17.04.2014

Willkommenskultur will gepflegt sein

Der indische Pater Reji John hat schon gute Freunde gefunden / Begegnung mit Staatssekretär Fuchtel im Gundert-Jahr

Willkommenskultur will gepflegt seinReji John aus Indien, Vikar in Hirsau, wurde vom Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel zu einem regen Gedankenaustausch eingeladen.

Calw-Hirsau. Wenn man über eine Willkommenskultur für Menschen mit Migrationshintergrund spricht, sollte es nach Ansicht des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleiben. Nachdem der CDU-Bundestagsabgeordnete durch den Schwarzwälder Boten von dem indischen Pater Reji John in Hirsau erfahren hatte, lud er ihn bewusst in seine Sprechstunde ein.

Daraus wurde für beide Seiten eine sehr fruchtbare Gesprächsrunde, denn der katholische Vikar stammt nicht nur gebürtig aus dem südwestindischen Bundesstaat Kerala, wo Hermann Gundert im vorletzten Jahrhundert Missionar war. Zu der Zeit, als der Großvater des Schriftstellers Hermann Hesse in Indien wirkte, wurde auch jener katholische Orden gegründet, in dem Reji John als Missionar wirkt. Er ist der Diözese Rottenburg/Stuttgart unterstellt.

Und da Indien zu jenen Schwellenländern gehört, die auf der Agenda des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ganz oben stehen, hatte Fuchtel natürlich noch einen weiteren, wichtigen Grund, die Begegnung mit dem Seelsorger aus dem fernen Osten zu suchen. „Ich möchte bewusst Kontakte zu humanitären Organisationen und auch zu jenen Menschen aufbauen, die aus Indien und anderen asiatischen Ländern stammen oder sich dort engagieren“, sagte der Parlamentarier. Daraus soll ein runder Tisch im Nordschwarzwald entstehen, um sich regelmäßig über Erfahrungen, wirtschaftliche Beziehungen und mögliche Hilfsprojekte auszutauschen. „Ich bin froh über jeden, der in dieser Runde mitwirkt“, sagte Fuchtel, deshalb freue er sich, wenn sich Pater John in diesen Kreis einbringe. „Leute mit guten Ideen sind da immer willkommen.“

Der katholische Priester wirkt seit drei Jahren als Seelsorger in Deutschland, wo er momentan auch seine Promotionsarbeit schreibt. Der 38-jährige wird insgesamt fünf Jahre in der Bundesrepublik bleiben. Sein Schwerpunktthema ist die Familienarbeit. Pater John engagiert sich in der Jugendarbeit und spielt aktiv in Calw Basketball. Dadurch hat er in wenigen Monaten schon gute Freunde gefunden, erzählt er. Er spüre ein großartiges Miteinander, sagte John, was bereits für eine ausgeprägte Willkommenskultur im Nordschwarzwald spreche.

Vor allem aber freute sich der Geistliche, dass der Politiker Hans-Joachim Fuchtel seine Arbeit würdigt. „Das ist auch ein Stück Willkommenskultur“, sagte Reji John, was entscheidende Impulse in der Gesellschaft setze. „Für mich ist Ihre Einladung zu diesem Gedankenaustausch eine Ehre“, sagte der Vikar. 

Schließlich legte ihm der Abgeordnete noch ans Herz, das Hermann-Gundert-Jahr 2014 zu begleiten. Anlässlich seines 200. Geburtstags findet in Calw ein buntes Programm zu Ehren des Gelehrten frei nach dem Motto „Calw trifft Indien“ statt. Immerhin sei Gundert einer der bedeutendsten Kulturschaffenden gewesen, die je in Calw gelebt haben. Er stand als Missionar und Sprachwissenschaftler für einen intensiven Kulturtransfer zwischen den beiden Ländern. Noch heute kennt man den Missionar, Wissenschaftler und Verlagsleiter im südwestindischen Bundesstaat Kerala mehr als in seinem Heimatland, bestätigte ihm Pater Reji John, habe er doch einen wichtigen Beitrag zur Bildungsarbeit in Indien geleistet.

Eigens zum Hermann-Gundert-Jahr möchte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel den indischen Botschafter zu einem Besuch in Calw animieren, um das Werk des bedeutenden Missionars, aber auch die schriftstellerischen Leistungen seines Enkels Hermann Hesse zu würdigen.[Druckversion]