18.03.2014

Nagold Stadt der Flechtkultur?

Das Konzept von Bundesinnungsmeister Katz / Festival-Ideen / Fairer Handel und touristische Impulse / Fuchtel gibt Anregungen

Nagold Stadt der Flechtkultur? Wieviel Handarbeit in der Produktion von Korbmöbeln steckt, demonstrierte Christian Katz bei der Flechtmanufaktur Katz auf dem Nagolder Wolfsberg (von links stehend): Kurt Reich, Thomas Baitinger, Geschäftsführer Siegfried Katz, Parlamentarischer Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Karmen Katz.

Nagold. Wer Fairen Handel zu seiner Verkaufsphilosophie macht, hilft nach Überzeugung des Nagolder Unternehmers Siegfried Katz nicht nur Kleinbauern in Entwicklungsländern, sondern erhält für seine Kunden auch die bessere Produktqualität. Fair handelnde Firmen hätten allerdings eine wesentlich geringere Gewinnspanne, verdeutlichte der Geschäftsführer der Flechtmanufaktur Katz dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Er nehme dieses Manko im Interesse seiner Lieferanten jedoch gerne in Kauf. 

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) besuchte den Bundesinnungsmeister des Deutschen Flechthandwerks auf dem Nagolder Wolfsberg, um sich bei ihm über Erfahrungen mit dem Fairen Welthandel zu informieren. Außerdem besprachen Fuchtel und Katz weitere Details für das geplante internationale Festival der Flechtkultur in Nagold. Die Veranstaltung soll der Stadt im Fahrwasser der Landesgartenschau weitere wirtschaftliche wie touristische Impulse verleihen. Unter dem Titel „Der Korb ist das Boot ist das Haus“ ist angedacht, dass sich Flechthandwerker aus aller Welt in der Großen Kreisstadt treffen. Das Projekt soll mit öffentlichen Workshops einhergehen, die die alte Handwerkstradition zum Erlebnis für Jung und Alt machen.

Die Idee war auf der Landesgartenschau vom Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel eingefädelt worden. Er konnte Hochschul-Professor George Teodorescu, der vor gut zwei Jahren einen Standort für sein Projekt suchte, von Nagolds Qualitäten auf ganzer Linie überzeugen. Die Organisatoren des Festivals mit Bundesinnungsmeister Siegfried Katz an der Spitze sind mittlerweile sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Denn sie haben bei der UNESCO mit Unterstützung durch Teodorescu einen Antrag auf Anerkennung dieses ältesten Handwerks der Menschheit als Welterbe gestellt. Sollte der gehört werden – und dafür stehen die Chancen gar nicht schlecht – könnte das weitere Impulse auslösen.

Die Landesgartenschau habe neue Märkte für Nagold erschlossen, sind sich Fuchtel und Katz einig, die unbedingt intensiver genutzt werden müssten. Das Festival der Flechtkultur eigne sich als Zusatzmagnet, der vor allem mehr Tagestouristen anziehen würde.

Für den Bundesinnungsmeister wäre das Festival auch eine gute Gelegenheit, den Gedanken des Fairen Handels stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Deshalb bat er Fuchtel als Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), um Unterstützung. Denn es müsse noch viel intensiver daran gearbeitet werden, dass der Faire Handel beim Verbraucher eine höhere Wertschätzung erfahre. Damit wäre allen geholfen, vor allem aber den Lieferanten, die dadurch noch mehr fairen Lohn für ihre Arbeit bekämen. Darüber hinaus müsse deutlich gemacht werden, warum die Unternehmen, die sich dem fairen Handel verschrieben haben, Mehrkosten von bis zu 30 Prozent zu tragen haben.  

Fuchtel warb für eine stärkere Einbindung des Flechthandwerks mit seiner langen Tradition in die Tourismusaktivitäten des Nordschwarzwaldes. Ansatzpunkt wäre die Förderung von Kreativität. „Das könnte das Entrée für neue Geschäftsfelder sein“, ist Fuchtel überzeugt. Er regte unter anderem an, Kooperationen mit Campingplätzen, Beherbergungsbetrieben oder Eltern-Kind-Einrichtungen einzugehen, um auf die Bedeutung des Flechthandwerks in der Region aufmerksam zu machen.

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