24.07.2013

Athener staunen über Biomüllverwertung

Staatssekretär Fuchtel bringt Bürgermeister und Fachleute zusammen / Landkreis-Konzept Musterbeispiel für Delegation

Athener staunen über BiomüllverwertungAnschauungsobjekt Biomüllverwertung: Georgios Patoulis (links) Bürgermeister des Athener Vorortes Marousi, im Gespräch mit Geschäftsführer Martin Steudinger (Mitte), dem Parlamentarischer Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (rechts) und Dolmetscherin Dimitra Rousvanidou.

Freudenstadt. Wenn es um Hilfestellung für das krisengeschüttelte Griechenland geht, setzt der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bekanntlich weniger auf große Fördertöpfe, sondern sucht nach pragmatischen Lösungsansätzen. Deshalb führte der Beauftragte der Bundesregierung für die Deutsch-Griechische Versammlung jetzt eine Delegation aus Athen direkt zu einer modernen Bioabfallbehandlungsanlage in seinem Wahlkreis.

Dem Bürgermeister des Athener Vorortes Marousi, Georgios Patoulis, konnte der Bundestagsabgeordnete offensichtlich keinen größeren Gefallen tun, als ihm die Bioenergie Freudenstadt, die erst im Herbst letzten Jahres eröffnet worden ist, als Anschauungsobjekt zu zeigen. Patouli erkundigte sich detailliert nach den technischen Einzelheiten dieser beispielhaften Anlage im Gewerbegebiet Sulzhau und wunderte sich vor allem darüber, wie wenig Gerüche beim Erzeugen von Biogas nach außen dringen. Für Geschäftsführer Martin Steudinger war der Besuch ein willkommener Anlass, nach neun Monaten Betriebszeit auch einmal gründlich Bilanz zu ziehen.

Auf eine Jahresleistung von 18000 Tonnen Biomüll ist die neue Anlage ausgerichtet, erklärte er geduldig die Funktionen in allen Einzelheiten. Dabei nannte Steudinger auch den aus seiner Sicht größten Schwachpunkt der energetischen Verwertung. Das ist nämlich das Agieren mancher Bürger, die noch zu viele Fremdstoffe in die Biotonne kippen. Diese bremsen die Verwertung der organischen Abfälle immer wieder aus und können auf Dauer auch zu Schäden führen. 

"Es ist deshalb ganz besonders wichtig", erläuterte Steudinger seinen Gästen, "dass die Bürger unseres Landkreises ordentlich sortieren." Das tun sie zum größten Teil bereits vorbildlich, doch eine Minderheit ist beim Müllsortieren eben nicht gründlich genug. Ist der Bioabfall frei von Fremdstoffen, stehen die Förderbänder so gut wie nie still. Dann ist die Anlage in der Lage, jährlich eine Energiemenge von bis zu 11500 Megawattstunden und eine Strommenge von bis zu 4500 Megawattstunden zu erzeugen. Mit ihrer Wärme werden bis zu 315 Haushalte versorgt, mit Elektrizität bis zu 1280 Haushalte. Nebenbei werden jährlich 4000 Tonnen Kompost und 10000 Tonnen Flüssigdünger produziert.

Hans-Joachim Fuchtel kommt es vor allem auf dieses an: "Fehler, die in Deutschland gemacht wurden, müssen dort ja nicht wiederholt werden", ist seine Devise bei der Gründung von Know-how-Partnerschaften zwischen deutschen und hellenischen Kommunen. Die Gäste aus Athen nahmen als wichtigste Erkenntnis mit auf den Heimweg, dass man mit der Verwertung von Bioabfällen durchaus Kasse machen kann. Denn das gereinigte Biogas wird über eine Gasleitung direkt zur Energiezentrale der Stadtwerke Freudenstadt gefördert, erläuterte Ingenieur Jörg Schleifer. Dort wird es zur Befeuerung eines Blockheizkraftwerkes genutzt. Der so entstandene Strom wird ins öffentliche Netz und die Wärme in das Nahwärmenetz der Stadtwerke eingespeist. Ein Konzept, dessen Umsetzung sich auch Bürgermeister Patoulis in seiner Heimatstadt gut vorstellen könnte.

"Damit haben wir schon wieder eines unserer besonders wertvollen Erfahrungskästchen geöffnet", freute sich der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel über das Interesse auf griechischer Seite. Und vielleicht entsteht ja eines Tages eine Bioabfallbehandlung nach Landkreis-Vorbild in Athen. Ein Anschub in die richtige Richtung ist der Besuch in Freudenstadt auf jeden Fall gewesen.

[Druckversion]