27.01.2015

Glaubensfragen spielen keine Rolle

Fuchtel trifft in Nagold Migranten-Organisationen / Bei gemeinsamen Aktivitäten voneinander lernen / Irene Frey greift Ball auf / Positive Beispiele herausstellen

Glaubensfragen spielen keine RolleZu einem intensiven Arbeitsgespräch mit den Migranten-Organisationen traf sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Fünfter von links) in der Diakonischen Bezirksstelle Nagold. Rechts im Bild: Bernd Schlanderer, Geschäftsführer des Diakonieverbandes. Vierte von rechts: Irene Frey, Fachberaterin für Migration.

Nagold. Voneinander lernen und miteinander Solidarität pflegen - das ist das Ziel, wenn sich Griechen, Kosovo-Albaner, Türken und andere Migranten in Nagold an einen Tisch setzen. Die Brücke ist die Diakonische Bezirksstelle Nagold. Diesmal trafen Bürger mit ausländischen Wurzeln den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Mit Irene Frey von der Diakonie vereinbarte Hans-Joachim Fuchtel regelmäßige Treffen: „in diesen Zeiten müssen alle positiv zusammenwirken und die vielen guten Beispiele herausstellen“. 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete zeigte sich erfreut über das Miteinander, das im Großraum Nagold bereits wie selbstverständlich gepflegt wird. „Was mir dabei gefällt ist“, sagte der Politiker, „dass alle Nationalitäten willkommen sind und sogar gemeinsam Feste feiern.“ Dabei spiele die Glaubensfrage nach seinen Beobachtungen keine Rolle. Fuchtel: „Wir müssen die vielen positiven Beispiele in dieser Zeit herausstellen!“ Mit dem Gesprächsangebot hatte Fuchtel ein Versprechen eingelöst, sagte der Parlamentarier an die Adresse von Wassilios Papadopoulos, den Vorsitzenden des griechischen Fördervereins. Von ihm erfuhr er, dass sich bereits ein Team vornehmlich junger Menschen unter Regie der Diakonischen Bezirksstelle gebildet hat, um Aktivitäten zu entwickeln.

Unter dem Motto „In der Welt zuhause – in Nagold daheim“ hätten sich daraus Projekte entwickelt, berichtete Irene Frey von der Diakonischen Bezirksstelle. „Uns allen ist es völlig egal, woher wir kommen“, betonte die Fachberaterin für Migration, „wir wollen unser Zusammenleben besser gestalten.“ Dabei wolle man nicht nur Feste feiern, sondern andere Länder und Kulturen kennen lernen, um voneinander zu lernen. „Ich erschrecke immer wieder, wie wenig von anderen bei uns ankommt‘“, sagte Frey, „daran müssen wir arbeiten.“

„Ich finde Ihre Aktivitäten ausgezeichnet“, sagte der Staatssekretär. Es sei wichtig, mehr Berührungspunkte zwischen Migranten und einheimischen Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um das Zusammenleben intensiver zu gestalten. Er nannte das Beispiel Blasmusik: „Musik verbindet“, sagte Fuchtel als Vorsitzender des Kreisverbands der Blasmusik, „ich würde gerne mal mit Blasmusikern ins türkische Bildungszentrum kommen.“ Genauso seien Migranten in Hilfsorganisationen wie THW, DRK oder Feuerwehr gern gesehen. „Es ist wichtig, derartige Aktivitäten jetzt anzustoßen“, riet Fuchtel. Dazu könne auch die Partnerschaft des Nordschwarzwalds mit der griechischen Ferieninsel Kreta beitragen.

Der Politiker sprach sich für eine Vernetzung mit der Bauwagen-Szene sowie für die Integration von Behinderten in die Zusammenarbeit mit Migranten-Organisationen aus. Das Projekt „Schule ohne Rassismus“ in Kooperation mit dem Christlichen Jugenddorf Altensteig (CJD) solle unterstützt werden. In einem Workshop könnten weitere Ideen des Miteinanders reifen.

CDU-Stadtrat Thomas Baitinger berichtete von Kooperationen mit der Trachtenkapelle Gündringen und davon, dass das Nagolder Kinderfest bereits dazu beitragen konnte, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen. „Wir entwickeln was Gemeinschaftliches über die einzelnen Ebenen hinweg“, freute sich Bernd Schlanderer, Geschäftsführer des Diakonieverbandes, über die Resonanz.

Lockere Städtepartnerschaften mit Katerini (Griechenland), Belek (Türkei) oder Prishtina (Kosovo) stehen  auf der Wunschliste. Fuchtel sagte gerne die Schirmherrschaft für eine Turntable-Veranstaltung zum Thema „Antidiskriminierung und Demokratieentwicklung“ zu. Eine Wanderausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Tag der Deutschen Einheit im Oktober soll in den Schulen unter der Überschrift „Menschenrechte für Alle“ stehen.

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