09.09.2013

Regional denken hilft der Gastronomie

Fuchtel stößt mit Tourismuskonzept auf offene Ohren / Gespräch mit DEHOGA-Kreisvorständen Calw und Freudenstadt / Berufschulen erhalten

Regional denken hilft der Gastronomie Im Dialog mit den Gastronomen aus den Landkreisen Calw und Freudenstadt in Klosterreichenbach: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Vierter von links).

Freudenstadt / Calw . Eine noch bessere Vernetzung von Tourismus, Wirtschaft und öffentlicher Hand käme dem Hotel- und Gaststättengewerbe im Nordschwarzwald zugute. Darin sind sich die Vorstandsmitglieder des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Calw und Freudenstadt mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel einig. Der Bundestagsabgeordnete bei einer gemeinsamen Gesprächsrunde in Klosterreichenbach: "Wir müssen regionaler denken."

Auf offene Ohren stieß Fuchtel demnach mit seinen strategischen Überlegungen zur Belebung des Tourismus in den beiden Landkreisen. Die Entwicklung Freudenstadts, sagte Beate Gaiser, habe eindeutig dazu beigetragen, dass mehr Tagestouristen als Übernachtungsgäste wiederkommen. Also müsse man nicht nur neue Ideen entwickeln, knüpfte der Staatssekretär an diesen Wortbeitrag an, sondern auch verstärkt die Menschen einbinden.

Der Bundestagsabgeordnete warb bei den Gastronomen für sein Konzept, Pflöcke für die Außenwerbung der Region in den Randzonen einzuschlagen. "Wir müssen Tages- und Übernachtungsgäste an der Peripherie ansprechen und zu uns lenken", so seine Überzeugung. Früher habe es ab Horb und Nagold bis tief in den Schwarzwald sogenannte „Fremdenverkehrsämter" gegeben. Deshalb sein Vorschlag, dass "Tor zum Schwarzwald" (Nagold) wie auch Horb mit seinem Rauschbart optisch als Plattform für die Außenwerbung zu nutzen, um einen weiteren Schub für den Tourismus auszulösen. Außerdem, so Fuchtel, müsse das Angebot für Familien noch breiter werden.

Sorgen bereitet den Gastronomen der Fachkräftemangel und der fehlende Nachwuchs. "Wir haben auch zu wenig Neugründungen in unserer Branche", beklagte Rolf Berlin vom DEHOGA-Kreisverband Calw. "Unser duales Ausbildungssystem ist das beste in Europa", betonte Ingeborg Heinzelmann-Schillinger. Gerade deshalb müsse es internationaler ausgerichtet werden, argumentierte der Abgeordnete, um die Fachkräfteausbildung auf europäischer Ebene auszubauen und den Bestand der Berufsschulen im Nordschwarzwald mit Auszubildenden aus anderen Ländern zu sichern.

Wichtig sei, den jungen Ausländern, die in Deutschland eine duale Ausbildung absolvieren oder arbeiten wollen, die deutsche Sprache zu vermitteln. Deshalb habe das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein Förderprogramm aufgelegt. Ideal wäre, wenn diese Bemühungen um zusätzliche Fachkräfte hierzulande durch eine familiäre Willkommenskultur unterstützt werde. "Die gezielte Integration dieser jungen Menschen ist ganz wichtig", unterstrich Rolf Berlin. Hans-Joachim Fuchtel geht sogar noch einen Schritt weiter. Die jungen Leute sollen, nachdem sie schon eine Weile im Nordschwarzwald gearbeitet haben, als "Ausbildungsbotschafter" in ihre Heimat entsandt werden.

Zustimmung fand der Bundestagsabgeordnete für den Kurs der Union, den Mindestlohn nicht im Parlament festzuschreiben, sondern den Tarifparteien die Festlegung der Untergrenze zu überlassen, um dem dann rechtlich Geltung zu verschaffen.. "Der Lohn muss am Markt und nicht im Parlament festgelegt werden", argumentiert Fuchtel.

Und in noch einem Punkt erzielten die Gesprächspartner Einigkeit: Die derzeitige Flexibilität der Arbeitsmarktinstrumente sorge für Neueinstellungen. Viele Frauen in Minijobs würden auf Dauer zu Vollerwerbskräften. Das schaffe also Arbeitsplätze und vernichte keine. "Wir sind das Rückgrad der Wirtschaft", sagte Jörg Möhrle vom DEHOGA-Kreisverband Freudenstadt selbstbewusst, deshalb dürfe man dem Gastgewerbe nicht noch mehr zusätzliche Bürden auferlegen.

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