10.10.2014

Kontakt mit Costa Rica vertiefen

Botschafter und IHK-Hauptgeschäftsführer vereinbaren praxisnahen Austausch / Hans-Joachim Fuchtel als Initiator

Kontakt mit Costa Rica vertiefen Wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Nordschwarzwald und Costa Rica vertiefen (von links): der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Costa Ricas Botschafter in Deutschland, José Joaquín Chaverri Sievert, und IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler.

Calw / Freudenstadt / Pforzheim. Die Wirtschaft des Nordschwarzwalds soll am aufstrebenden Markt in Mittelamerika partizipieren. Sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Tourismus sehen Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), und José Joaquín Chaverri Sievert, Costa Ricas Botschafter in Deutschland, unmittelbare Berührungspunkte. Die Gesprächspartner hatten sich auf Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel in Calw getroffen. 

Eine ganze Reihe Firmen aus der Region, die in unterschiedlichen Branchen zuhause sind, habe bereits mehr oder weniger rege Handelsbeziehungen zu Costa Rica, betonte Keppler. Der „Mittelstand braucht solche Standorte in Mittelamerika“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer, denn sie seien wichtig für den Export nach China und in die USA. Gleichwohl hörte er gerne aus berufenem Munde, dass der Mittelstand in Costa Rica hoch angesehen sei.

Die Frage nach dem möglichen Aufbau von Produktionsstandorten bejahte José Joaquín Chaverri Sievert ausdrücklich. Costa Ricas Botschafter verwies allerdings darauf, dass der mittelamerikanische Staat nicht an der Herstellung von Billigprodukten interessiert sei, sondern neben dem traditionellen Handel mit Kaffee, Bananen oder Zucker vor allem auf Hightech setze.

Für den Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel ist Costa Rica vor allem deshalb ein guter Standort für deutsche Firmen, weil die Politik der Regierung auf eine dauerhafte Sicherung des Friedens in der mittelamerikanischen Region ausgerichtet sei und sich das Land ernsthaft um eine deutliche Verbesserung des Bildungsangebotes für ihre arme Landbevölkerung bemühe.

„Wir wissen, dass Costa Rica einen dynamischen Aufschwung nimmt“, stellte Martin Keppler fest, weshalb man auch auf deutscher Seite sehr an einem direkten Austausch interessiert sei. Der IHK-Hauptgeschäftsführer stellte in Aussicht, bald schon dem Erstkontakt Taten folgen zu lassen. So soll möglichst zeitnah eine Unternehmerreise von Deutschland aus in den mittelamerikanischen Staat organisiert werden. Im Gegenzug seien Regierungs- und Wirtschaftsvertreter aus Costa Rica im Nordschwarzwald herzlich willkommen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch die Berufsschulen der Region sollen in diese Zusammenarbeit auf höchster Ebene eingebunden werden. Denn das Land zwischen Nicaragua und Panama ist stark am dualen, deutschen Ausbildungssystem interessiert.

Die Idee, hochrangige Entscheidungsträger zu Besuchen in die unternehmerische Praxis hierzulande zu entsenden, um ihnen nicht nur einen Überblick über die hiesigen Angebote zu geben, sondern auch am praktischen, täglichen Ablauf teilhaben zu lassen, werde mehr Erfolg bringen, als die üblichen Kurzbesuche, ist sich Hans-Joachim Fuchtel sicher.

Angedacht ist weiterhin ein Austausch auf touristischer Fachebene. „Wir brauchen eine noch bessere Qualifikation in dieser Branche“, betonte José Joaquín Chaverri Sievert. Da die IHK Nordschwarzwald federführende Kammer für den Tourismus in Baden-Württemberg ist und bereits über ihre Tourismus-Akademie diverse Fortbildungsveranstaltungen vor allem in arabischen Ländern organisiert hat, wäre sie für Costa Rica auch auf diesem Gebiet ein idealer Partner.

Auf der anderen Seite, stellte sich bei dem intensiven Arbeitsgespräch auch heraus, kann der Nordschwarzwald durchaus von den Costa Ricanern lernen. Denn der kleine Staat hat sich mit seinen 4,3 Millionen Einwohnern der Nachhaltigkeit im Tourismus verschrieben.

[Druckversion]