25.02.2014

Europa an den Wurzeln zusammenbinden

Den Mittelstand ins Boot holen / Staatssekretär Fuchtel wirbt bei Entwicklungshilfe für Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik

Europa an den Wurzeln zusammenbinden Gedankenaustausch beim Lions Club Horb/Sulz (von links): Sekretär Werner Kläger, Vizepräsident und Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Präsident Robert Müller.

Empfingen / Horb / Sulz. Wenn Hans-Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), über seine Arbeit auf internationalem Parkett spricht, dann holt er den Mittelstand gerne ins Boot. So warb Hans-Joachim Fuchtel, zugleich Beauftragter für die Deutsch-Griechische Versammlung, auch beim Lions Club Horb/Sulz anlässlich dessen Veranstaltung in Empfingen für den Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik. 

Fuchtel erinnerte daran, dass weltweit über eine Milliarden Menschen von akuter Hungersnot betroffen seien. Sie müssten stärkere Solidarität erhalten. Die Welt brauche den Mittelstand, seine Ideen und sein Wissen, sagte Fuchtel, wie umgekehrt die mittelständischen Unternehmen die internationalen Kontakte bräuchten, um sich auf den Weltmärkten zu positionieren. So ein Clubabend im östlichsten Zipfel seines Wahlkreises, schmunzelte Präsident Robert Müller, sei für den Abgeordneten fast schon ein Heimspiel, denn Hans-Joachim Fuchtel habe ja im wenige Kilometer entfernten Sulz das Licht der Welt erblickt. Das war auch schon der einzige Ausflug in die regionalen Besonderheiten an diesem Abend.

„Wir tun alle gut daran, mehr zur Kenntnis zu nehmen, was auf dieser Welt passiert“, machte Fuchtel deutlich, wie ernst es der Leitung des BMZ mit ihrem Auftrag ist, gemeinsam den Wohlstand auf der Welt zu verbessern. Die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern müssten von ihrer Arbeit leben können. „Afrika soll ein Chancen-Kontinent werden“, so der Staatssekretär, „denn das sind unsere Nachbarn. Dafür brauchen wir dringend auch den Zusammenhalt in Europa.“

Das Engagement deutscher Unternehmen in Afrika habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen, betonte Fuchtel, „was uns allerdings fehlt ist ein starker Informationsaustausch.“ Hier setzt der Politiker auf runde Tische, um gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen zu finden. Dazu gehöre auch der Klimaschutz.

Gleiches gelte für die europäische Wirtschaftspolitik. „Die Mittelständler sind die kreativsten Köpfe in unserem Land und sie wissen, wie man Verantwortung trägt“, betonte der Gastredner. Die duale Ausbildung nach deutschem Muster erweise sich als nutzbringendes Instrument gegen anfällige Wirtschaftsstrukturen.

In Irland sei im Blick auf Europa die Wiedererstarkung der Wirtschaft gelungen, sagte Fuchtel, Spanien und Portugal seien auf einem guten Weg. Auch Griechenlands Präsident Samaras könne zwischenzeitlich einen Überschuss im Vergleich zwischen Einnahmen und Ausgaben vermelden, doch drückten die Zinsen nach wie vor gewaltig.

Mit den Know-how-Partnerschaften auf Augenhöhe sei Griechenland auf kommunaler Ebene erfolgreich in die Erneuerung gestartet. Schon über 100 Bürgermeister und Landräte hätten sich 2013 an der Hilfe zur Selbsthilfe beteiligt. „Dazu öffnen wir unsere riesigen Erfahrungsschatzkisten“, sagte Fuchtel. Doch „das Umdenken muss in den Köpfen anfangen“, verwies der Griechenland-Beauftragte darauf, wie viel Überzeugungsarbeit dafür in der Startphase geleistet werden musste. Mittlerweile seien die ersten dualen Berufsschulen gestartet, die der griechischen Jugend bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bringen.

Fuchtel: „Europa muss an den Wurzeln wieder zusammengebunden werden.“ Das gelinge auf kommunaler Ebene am besten. Wenn Delegationen aus dem Nordschwarzwald in ihre Partnerregion Kreta reisten, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, dann sei das direkte Hilfe, die ankomme. 

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