07.06.2013

Bessere Perspektiven in Deutschland

Für einen Job würde Benjamin Aragoneses Lorite seine Heimat verlassen / Erfahrungsaustausch mit Staatssekretär Fuchtel

Bessere Perspektiven in DeutschlandZum Gedankenaustausch über Praktika in Deutschland trafen sich in Simmozheim (von links): Martin Walz, Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Benjamin Aragoneses Lorite, Heike Bangert-Rohrmoser (Projektmanagerin AliSchwa/Ida) und Holger Klemke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Calw.

Simmozheim. In Spanien sieht er keine Perspektive für seine Zukunft. Ein Jahr lang war Benjamin Aragoneses Lorite schon arbeitslos, als er vom Projekt AliSchwa erfuhr. Der junge Handwerker aus Alicante ergriff die Gelegenheit beim Schopf und absolvierte jetzt ein Praktikum bei Martin Walz in Simmozheim. „Wir würden ihn sofort als Monteur bei uns einstellen“, sagt der Chef der Elektro- und Solartechnikfirma dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, „für uns war er schon eine vollwertige Arbeitskraft.“

Doch der Spanier müsste erst den deutschen Facharbeiterbrief  in der Tasche haben, um hierzulande beruflich Fuß fassen zu können. Deshalb empfahl der Bundestagsabgeordnete ihm eine ergänzende duale Ausbildung in Deutschland und die Vertiefung seiner Sprachkenntnisse. Dann stünden ihm in der Bundesrepublik alle Türen bis zum Studium offen, weil Facharbeiter hierzulande händeringend gesucht sind. „Wir brauchen Menschen wie Sie“, riet Fuchtel seinem Gesprächspartner nach seiner Rückkehr nach Spanien ernsthaft diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.

„Der Weg aus der Arbeitslosigkeit und der Wunsch, andere Kulturen kennenzulernen“, haben Benjamin Aragoneses Lorite angetrieben, für wenige Wochen nach Deutschland zu gehen. Gewohnt hat er bei seinem deutschen Meister. Dieser spontane, nicht geplante Familienanschluss war eine besondere Form der deutsch-spanischen Hilfestellung. Noch seien die Sprachkenntnisse das größte Problem räumt er der 28jährige ein, dessen Freundin in der Heimat noch studiert. Doch ist er zuversichtlich, dass er auch diese Hürde schaffen würde. Derzeit besucht er bereits mit Freude ergänzenden Sprachunterricht.

Sollte er eine Chance sehen, sein Handwerk in Deutschland auszuüben, würde er sofort wiederkommen, sagt Benjamin Aragoneses Lorite. Diese Alternative ziehe er ernsthaft in Erwägung. Denn nichts sei schlimmer, als tatenlos zu Hause rumzusitzen. Im Nordschwarzwald hat er auch schnell Kontakte zu Gleichaltrigen geknüpft und die Arbeit mit den Kollegen hat ihm großen Spaß gemacht. Martin Walz attestierte dem Spanier Fleiß und Mut. Als Handwerker habe er sich längst bewährt. Einziges Handikap sei nun noch die Zusatzausbildung nach deutschem Muster. Im Zeichen der Energiewende würden immer mehr Hausbesitzer auf regenerative Energien umrüsten, weshalb die Auftragslage so gut in seinem Unternehmen sei, dass er jederzeit weitere Handwerker gebrauchen könne.  

Holger Klemke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Calw, empfahl dem 28jährigen deshalb, eine duale Ausbildung in Deutschland, für die er hierzulande sogar eine Ausbildungsverkürzung bekommen würde. Denn Benjamin Aragoneses Lorite hat bereits zwei abgeschlossene Berufsausbildungen im Elektrohandwerk und in der Automatisierungstechnik. Das würde ihm den Weg in ein deutsches Beschäftigungsverhältnis natürlich deutlich schneller ebnen.

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