16.05.2014

Junge Griechin nutzt ihre Chance

Sofia Nakou ist mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden / Initiative von Staatssekretär Fuchtel und Bankvorstand Stahl trägt Früchte

Junge Griechin nutzt ihre Chance Die europäische Ausbildungsinitiative trägt bei der Volksbank Nagoldtal Früchte (von links): Vorstandssprecher Jörg Stahl, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, die griechische Auszubildende Sofia Nakou, Personalreferentin Sandra Holzapfel und Vorstandsmitglied Ralf Haller.

Nagold. Wenn Sofia Nakou nochmal die Wahl hätte, gäbe es für sie kein Zögern: "Ich treffe hier so nette Kunden und hilfsbereite Kollegen, dass ich immer wieder die Chance nutzen würde, mich bei der Volksbank Nagoldtal ausbilden zu lassen." Darum ist die junge Griechin, die in Vollmaringen wohnt, dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel sowie Vorstandssprecher Jörg Stahl und seinem Team besonders dankbar. 

Die beiden Initiatoren der Ausbildungsinitiative über Ländergrenzen hinweg machten möglich, wovon sie vor einem Jahr nicht mal zu träumen gewagt hatte: "Ich wollte schon immer bei einer Bank im Ausland arbeiten", sagt die 27-jährige, die seit Herbst eine zweieinhalbjährige Ausbildung zur Bankkauffrau in Nagold absolviert. Die Erfahrungen, die sie in den ersten Monaten sammeln konnte, haben sie beeindruckt: "Ich bin angenehm überrascht, wie positiv ich hier aufgenommen worden bin." Außerdem ist sie froh darüber, dass sie eine duale Berufsausbildung nach deutschem Muster durchlaufen darf, auch wenn sie das Meer und die Familie vermisst.

Die "tolle Idee des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel“, eine Handwerkerbrücke zwischen dem Süden und der Mitte Europas zu schlagen, um jungen Menschen eine Ausbildungschance zu geben, die sie in ihrer Heimat nicht haben, hat Jörg Stahl von Anfang an überzeugt. Doch der Bankvorstand wollte die Initiative nicht allein auf das Handwerk begrenzt sehen, sondern brachte seine Bank als erste in der Region ins Gespräch. Sehr positive Erfahrungen hatte die Volksbank zwei Jahre zuvor mit der griechischen Praktikantin Selena Markou gesammelt, um schließlich im Herbst letzten Jahres mit Hilfe der Kapodistrian-Universität von Athen Nägel mit Köpfen zu machen und eine zusätzliche Ausbildungsstelle für europäische Bewerber zu schaffen.

Nach einem telefonischen Bewerbungsgespräch über 3000 Kilometer Luftlinie entschied man sich für Sofia Nakou, die bereits Deutschkenntnisse als Voraussetzung für die Ausbildung besaß. Außerdem bringt die junge Griechin ein abgeschlossenes Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Volks- und Bankwirtschaftslehre ein.

In Fuchtels Augen beste Voraussetzungen, um nach der Ausbildung in Deutschland später in die Heimat zurückzukehren, um dort wertvolle Aufbauarbeit für die Wirtschaft zu leisten. Denn mit der europäischen Ausbildungsinitiative wolle man auf gar keinen Fall den südeuropäischen Ländern die besten Köpfe streitig machen, was anfangs auf griechischer Seite durchaus befürchtet worden war. Im Gegenteil: "Für beide Seiten ist das ein Win-win-Geschäft", sagt der Staatssekretär, „hier setzt eine europäisch denkende Bank ein Zeichen, um zu demonstrieren, was möglich ist, wenn Europa zusammenwachsen soll."

Ganz nebenbei leiste sie hierzulande einen Beitrag zur Rettung der Berufsschulen im ländlichen Raum. "Wir zeigen also als Pioniere, welche Szenarien in einem vereinten Europa in naher Zukunft Realität sind." Diesen Sommer kämen 12 junge Bulgaren in den Kreis Freudenstadt, um eine Ausbildung in anderen Branchen zu absolvieren. Derartige Projekte würden von der Bundesregierung ganz bewusst unterstützt.

Für Jörg Stahl ist die Initiative ein stückweit auch "Hilfe zur Selbsthilfe", die sich eng an die Genossenschaftsidee von Friedrich Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch anlehne. Damit wolle man natürlich auch anderen Unternehmen in der Region Mut machen, diesen Weg mitzugehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbank Nagoldtal haben die Zeichen der Zeit freilich längst erkannt, wie Vorstandsmitglied Ralf Haller nicht ohne Stolz feststellt: "Für uns alle ist das eine super Erfahrung, zumal ein Teil unseres Teams ohnehin schon einen Migrationshintergrund hat.“

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