04.11.2014

Fuchtel bei der jungen Generation

Staatssekretär diskutiert mit Gymnasiasten über den Mauerfall / Erinnerungen an eigene Schulzeit in Horb

Fuchtel bei der jungen Generation Ein Mitglied der Bundesregierung als Lehrer am Martin-Gerbert-Gymnasium in Horb: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bei der Diskussion mit Zehntklässlern über den Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung.

Horb. Für die Zehntklässler am Horber Martin-Gerbert-Gymnasium war das eine besondere Unterrichtsstunde. Wann steht schon ein Mitglied der Bundesregierung vor Schülern, um mit ihnen über den Mauerfall vor 25 Jahren und die deutsche Wiedervereinigung zu diskutieren? Zu der Zeit war der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel nämlich bereits Bundestagsabgeordneter für den Nordschwarzwald „und ihr noch gar nicht auf der Welt.“

Damals wurden die Regierungsgeschicke der Bundesrepublik von Bonn aus gelenkt. Und Hans-Joachim Fuchtel erinnerte sich noch genau, dass die jungen Parlamentarier eines Tages von Helmut Kohl in den Kanzlerbungalow gerufen wurden, wo ihnen der Regierungschef ans Herz legte, die deutsche Einheit aktiv mitzugestalten. „Wir aber dachten damals, die Teilung Deutschlands wird noch lange so bleiben“, blickte der Politiker zurück. Doch dann kam alles viel schneller als erwartet. „Das war für mich eine sehr emotionale Zeit.“

Es sei wichtig, dass dieser Teil der deutschen Vergangenheit nie in Vergessenheit gerät. Zu schnell gewöhne man sich an die Errungenschaften der Demokratie, an freie Wahlen und Reisefreiheit. Das war für DDR-Bürger damals unvorstellbar. Im Gegenteil: An der Mauer, die den Osten vom Westen Deutschlands trennte, galt der Schießbefehl. Viele Menschen mussten ihr Leben lassen.

Was für die jungen Gymnasiasten schwer vorstellbar war: Sogar Freunde hatten sich in der DDR denunziert, machte der Abgeordnete seinen Zuhörern klar. Selbst Schüler seien der Willkür der Staatssicherheit ausgesetzt gewesen, wenn sie nicht auf Parteilinie lagen. Von oben wurde diktiert, welchen Beruf man zu erlernen hatte, hörten die 15- und 16-jährigen mit Erstaunen, und mit Panzern wurde der Wille nach Freiheit niedergeschlagen.

Neben der Freiheit sei nach Beendigung des Kalten Krieges der Friede in Europa eine wichtige Errungenschaft. „Wir haben heute keine Feinde mehr um uns herum“, stellte Fuchtel fest, „damals hätte jeder falsche Schritt in einer Katastrophe münden können.“ Wesentlichen Anteil an der Wiedervereinigung hätten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Michail Gorbatschow als Staatspräsident der Sowjetunion gehabt. 

Die Politikstunde im Martin-Gerbert-Gymnasium wurde von einer Plakatausstellung begleitet. Der Abgeordnete ging ausführlich auf Fragen ein, die sich auch um die heutige Ostpolitik und den Solidarbeitrag drehten. „Ihr seid die Nutznießer der Historie“, verwies Fuchtel darauf, wie selbstverständlich es heute ist, in einem wiedervereinigten Deutschland aufzuwachsen. „Macht was daraus!“, riet Fuchtel weiter. Doch daraus ergäbe sich auch die Verpflichtung, sich für den Erhalt des Friedens und der Demokratie einzusetzen sowie den Menschen zu helfen, die heute flüchten müssen.

Schließlich gab Fuchtel noch Geschichten aus seiner eigenen Schulzeit zum Besten, denn der Abgeordnete hatte für einige Jahre das Horber Gymnasium besucht, um später sein Abitur in Nagold abzulegen. Der Staatssekretär berichtete von einem Mitschüler, der über Nacht körperliche Bekanntschaft mit den DDR-Verhörmethoden machen musste. Er hatte - vermeintlich clever - die „offiziellen“ Wechselkurse von West- zu Ost-Mark (und wieder zurück) auf dem Schwarzmarkt zu seinen Gunsten umgehen wollen.

Für Schulleiter Georg Neumann war der „historische Rückblick, gewürzt mit persönlichen Eindrücken“, eine besonders gelungene Geschichtsstunde, die den Jugendlichen noch lange in Erinnerung bleiben werde. Dem Staatssekretär wünschte er für seine politische Arbeit viel Erfolg, vor allem für seine heiklen Missionen in der Welt.

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