13.09.2013

Praxisgespräch in der Praxis

Viele Maßnahmen gegen Ärztemangel notwendig / Fortsetzung der Gespräche zugesagt / CDU bei neuem Arzt

Praxisgespräch in der PraxisEinen Dialog haben Ärzteschaft und Politik in Altensteig zur Zukunft der medizinischen Versorgung im Nordschwarzwald angestoßen. Zu den Teilnehmern der Runde zählten der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Fünfter von links), die Bürgermeister Gerhard Müller aus Seewald (Dritter von links) und Gerhard Feeß aus Altensteig (Dritter von rechts). Gastgeber Dr. Klaus Lampert (Vierter von links) hat durch seine Arbeit als Arzt in Horb und Altensteig die Liebe zur Region entdeckt.

Altensteig / Horb / Seewald / Calw / Freudenstadt . Wenn Landärzte im Nordschwarzwald momentan von Bauchschmerzen reden, dann meinen sie damit meistens weniger den Zustand ihrer Patienten, als vielmehr ein Problem, das ihnen selber auf den Nägeln brennt und Ärztemangel heisst. So trafen sich Landärzte, Kommunalpolitiker und Vertreter von Krankenkassen aus der Region mit dem Parlamentarischen Staatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel zu einer ersten Gesprächsrunde. Ihr Fazit: Der Dialog muss unbedingt weitergeführt werden. 

Das Praxisgespräch bei Dr. Klaus Lampert war auch für die Bürgermeister Gerhard Feeß (Altensteig) und Gerhard Müller (Seewald) ein lehrreiches Kapitel. Die vielen guten Ideen müssten zusammengefügt und weiterverfolgt werden, waren sich die Rathauschefs, die sich sehr rege in die Diskussion einbrachten, einig. "In dieser Situation bedarf es auch unkonventioneller Ideen", wie Feeß anmerkte. Bürgermeister Müller erinnerte daran, dass verwaiste Landarztpraxen häufig Folgeprobleme auslösten, wenn zum Beispiel kein Mediziner in der Nähe praktiziere, der das Seniorenheim mit betreuen könne.

Über das Thema Ärztemangel wollten auch die Mitglieder des CDU-Stadtverbandes Altensteig unter Führung ihrer Vorsitzenden Ute Hauser mehr wissen. Für das „Praxisgespräch“ traf man sich deshalb tatsächlich in der Praxis eines Arztes, um von ihm und seinen Kollegen zu hören, was seine Gründe für einen Praxiseinstieg im ländlichen Raum sind.

Bei Klaus Lampert, der aus Bühl stammt und einige Zeit am Horber Krankenhaus sowie in der Altensteiger Fachklinik de'ignis gearbeitet hat, sorgten die gute Vernetzung in den Nordschwarzwald und die entfachte Liebe zu dieser Region dafür, dass er eine Allgemeinpraxis in Altensteig übernommen hat. Landarzt zu sein sei zwar eine große Herausforderung, die ihm aber dennoch viel Freude bereite.

Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel macht sich erhebliche Sorgen um die Ärzteversorgung im ländlichen Raum, gerade auch mit Blick auf die älteren Bürger, die nicht so mobil seien. Denn "wer den ländlichen Raum lebendig halten will, muss den elementaren Grundbedürfnissen der Menschen Rechnung tragen", sagte der Politiker. Oft reiche es schon aus, im Netzwerk den Blickwinkel junger Ärzte für diese Region zu öffnen. Es wäre zum Beispiel nicht verkehrt, mit Medizinstudenten aus dem Ort in Kontakt zu bleiben, ihnen anschließend eventuell die Existenzgründung am Heimatort auch mit kommunaler Hilfe zu erleichtern. „So was wird viel zu selten versucht“.

"Bei uns ist es Fünf vor Zwölf", mahnte Dr. Peter Krumrey zur Eile, "wenn wir nicht handeln, kommt es zum Supergau." Auf jeden Fall müsse der Auswanderung ins Ausland entgegengewirkt, in den Universitäten mehr Nähe zum ländlichen Raum durch Praktika vermittelt und der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Zahl der weiblichen Medizinstudenten überwiege. Den jungen Ärztinnen müsse eine familienfreundliche Perspektive gegeben werden. Auch werde die Allgemeinmedizin oft zu stiefmütterlich an den Universitäten behandelt.

Seewalds Bürgermeister Gerhard Müller regte an, potenziellen Nachfolgern seitens der öffentlichen Hand mehr Unterstützung anzubieten, damit die finanzielle Verantwortung abgefedert wird. Oft täten sich Ärzte frisch vom Studium weg schwer damit, Arbeitgeber zu sein. Auch hier brauche es Hilfestellung.

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