07.11.2014

Schulstunde zur Deutschen Einheit

Fuchtel eröffnet Ausstellung im Otto Hahn-Gymnasium / Erinnerungen an eigene Schulzeit bis zum Abitur in Nagold

Schulstunde zur Deutschen Einheit Die Ausstellung zur deutschen Teilung und Wiedervereinigung eröffneten der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Zweiter von rechts) und Schulleiter Klaus Kinkelin (rechts) Im Nagolder Otto-Hahn-Gymnasium vor rund 90 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 9. Foto: Hirsch

Nagold. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel eröffnete zusammen mit Schulleiter Walter Kinkelin in Foyer des Nagolder Otto Hahn-Gymnasiums eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeliehene Ausstellung zur Deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Begleitet wurde Fuchtel vom CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Kurt Reich und Carl Christian Hirsch, dem Kreisvorsitzenden der Jungen Union. 

Die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Dokumentation des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen beinhaltet auch Dokumente, die die persönlichen Geschichten von Lehrern und Schülern in der DDR in verschiedenen Rollen zeigen. Von dem ins Visier der Stasi geratenen Lehrer und der von der Stasi als Informelle Mitarbeiterin (IM) angeworbenen Lehrerin bis hin zu Schülern, die mit 17 Jahren ihre Mitschüler bespitzelten, um damit über Studienberechtigungen zu entscheiden oder durch die Einstufung als „systemkritisch“ noch größeres Leid hervorzurufen.

Rektor Walter Kinkelin begrüßte rund 90 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9, die zusammen mit ihren Lehrern Einblick in die persönlichen Erfahrungen des Parlamentarischen Staatssekretärs bekamen. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass die Deutsche Einheit so schnell kommt“, blickte Fuchtel auf das Jahr 1987 zurück, als er erstmals in den Bundestag gewählt wurde. Damals machte Kanzler Helmut Kohl den jungen Abgeordneten persönlich klar, dass man die Einheit als das politische Ziel der Gegenwart sähe. Angesichts dessen, dass zu dieser Zeit andere politische Kräfte kein Interesse mehr an einer Wiedervereinigung zeigten, bleibt der Abend für Fuchtel persönlich im Rückblick von umso größerer Bedeutung.

Für die Jugendlichen gab Fuchtel aber auch Geschichten aus seiner eigenen Schulzeit zum Besten. Der Staatssekretär unternahm einst als Schüler am Otto Hahn-Gymnasium eine Abifahrt nach Ost-Berlin, bei der ein Mitschüler über Nacht in Gewahrsam geriet und körperliche Bekanntschaft mit den DDR-Verhörmethoden machen musste. Er hatte - vermeintlich clever - die „offiziellen“ Wechselkurse von West- zu Ost-Mark (und wieder zurück) auf dem Schwarzmarkt zu seinen Gunsten umgehen wollen. Bei Fuchtels Anekdoten blieben auch ältere Schüler auf dem Weg in die Klassenräume neugierig stehen.

„Ihr seid die Nutznießer der Historie“, verwies der Bundestagsabgeordnete darauf, wie selbstverständlich es heute ist, in einem wiedervereinigten Deutschland aufzuwachsen und in alle Himmelsrichtungen reisen zu können. „Macht was daraus!“, riet Fuchtel weiter. Doch daraus ergäbe sich auch die Verpflichtung, sich für den Erhalt des Friedens und der Demokratie einzusetzen sowie den Menschen zu helfen, die heute flüchten müssen, sei es in der Ukraine, in Syrien oder im Irak. Weltweit seien derzeit rund 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Bezeichnend: Die Ausstellungseröffnung war an diesem Tag Fuchtels erster Termin – am Nachmittag musste der Staatssekretär zur polnisch-ukrainischen Grenze aufbrechen, um den deutschen Unterstützungstransport, der aus 112 mit Hilfsgütern beladenen Lastwagen bestand, zeitsparend über die dortige Grenze zu begleiten.

Nach einer Fragerunde brachte es Fuchtel auf den Punkt: „Die Lehre aus diesen Prozessen ist doch folgende: Die Freiheit kann man lange Zeit unterdrücken, aber den Willen nach Freiheit kann man niemals brechen.“

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