20.02.2014

Schwarzwald amerikanischer Prägung

Sina Beichel lebt nach Ausbildung in Freudenstadt in den USA / Fuchtel sucht junge Berufstätige für Patenschafts-Programm aus

Schwarzwald amerikanischer Prägung Sina Maria Beichel mit ihrem Paten aus dem Deutschen Bundestag, dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Egenhausen / Freudenstadt. Fast wie im Schwarzwald fühlt sich Sina Maria Beichel in Bluefield. Die Kleinstadt in West Virginia ist für die 23-jährige aus Egenhausen, die sich zuletzt in Freudenstadt zur Industriekauffrau ausbilden ließ, zur zweiten Heimat geworden. Ein Jahr lang lebt Sina Maria Beichel nun in der Region, die allerdings von Laubbäumen statt Tannen geprägt ist. Die junge Berufstätige nimmt am Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestages teil. 

Ihr Pate ist Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, der sie für den Austausch vorgeschlagen hat. „Es ist gut, dass junge Berufstätige den Mut und die Chance haben, neue Erfahrungen jenseits des großen Teichs zu sammeln“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. „Ihre Aufgabe als Juniorbotschafter unseres Landes nehmen sie erfahrungsgemäß sehr ernst.“

Sina Maria Beichel besuchte nach der Grundschulzeit in ihrer Heimatgemeinde die Realschule in Pfalzgrafenweiler, legte dann ihr Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Freudenstadt ab, um sich anschließend zur Industriekauffrau bei der Firma Schupp ausbilden zu lassen. Bei der Auswahl für das Programm habe sie sich als allerbeste Teilnehmerin profiliert.

„Mir hat das Programm sehr zugesagt“, schildert die junge Frau die Beweggründe, warum sie sich auf den Austausch beworben hat. „Ich finde es toll, dass es dieses Angebot für junge Berufstätige gibt“, sagt die 23-jährige, die bei ihrem USA-Aufenthalt ihre Sprachkenntnisse vertiefen und viele Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln möchte. Denn Sina Maria Beichel arbeitet gerne im Export. Weltoffenheit ist aus ihrer Sicht eine wichtige Grundlage für diesen Berufsweg.

Sehr beeindruckend war für sie der Start ihres USA-Aufenthaltes in New York, wo sie gemeinsam mit anderen Teilnehmern des Patenschafts-Programms unter anderem auch Ground 0 besuchte, also jenen Ort, wo am 11. September 2001 das World Trade Center durch Attentäter zerstört wurde. Atemberaubend ist die Sicht aus der Wohnung ihres Gastgebers, eines chinesischen Arztes, der gleich vier Teilnehmer des Patenschafts-Programms vorübergehend bei sich aufnimmt. Nach fünf erlebnisreichen Tagen in der Metropole ist Sina Maria Beichel schließlich mit dem „Wackel-Bummelzug“ nach Bluefield weitergereist.

Hier hat sie es offensichtlich besonders gut getroffen, denn ihre Gastgeberin hat ihr ein gemütliches Zimmer eingerichtet und bei Partys knüpft sie schon die ersten Kontakte. Sie trifft Austauschstudenten aus aller Welt, sogar aus Indien, Nigeria, Brasilien und Neuseeland. Sie feiert Oktoberfest auf Amerikanisch! Dabei gibt es zwar kaum Lederhosen und Dirndl, aber das Bier fließt dafür in Strömen. Sina Maria Beichel lernt Baseball live kennen und ist verblüfft, dass Verbrecher mit Bild und vollem Namen über das Fernsehen gesucht werden. „Das“, sagt sie, „würde bei uns dank Datenschutz nie gehen!“

Zum Austauschprogramm gehört auch gemeinnützige Arbeit. Die findet die junge Industriekauffrau bei der Handelskammer, wo sie Einladungen für die große Kohle-Messe vorbereitet, und bei einem Künstler. Mittlerweile hat Sina Beichel beim Bluefield Police Department einen spannenden Arbeitsplatz gefunden. Sie hilft beispielsweise bei der Ablage, sortiert eingehende Tickets für zu schnelles Fahren, Telefonieren mit dem Handy am Steuer und einiges mehr. Einmal ist sie sogar schon mit einem Officer mitgefahren und war dabei, als ein Mann von der Polizei verhaftet wurde. 

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