02.12.2014

Zeugnis für internationalen Ruf

Fuchtel: Grab in Schömberg weckt Emotionen in Fernost / Letzte Ruhestätte des Tagore-Enkels Nitu

Zeugnis für internationalen Ruf Zeugnis über den internationalen Ruf Schömbergs als Kurort gibt das Grab des Tagore-Enkels Nitindra Nuth Gunguly. Karl-Heinz Bertsch, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, die CDU-Ortsvorsitzende Angelika Krauß und Alfred Norta (von links) wollen das Kulturdenkmal auch künftig erhalten wissen.

Schömberg / Waldachtal. Hans-Joachim Fuchtel konnte das selbst kaum glauben: Gerade war der Parlamentarische Staatssekretär zu wichtigen Gesprächen bei der Asian Development Bank in Manila gelandet, da drückte ihm ein Vorstandsmitglied einen Brief des berühmten bengalischen Philosophen und Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore aus dem Jahr 1932 in die Hand. Sein Wunsch: Der Original-Wortlaut müsse unbedingt die Gemeinde Schömberg erreichen, wo das Grab des Tagore-Enkels Nitindra Nuth Gunguly, genannt Nitu, noch immer in Ehren gehalten werde. 

Von Dhaka, wo sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit führenden Wirtschaftsvertretern getroffen hatte, hatte sich in Windeseile bis in die 3500 Kilometer entfernte philippinische Metropole die Nachricht verbreitet, dass der Politiker aus dem Nordschwarzwald Anteil am Erhalt eines historischen Kleinods hat, das für viele Menschen heute noch von herausragender Bedeutung ist.

Hans-Joachim Fuchtel hatte allerdings nicht ahnen können, welche Emotionen er in der Hauptstadt Bangladeshs auslösen würde, als er erwähnte, dass Nitus Grab bis heute erhalten ist. Sofort bekundeten seine Gesprächspartner Interesse an näheren Informationen und dankten für das Zeichen des Respekts vor der Familie Tagore.

Rabindranath Tagore aus Kalkutta war der erste asiatische Nobelpreisträger, der die bengalische Kunst mit einer Unzahl von Werken bereicherte. Zwei seiner Lieder sind die Nationalhymnen von Bangladesch und Indien. Außerdem engagierte sich der Philosoph und Sozialreformer gegen überholte Kastenvorschriften.

Sein Enkel Nitu, der auf dem Schömberger Friedhof begraben liegt, wollte mit 20 Jahren in Leipzig studieren. Doch schon wenige Monate nach seiner Ankunft machte er sich in Begleitung eines indischen Arztes auf den Weg in den Schwarzwald, wo er sich behandeln lassen wollte. Die Tuberkulose war allerdings schon so weit fortgeschritten, dass er am 7. August 1932 in Schömberg starb und bestattet wurde.

„Nun wären wir doch schlechte Vertreter unserer Tourismusregion“, wandte sich der Bundestagsabgeordnete nach seiner Rückkehr an Karl-Heinz Bertsch, Alfred Norta und die CDU-Ortsvorsitzende Angelika Krauß, „wenn wir darauf nicht reagieren würden.“ Denn seine Reise habe ihm vor Augen geführt, wie hoch Tagore heute noch in seiner Heimat verehrt werde. Außerdem habe der Raum Calw mit dem Missionar Hermann Gundert einen besonderen Bezug zu Indien. Deshalb werde er auch die indische Botschaft in Berlin informieren, dass Nitus Grab bis heute erhalten geblieben ist und man dieses Kulturdenkmal nach wie vor besuchen könne.

In dem Brief an seine Tochter, den der Staatssekretär im Original-Wortlaut mit nach Schömberg brachte, verarbeitet Tagore nicht nur den schmerzlichen Verlust seines Enkels, sondern auch den Tod seines jüngsten Sohnes, der einige Jahre zuvor im Alter von zehn Jahren verstorben war.

Nitus Grab sei ein bedeutender Hinweis auf die große Epoche Schömbergs als Kurort von internationalem Rang, betonte der Politiker. 1998 war die Stätte auf Fuchtels und Bertschs Initiative hin umfangreich restauriert worden, finanziert von den Tumlinger Fischerwerken. Damals konnte der Bundestagsabgeordnete sogar den indischen Botschafter dazu bewegen, an der feierlichen Übergabe teilzunehmen und sich ins goldene Buch der Gemeinde einzutragen.

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