11.09.2014

Frauen an der Werkbank gern gesehen

Werkzeugmacherinnen noch zu selten / Fuchtel besucht VLM in Wildberg

Frauen an der Werkbank gern gesehenPräzision aus Wildberg: VLM-Geschäftsführer Frank Müller (rechts) im Gespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel über die unternehmerischen Herausforderungen der Zukunft.

Wildberg. Frauen am Arbeitsplatz sind für Frank Müller nicht erst ein Thema, seitdem über den demografischen Wandel in der deutschen Industrielandschaft diskutiert wird. „Wir haben schon länger eine gelernte Werkzeugmacherin in unserem Team“, sagt der Geschäftsführer der Vorrichtungs- und Lehrenbau Müller GmbH (VLM) in Wildberg, “und das ist eine Top-Mitarbeiterin. Gerne hätten wir mehr davon.“ 

Ehefrau Margarete Müller pflichtet ihm gerne bei. „Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Frauen bei uns bewerben“, sagte sie anlässlich des Besuchs des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel in dem Familienunternehmen, um über die unternehmerischen Herausforderungen der Zukunft – speziell für den kleineren Mittelstand – zu sprechen. Zwar hat VLM seit Firmengründung vor 54 Jahren weit über 100 junge Menschen ausgebildet, doch rücke immer weniger Nachwuchs nach.

Dabei ist es gerade der Mix aus erfahrenen und jüngeren Beschäftigten, der das Wildberger Team so erfolgreich macht, betont Frank Müller. Ein Fünftel der Belegschaft sind Auszubildende, die an Produktionseinheiten aus deutschem Maschinenbau lernen und arbeiten. Weil durch die hohe Ausbildungsquote schon früh eine Spezialisierung jedes Einzelnen einsetzen kann, erreiche man eine hervorragende fachliche Qualität im Unternehmen.

Die bestens ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien vor diesem Hintergrund natürlich das wertvollste Kapital des Familienunternehmens, weshalb man versuche, sie möglichst lange im Betrieb zu halten. Auffallend hoch sei die Zahl derjenigen, die auf eine langjährige Betriebszugehörigkeit zurückblicken.

Doch leider würden viele Eltern nicht erkennen, dass das Handwerk nach wie vor hervorragende Zukunftsperspektiven für junge Leute biete. VLM habe eine sehr gute Auftragslage und biete allein deshalb schon sichere Arbeitsplätze, was heutzutage nicht immer selbstverständlich sei. Das 25-köpfige Team beliefert die Industrie, darunter auch Konzerne, mit Vorrichtungen, Lehren und Präzisionsdrehteilen.

Genau hier, sagt Hans-Joachim Fuchtel, setzt die größte Herausforderung der Zukunft an, ein Unternehmer zu sein. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung werde künftig nicht nur deutlich mehr Vielfalt in den Betrieben gefragt sein, sondern auch eine Diskussion um flexiblere Einsatzmöglichkeiten. Der Fitness jedes einzelnen Mitarbeiters komme zudem eine besondere Bedeutung zu. Frank und Margarethe Müller hätten freilich längst erkannt, dass vor allem Frauen am Arbeitsplatz eine herausragende Position in naher Zukunft einnähmen. Außerdem seien die Inklusion Behinderter und die Integration von Zuwanderern wichtige Bausteine der künftigen Beschäftigungspolitik.

Handwerksbetrieben wie VLM empfahl Fuchtel die Beteiligung an Förderprogrammen für junge Auszubildende auf EU-Ebene. Damit werde nicht nur den Betrieben in Deutschland geholfen, sondern auch den Berufsschulen im Nordschwarzwald und den arbeitslosen Jugendlichen in Süd- und Osteuropa. Letzteren stehe später sogar die Möglichkeit offen, sich ihrerseits in ihrem Heimatland selbstständig zu machen, basierend auf einer guten dualen Ausbildung „made in Germany“.

[Druckversion]