04.10.2014

Demokratie keine Selbstverständlichkeit

Sabine Bergmann-Pohl feiert mit Menschen im Nordschwarzwald gegen das Vergessen / Feier zur deutschen Einheit in Neubulach

Demokratie keine SelbstverständlichkeitFeier zur deutschen Einheit in Neubulach unter anderem mit (von links) dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Bürgermeister Walter Beuerle, Präsidentin Dr. Sabine Bergmann-Pohl und CDU-Ortsverbandsvorsitzender Bernhard Großmann vor einem Originalstück der Berliner Mauer.

Neubulach / Nordschwarzwald. Demokratie ist für Dr. Sabine Bergmann-Pohl keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb ist es in ihren Augen bedauerlich, dass die Folgen des geteilten Deutschlands 25 Jahre nach dem Mauerfall so schnell in Vergessenheit zu geraten drohen. Die CDU-Politikerin ist das letzte und einzig auf demokratischer Basis amtierende Staatsoberhaupt der DDR. Bergmann-Pohl sprach in Neubulach (Nordschwarzwald) bei der gut besuchten Feier zur Deutschen Einheit auf Einladung des CDU-Kreisverbandes. 

Kurz nach der Wiedervereinigung habe sie in Freudenstadt mit Freunden Silvester gefeiert, erinnerte sich die Politikerin. Das wäre ohne die mutigen Schritte der Menschen in der DDR nie möglich gewesen. Wenn heute jemand die Politik von damals kritisiere, müsse er auch eine Antwort auf die Frage geben, wie man es hätte besser machen können. Denn die Politiker in Ost und West seien unter Zeitdruck gestanden, weil sie keinen Raum für finanzielle Forderungen einzelner Staaten nach einem möglichen Zerfall der Sowjetunion lassen wollten. Auch im Westen hätten viele nicht an das Gelingen der Wiedervereinigung geglaubt, sagte die Politikerin, sie seien aber eines besseren belehrt worden. Für die Ostdeutschen aber sei mit der Öffnung der Mauer ein Wunschtraum Realität geworden.

Rasant habe man sich im Osten an die positiven Auswirkungen der Wiedervereinigung gewöhnt, ging die letzte Volkskammer-Präsidentin auch mit eigenen Landsleuten ins Gericht. An Frieden, Freiheit und Wohlstand gewöhne man sich eben schnell. Besonders besorgniserregend ist für Sabine Bergmann-Pohl jedoch, dass die Jugend in Ost und West zu wenig über das geteilte Deutschland und die friedliche Revolution von 1989 weiß. Die Auseinandersetzungen in der Ukraine ließen die Zeit des kalten Krieges wieder aufleben.

„Die Deutsche Einheit ist es uns Christdemokraten wert, jedes Jahr daran zu erinnern“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, auf dessen Initiative die Feier für den Nordschwarzwald zurückgeht. Die Anwesenheit von Dr. Rainer Prewo, SPD-Fraktionsvorsitzender im Calwer Kreistag, demonstriere, wie wichtig den beiden großen Volksparteien bei allen politischen Unterschieden die Einheit Deutschlands heute ist. Die Wiedervereinigung sei zum richtigen Zeitpunkt vollzogen worden und eine fundamentale Leistung von Altkanzler Helmut Kohl, betonte Fuchtel. Eine zeitliche Verschiebung wäre der Bundesrepublik sehr teuer zu stehen gekommen. Auch vor der Leistung der damaligen Volkskammer-Präsidenten habe er großen Respekt.

CDU-Ortsverbandsvorsitzender Bernhard Grossmann dankte dem Bundestagsabgeordneten, dass er mit der prominenten CDU-Politikerin eine entscheidende Mitgestalterin der deutschen Einheit eingeladen habe. „Wir müssen auch ihr dankbar dafür sein, dass wir wieder vereint in Freiheit leben können“, sagte Grossmann.

An „glückliche Momente der deutschen Geschichte“, erinnerte Bürgermeister Walter Beuerle. Den Gestaltern der deutschen Einheit sei gelungen, eine stabile Demokratie in Europa aufzubauen und Deutschland mehr politisches Gewicht zu verleihen.

Der evangelische Pfarrer Hans Georg Schmid ging auf die derzeitigen Flüchtlingsströme in der Welt ein und schloss die Veranstaltung mit einem Gebet, an dem sich alle Anwesenden beteiligten.

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