19.02.2015

Kooperation hilft bei Suchtbekämpfung

Calwer Fachstelle und Jobcenter arbeiten Hand in Hand / Vorschlag von Staatssekretär Fuchtel trägt bereits Früchte

Kooperation hilft bei Suchtbekämpfung  Gegenseitiges Updaten hilft der Fachstelle Sucht in Calw (von links): Sabine Schmidt und Anja Tischendorf im Gespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Christian Heise.

Calw. Die Zusammenarbeit der Fachstelle Sucht in Calw mit den Jobcentern der Region trägt erste Früchte. Darüber informierten Leiterin Sabine Schmidt und ihre Stellvertreterin Anja Tischendorf den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bei einem Arbeitsgespräch. Die Organisation hatte einen Vorschlag des Bundestagsabgeordneten im letzten Jahr aufgegriffen, um jetzt das erfreuliche Ergebnis der erfolgreichen Kooperation zu präsentieren.

Die Calwer Fachstelle ist eine von mehreren Suchtberatungsstellen des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (bwlv). Dessen Geschäftsführer Christian Heise betonte, dass auf beiden Seiten ein großes Interesse daran bestehe, die Zusammenarbeit zur Suchtproblematik fortzuführen. Davon würden auch die Jobcenter profitieren.

„Diese Form der Kooperation gibt die Möglichkeit, sich zielorientierter mit den Menschen zu beschäftigen“, begrüßte Fuchtel den Erfolg. Den Betroffenen werde durch Achtung ihrer Würde Kraft gegeben, ihre Sucht zu bekämpfen. Das Konzept stehe für eine neue Politik der Suchtbekämpfung. Der Erfahrungsaustausch helfe Betroffenen ebenso wie themenbezogene Seminare in den Jobcentern, die anhaltend gut besucht seien.

Erneut brachte der Staatssekretär einen Vorschlag in die Arbeit der Fachstelle ein, indem er riet, die Angebote von politischen Stiftungen intensiver zu nutzen. Er könne sich gut ein Seminar zur Drogenpolitik im Nordschwarzwald vorstellen oder eine Informationsveranstaltung zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs. Die Fachstelle täte gut daran, sich Parteien oder gemeinnützige Einrichtungen ins Boot zu holen. Ohnehin sei der Aufbau eines Netzwerkes zur Drogenbekämpfung wichtig, denn „therapeutische Gespräche reichen heute kaum noch aus.“ Fuchtel möchte den Dialog mit der Fachstelle weiter ausbauen, „denn hier wird ein Aufgabenfeld beackert, bei dem man sich für Synergien immer wieder updaten muss.“

Die Suchtberater wollen sich künftig auch verstärkt der Spielsucht widmen; die Nachfrage für Beratungen steige bereits. Außerdem nimmt der Konsum von synthetischen Drogen zu, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BTM) fallen. Hier zeige sich die teuflische Seite des Internets, wo anonym unterschiedlichste, schädliche Substanzen bestellt werden könnten. Bei den Jugendlichen sei das Komatrinken aktuell rückläufig. Dennoch wolle man verstärkt das Gespräch mit dem Kreisjugendring suchen, machte Sabine Schmidt deutlich.

Es sei gut, stärker als bisher in die Offensive zu gehen, betonte Fuchtel. Mit mehr Aktivitäten könne man der Lethargie entgegenwirken. Die Gesellschaft müsse froh sein, dass es Fachstellen wie die in Calw gebe, wo Suchtkranke aufgefangen würden. Als Partner der Fachstelle bietet sich nach Ansicht des Staatssekretärs der Internationale Bund an. Hier habe sich die Nachfrage nach psycho-sozialer Begleitung bei Substitution verstärkt. Die Zusammenarbeit mit Ärzten funktioniere inzwischen sehr gut, sagte die Fachstellenleiterin.

Burnout sei häufig Auslöser für ein Suchtverhalten, sind sich die Fachberater der Suchtstelle einig. Der Bundestagsabgeordnete berichtete deshalb über den Stand der Planung für das erste Burnout-Café des Nordschwarzwalds im Würzbacher Bauerntheater. Das könne dadurch auch Anlaufstelle für die Suchtberatung sein.

Christian Heise betonte, dass der Landesverband ein reges Interesse an einer intensiveren Zusammenarbeit mit der Rentenversicherung, den Suchtkliniken in der Region und weiteren Einrichtungen habe. Eine fruchtbare Kooperation, ergänzte Anja Tischendorf, gebe es im Übrigen bereits mit der Erlacher Höhe.

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