am Standort Waldachtal sind weiblich, unterstrich Petra Schraml-Dussle, davon viele in Führungspositionen. Die Teilnahme am europäischen Förderprogramm sei ein „großer Schritt für die Förderung von Frauen“, sagte die Geschäftsführerin, denn leider werde ihre Arbeit noch nicht so gewürdigt wie die von Männern. Eine Frauenquote ist in ihren Augen freilich keine Lösung. „Wir müssen die Frauen so fördern, dass sie ihren Mann stehen können“, äußerte sie ihre Überzeugung.

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