23.07.2013

Wichtige Impulse für Ärzteversorgung

Griechische Ärzte auf Hausbesuche im Kreis Freudenstadt / Fuchtel stößt mit Initiative auf wohlwollende Unterstützung

Wichtige Impulse für ÄrzteversorgungArztvisite in Pfalzgrafenweiler (von links): Dr. Gerhard Baur und Dr. Saskia Baur, Dr. Georgios Patoulis aus Athen, Präsident der griechischen Ärzteschaft, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Sotorios Rigakis, Ehrenpräsident der Ärztekammer Athen, Dolmetscherin Dimitra Rousvanidou und Barbara Baumbach vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Freudenstadt / Pfalzgrafenweiler / Baiersbronn. Viele griechische Mediziner haben keine reale Vorstellung davon, wie in einer deutschen Arztpraxis gearbeitet wird. Dieses Manko hat jetzt der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in einem ersten Schritt gelöst. Der Präsident der griechischen Ärzteschaft, Dr. Georgios Patoulis aus Athen, hat nicht nur Praxen im Nordschwarzwald inspiziert, sondern sogar an Sprechstunden teilgenommen.

Eine völlig neue Erfahrung für den erfahrenen Orthopäden, der noch nie zuvor eine deutsche Arztpraxis von innen gesehen hatte, sowie seine mitreisenden Kolleginnen und Kollegen, die sich bei ihren praxisnahen Visiten als äußerst wissensbegierig erwiesen. In Pfalzgrafenweiler wurden die Mediziner, darunter auch Sotorios Rigakis, Ehrenpräsident der Ärztekammer Athen, in die Abläufe einer Landarztpraxis eingeführt.

Dr. Saskia und Dr. Gerhard Baur nahmen sich wie auch ihre Kolleginnen und Kollegen in Freudenstadt und Baiersbronn sehr viel Zeit für ihre Gäste. Gerhard Baur erläuterte die Strukturen der ärztlichen Versorgung, vergaß dabei nicht zu erwähnen, wie schwierig sich für viele Landärzte die Suche nach einem Nachfolger gestaltet. Die Praxis betreut das Seniorenstift "Am Kurgarten" nebenan gleich mit. Die griechischen Kolleginnen und Kollegen informierten sich nebenbei über das spezielle Konzept für an Demenz erkrankte Senioren.

"Unsere abwechslungsreiche Tätigkeit macht den Charme dieser Arbeit aus", gestand Gerhard Baur, ganze Familien würden über Generationen hinweg medizinisch versorgt. Drei Jahre möchte das Arztehepaar noch arbeiten, um dann ihre Praxis zu übergeben. "Eine schöne Aufgabe", wie Baur betonte, für die er sich gut einen griechischen Kollegen vorstellen könnte. Die gibt es nämlich in der Hellenischen Republik im Überfluss. Grundvoraussetzung sei allerdings, dass die Kollegin oder der Kollege über ausreichende Deutschkenntnisse verfüge.

"Wunderbar wäre es, wenn jemand stückweise nachwachsen könnte", sagte Dr. Adelheid Hüllemann-Fischer in Wittlensweiler. Ihre Praxis ist in Fuchtels Augen ein Beispiel dafür, wie dringend die Nachwuchssuche bereits ist. "Ich könnte mich eigentlich schon zur Ruhe setzen", betonte die Ärztin, "für die neue Kollegin oder den Kollegen wäre diese Praxis ein gutes Auskommen."

Auch für Dr. Dorothee Müller-Müll, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, ist der Ärztemangel bereits ein akutes Problem. Die Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel sei eine ideale Plattform, um Impulse für die Zukunft der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum zu setzen.

Ein ähnliches Bild bot sich den Gästen in Schönmünzach, wo sie die Kurärztin Dr. Sigrid Ermann bei Hausbesuchen begleiteten. Bei einem häuslichen Unfallpatienten war sogar der Rat des Orthopäden Dr. Georgios Patoulis gefragt. Letzte Station der Delegation war die Gemeinschaftspraxis im neuen Baiersbronner Ärztehaus, das nach Ansicht von Staatssekretär Fuchtel als Modell der Zukunft in der deutschen Ärzteversorgung gilt.

Die griechischen Mediziner zollten ihren Kollegen Respekt für ihren langen und engagierten Arbeitstag, fragten nicht nur nach den Verdienstmöglichkeiten der Kollegen, sondern wollten auch Details zum deutschen Abrechnungswesen und zur Ausbildung wissen. Für den Initiator Hans-Joachim Fuchtel hat sich der ganztägige Praxisrundgang mehr als gelohnt: Besser habe man den Kollegen in Griechenland nicht das deutsche Gesundheitswesen und die Chance auf eine mögliche Praxisübernahme in Deutschland näher bringen können. Wenn letzteres in dem einen oder anderen Fall gelinge könnte, hätten beide Seiten ihren Vorteil. Davon würden auf Dauer vor allem die Patienten im ländlichen Raum profitieren.

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